Fliegen mit Übergewicht
Katharina Meyer am 24.07.2017

Es gibt wahrscheinlich kaum jemanden, der wirklich gerne fliegt. Abgesehen von denen, die an schlimmer Flugangst leiden, finden die meisten einfach die Beengtheit, die trockene Luft und vielleicht Start und Landung mit dem daraus resultierenden Druck auf den Ohren unangenehm. Doch eine übergewichtige Frau beschreibt nun in einem Twitter-Thread, wie schlimm die Erfahrung im Flugzeug für füllige Menschen tatsächlich ist.

Wer nicht mit einem ziemlichen Traumkörper gesegnet ist oder zwar schlank, dafür aber groß ist, weiß, dass man im Flugzeug nicht unbedingt viel Platz hat – und das, obwohl man oftmals für mehrere Stunden in seinem Sitz verharren muss. Doch während schon „normal“ gebaute Menschen ihre Problemchen haben, ist Fliegen für Dicke der blanke Horror – das zeigt der Twitter-Thread von der Userin your fat friend ganz deutlich.

Zwei Tickets kaufen – aber keine zwei Sitze bekommen!

Sie beschreibt die Gedanken, die sie sich als – und dies schreibt sie selbst – „sehr fette Person“ vor dem Fliegen macht in einer Reihe von Tweets. Bevor sie überhaupt erst ein Flugticket bucht, recherchiert sie die Beförderungsbedingungen für füllige Fluggäste, die oftmals beinhalten, dass die Fluggesellschaft das Recht beibehält, den Gast des Flugzeugs zu verweisen – ohne Entschädigung oder Rückerstattung und sogar auch noch nach dem Boarden. Andere Airlines verpflichten dicke Passagiere, ein zweites Ticket zu buchen – doch den Platz können sie ohne vorherige Benachrichtigung an den Gast und ebenfalls ohne Rückzahlung des Ticketpreises an einen anderen Kunden verkaufen.

Ungefragte Kommentare über ihren Körper gehören zur Tagesordnung

Doch das ist nicht alles! Schlimmer noch als die preisliche Benachteiligung (und natürlich dem engen, unbequemen Platz, falls sie es an Bord schafft), sei der Twitter-Userin zufolge die emotionale Schikane, die das Reisen mit dem Flugzeug für Dicke beinhalte. „Ich bringe meine eigene Sitzgurtverlängerung mit, damit ich nicht um eine bitten muss“, berichtet sie. „Es ist mir nicht peinlich, um eine zu bitten. Ich weiß, dass ich fett bin. Ich habe nur Angst, dass andere auf mich aufmerksam werden und sich über mich beschweren, wenn ich um eine bitte.“ Sie vergleicht die Bitte um den Gurtverlängerer mit einem „Domino-Effekt“ von Menschen, die meinen, ihren Körper und ihre Anwesenheit lang und breit diskutieren zu können.

Unabhängig davon, dass Beschwerden anderer Passagiere dazu führen können, dass sie umgesetzt oder des Flugzeugs verwiesen wird, hinterlässt dies natürlich auch so kein besonders gutes Gefühl. „Egal, was passiert, wenn jemand sich beschwert, wird mein Körper laut diskutiert, mit einer Menge Ekel und Anlehnung, völlig egal, wer das hört“.

So schlimm war ihre erste negative Flugerfahrung

„Hier geht es gar nicht um emotionale Verletzlichkeit. Man kann mir zwar wehtun, aber ich bin stark“, schreibt sie. Doch beim Fliegen komme alles zusammen. „Keiner fliegt gerne. Es ist für niemanden bequem. Aber für manche von uns ist es ein großes physisches, finanzielles und emotionales Risiko“. Als krasses Beispiel, wie schlimm es werden kann, beschreibt sie anschließend einen Flug vor sechs Jahren. Es sei das erste Mal gewesen, dass sich jemand ihres Gewichts wegen beschwert hatte, aber sie habe es nie wieder vergessen.

„Der Mann neben mir wurde immer verärgerter. Ich begrüßte ihn und fragte, wie es im geht, doch er ignorierte mich. Er stand mehrmals auf, um mit einer Flugbegleiterin zu reden, dabei gestikulierte er wild und zeigte auf mich. Mein Magen drehte sich um, als ich begriff, worum es ging. Als er zurückkam, schnappte er sein Zeug und sagte wütend ‘Das ist auch zu Ihrem Komfort. Es ist besser für uns beide‘. Ich verbrachte den Rest des Fluges mit Armen und Beinen angezogen, gedemütigt und alleine. Niemand redete mit mir oder sah mich an. Die Flugbegleiterin sprach auch nicht mit mir, aber sie gab den Passagieren neben mir Essen und Getränke umsonst – als Entschädigung, weil sie neben mir sitzen mussten. Am Ende des Fluges im Flugzeuggang sagte der Mann, der sich hatte umsetzen lassen, noch zu mir ‘Ich hätte sowas nicht gemacht, wenn Sie schwanger wären oder im Rollstuhl säßen‘. ‘Ich weiß‘, sagte ich, ‘dass ist es ja, was es so schlimm macht.“

Danach sei sie über anderthalb Jahre nicht mehr geflogen. Da sie jedoch beruflich nicht immer drumherum kommt und ihre Familie auch noch weit weg wohnt, kommt es inzwischen wieder vor, dass die Twitter-Userin ein Flugticket bucht. Sie will mit ihren Tweets nicht nur Fluggesellschaften darauf aufmerksam machen, wie erniedrigend die Erfahrungen für dicke Passagiere sind, sondern vor allem auch ihre Mitmenschen. Dafür erntet sie viel Zuspruch im Netz.

„Ist es nicht unglaublich und beunruhigend, dass wir denken, dass wir das Recht haben, Gefühle über die Körper anderer zu haben aber nicht über ihr tatsächliches emotionales und physisches Wohlergehen?“, fragt eine Userin in einem Kommentar auf die Tweets. Das können wir nur unterschreiben!

Bildquelle: iStock/nateemee

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