Belgien Abtreibung
Nina Rölleram 11.07.2018

In vielen westlichen Ländern sind Abtreibungen innerhalb der ersten zwölf Wochen zwar faktisch straffrei, aber streng genommen nicht legal: Wie auch in Deutschland wurden Schwangerschaftsabbrüche in Belgien bisher durch das Strafgesetzbuch geregelt. Mit dieser Stigmatisierung ist in unserem Nachbarland nun Schluss.

Vor 1990 waren Abtreibungen im mehrheitlich katholischen Belgien noch gänzlich illegal. Verglichen mit anderen europäischen Ländern zählte Belgien sogar zu den Ländern mit den restriktivsten Gesetzen. Trotz Drohungen der katholischen Kirche liberalisierte das Parlament das Abtreibungsgesetz 1990. Erst durch einen aktuellen Beschluss des belgischen Parlaments werden freiwillige Abtreibungen endlich entkriminalisiert.

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Das ändert sich ab sofort

Wie der österreichische Standard berichtet, ist Belgien das erste westeuropäische Land, das Abtreibungen aus dem Strafgesetzbuch streicht. Damit gelten zwar nach wie vor die allgemeinen Regelungen für einen legalen Schwangerschaftsabbruch, jedoch erhoffen sich die Befürworter der Gesetzesänderung, dass Frauen in Zukunft weniger unter Stigmatisierung leiden müssen. Außerdem müssen sich belgische Frauen künftig nicht mehr in einer Notlage befinden, um eine Abtreibung durchführen zu können. Bisher konnten Belgierinnen sich zwar selbst eine Notlage attestieren, dennoch sind Betroffene nun nicht mehr in der Bringschuld. Auch Ärzte werden in Belgien künftig dazu verpflichtet, Patientinnen an Kollegen weiterzuleiten, wenn sie selbst keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen wollen. Kommen sie dieser Pflicht nicht nach, drohen ihnen Strafen.

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Belgien als Vorbild für Deutschland?

Die gesetzliche Regelung von Schwangerschaftsabbrüchen wird derzeit in vielen europäischen Ländern debattiert. In Deutschland war es die Verurteilung der Gießener Frauenärztin Kristina Hänel aufgrund von vermeintlicher „Abtreibungs-Werbung“, die die Diskussion um eine Gesetzesänderung anstieß. Hierzulande werden Schwangerschaftsabbrüche noch über das Strafgesetzbuch geregelt und stehen faktisch unter Strafe. Lediglich Ausnahmeregeln ermöglichen straffreie Abtreibungen, jedoch keine legalen wie in Belgien. Möglicherweise könnte die Gesetzesänderung nun erneut die Debatte hierzulande befeuern.

Belgien ist schon das zweite mehrheitlich katholische Land, in dem seit diesem Jahr liberalere Gesetze herrschen: In Irland wurde im Mai in einem Referendum gegen das bisher herrschende Abtreibungsverbot gestimmt. Laut der Neuen Zürcher Zeitung habe der Entscheid der Iren die Debatte in Belgien beflügelt.

In vielen Ländern sind Abtreibungen auch nicht durch Ausnahmeregeln möglich (die Infografik entstand kurz vor der Gesetzesänderung in Irland, wo Abtreibungen nun erlaubt sind):

Abtreibung illegal Länder

 

Es ist schon absurd, dass Abtreibungen in vielen westeuropäischen Ländern straffrei möglich sind, doch durch die Regelung über das Strafgesetzbuch faktisch illegal sind. Wünschst du dir, dass Deutschland sich ein Vorbild an Belgien nimmt, oder sollten die Gesetze hierzulande so bleiben, wie sie sind? Sag mir deine Meinung in den Kommentaren!

Bildquelle:

Getty Images/EMMANUEL DUNAND, Statista


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