Mikroplastik
Nina Rölleram 11.01.2017

Weißt Du eigentlich, welche Inhaltsstoffe Du Dir tagtäglich mit Deinen Pflegeprodukten und Make-up ins Gesicht schmierst? Was, wenn wir Dir sagen, dass Du dabei vermutlich täglich winzige Plastikpartikel auf Deine Haut, Haare oder gar Zähne aufträgst? Genau diese werden nämlich weitläufig in unterschiedlichen Kosmetika eingesetzt, ohne dass Du Dir dessen bewusst bist. Auch wenn es sich dabei um zugelassene und klinisch geprüfte Produkte handelt, richten sie schon immense Umweltschäden an und können auch für den Menschen gefährlich werden. Wir erklären Dir, warum Du Plastik in Kosmetik vermeiden solltest und wie Du überprüfen kannst, ob sich die bedenklichen Stoffe in Deinen Lieblingsprodukten verstecken.

Plastik umgibt uns in unserem Alltag eigentlich überall: Ob Folienverpackungen für frische Lebensmittel, Shampooflaschen oder Einweg-Kaffeebecher, sie alle enthalten Kunststoffe, die nur schwer abbaubar sind. Im Gegensatz zu organischen Stoffen können sie nicht einfach zersetzt werden und sammeln sich stattdessen in Form von großen Müllinseln in den Meeren. Auch in Kosmetik wird sogenanntes Mikroplastik eingesetzt, die Du womöglich unbedacht tagtäglich im Abfluss entsorgst. Doch warum setzen Hersteller diese bedenklichen Stoffe überhaupt ein und gibt es überhaupt brauchbare Alternativen?

Plastik in Kosmetik wird nicht gekennzeichnet. Die Bezeichnungen müssen erst mühsam entziffert werden.

Plastik in Kosmetik wird nicht gekennzeichnet. Die Bezeichnungen müssen erst mühsam entziffert werden.

So zerstört Mikroplastik die Umwelt

Mikroplastik

Nicht nur grober Plastikmüll verdreckt die Weltmeere.

Generell ist es löblich, wenn Du versuchst, weniger Plastikmüll zu produzieren. Wenn Du allerdings Kunststoffe richtig entsorgst, werden sie immerhin noch recycelt. Anders ist das, wenn Plastik ins Abwasser gekippt wird. Und genau das passiert bei der Verwendung von Kosmetik ständig: Wenn Du Dich mit kunststoffhaltigen Gesichtspeelings, Zahnpasta oder Shampoo reinigst, spülst Du anschließend auch alle Inhaltstoffe ins Abwasser. Grobe Verunreinigungen können zwar in Kläranlagen herausgefiltert werden, winzige Partikel aus Kosmetika gelangen allerdings in Flüsse und Meere. Dort wird dieses Mikroplastik von Fischen und Meeressäugern gefressen oder gelangt auf passivem Weg in ihre Körper. Viele der Plastikpartikel setzen sich dabei nicht nur in den Körpern der Tiere fest, sondern ziehen auch noch Umweltgifte an und können diese in der Folge sogar töten. Ist es dort erst einmal angekommen, lässt es sich unmöglich wieder entfernen.

Wie sich die Kunststoffe auch in Deinem Körper ablagern können

Plastik in Kosmetik

Mikroplastik kann sich womöglich auch im menschlichen Körper ablagern.

Die Gefahr, die von Mikroplastik ausgeht, wird zum Glück zusehends erkannt. Aktuell wurde in Deutschland bereits Zahnpasta verboten, die kleine Plastikkügelchen als eine Art Scheuermittel für die Zähne einsetzt. In sechs US-Bundesstaaten wurde Mikroplastik sogar für alle anderen Kosmetikprodukte verboten. Auch hierzulande wird über ein solches Gesetz diskutiert. Bis es aber so weit ist, musst Du selbst im Laden überprüfen, ob Du bedenkliches Plastik in der Liste der Inhaltsstoffe findest. Besonders achtgeben solltest Du bei den Produkten, die Du nicht mit einem Wattepad wieder abträgst und im Müll entsorgst, sondern mit Wasser abspülst. Besonders häufig findet sich Plastikpartikel in Peelings, bei denen die Schleifpartikel nicht aus natürlichen Zutaten bestehen. Aber auch bei Silikonen in Shampoo handelt es sich um Kunststoff, der zwar für ein seidiges Gefühl sorgt, mit denen Du Deinen Haaren aber langfristig nichts Gutes tust. Was Silikone in Shampoo genau mit Deinen Haaren machen, erklären wir Dir hier.

Die mikroskopisch kleinen Plastikpartikel können dann nämlich nicht nur ihren Weg in Gewässer finden, sondern wurden bereits in Lebensmitteln wie Milch, Honig, Bier und Trinkwasser wiedergefunden. Da die Kosmetikhersteller nicht verpflichtet sind, die Umweltverträglichkeit des verwendeten Plastiks zu testen, landen so womöglich hoch bedenkliche Kunststoffe in Deinem Körper. Bei Fischen haben Forscher bereits beobachten können, dass die Plastikpartikel das Gewebe der Magenwand durchdringen können und Entzündungen verursachen. Welchen Schaden Mikroplastik im menschlichen Körper anrichten kann, wird sich erst innerhalb der nächsten Jahre herausstellen.

Anhand dieser Bezeichnungen erkennst Du Plastik in Kosmetik

Viele Naturschutzverbände wie Greenpeace oder der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland setzen sich für ein Verbot von Mikroplastik in Kosmetik ein. Darüber hinaus betreiben sie Aufklärungsarbeit, damit Verbraucher selbst Plastik in Kosmetik erkennen können und auf andere Alternativen setzen. Bei zertifizierter Naturkosmetik bist Du immer auf der sicheren Seite und musst gar nicht erst mühselig Etiketten studieren. Bei herkömmlichen Produkten musst Du ganz genau hinsehen: Wenn einer dieser Begriffe in irgendeiner Weise zu lesen ist, enthält das Produkt umweltschädliche Kunststoffe:

  • Acrylate Copolymer (AC)
  • Acrylate Crosspolymer (ACS)
  • Dimethiconol
  • Methicone
  • Polyamide (PA, Nylon)
  • Polyacrylate (PA)
  • Polymethylmethacrylate (PMMA)
  • Polyquaternium (PQ)
  • Polyethylene (PE)
  • Polyethyleneglycol (PEG)*
  • Polyethyleneterepthalate (PET)
  • Polypropylene (PP)
  • Polypropyleneglycol (PPG)*
  • Polystyrene (PS)
  • Polyurethane (PUR)
  • Siloxane

Die Liste kannst Du Dir auch im handlichen Format auf der Webseite von Greenpeace ausdrucken und beim Einkaufen bei Dir tragen. Wenn Du wirklich auf Plastik in Kosmetik verzichten willst, lohnt sich der genaue Blick. Denn Werbeversprechen wie „Mikroplastikfrei“ sind weder gesetzlich geschützt, noch sagen sie etwas darüber aus, ob sich nicht dennoch flüssige oder wachsartige Kunststoffe im Produkt befinden.

Ganz schön gruselig, wenn man bedenkt, welche Stoffe sich so alles in Kosmetik tummeln. Eine gute Möglichkeit, dem aus dem Weg zu gehen ist, diese einfach selbst herzustellen. Wie Du Dir ein zitronig duftendes Duschgel selber machst, verraten wir Dir hier. Wenn Du darüber hinaus auf Plastik verzichten willst, haben wir hier ein paar tolle Alternativen für kunststofffreie Trinkflaschen für Dich aufgelistet.

Bildquelle: iStock/humonia, iStock/humonia, iStock/blacklenz, iStock/Jacob Ammentorp Lund

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