Esssucht: Können Zucker, Fett und Co süchtig machen?

Im Büro trainieren wir unser Sitzfleisch, auf der Couch sieht es nach Feierabend nicht anders aus. Wenn die Energiespeicher dann nach einem relativ bewegungsfreien, aber dennoch anstrengenden Arbeitstag mit fettigem und kohlehydratreichem Essen wieder aufgefüllt werden, dankt es uns der Körper mit Hüftgold. Doch ist die ständige Lust auf Pizza, Nudeln und Schokolade schon eine Esssucht? Sind es vielleicht bestimmte Inhaltsstoffe, die eine Esssucht auslösen? Diese Frage beschäftige eine Gruppe von Forschern, die das Essverhalten in einer neuen wissenschaftlichen Studie ganz genau unter die Lupe nahmen.

Gerade in Industrieländern mit ihrem Überangebot an fertigen Lebensmitteln und Gerichten mit mehr Kohlehydraten und Fetten als wir eigentlich benötigen, sind Übergewicht und Adipositas keine Seltenheit. Doch was genau ist es, das uns immer wieder dazu verführt, zu genau diesen Lebensmitteln zu greifen? Ist es die Süße von Schokoriegeln, Eis und Kuchen, das Salz in vielen Snacks oder das Fett in Pommes und Schnitzel? Können diese Bestandteile etwa süchtig machen oder steckt hinter Esssucht noch etwas ganz anderes? Ein internationales Forscherteam aus Ernährungswissenschaftlern, Verhaltensbiologen und Kinder- und Jugendpsychiatern stellte in den vergangenen Jahren diese Fragestellungen in den Mittelpunkt ihrer Forschungen und untersuchte im Rahmen des EU-Projekts NeuroFAST unser Essverhalten und Esssucht. Dazu gehörten Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen, die unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Hebebrand zum Projekt beitrugen und so einiges über Esssucht herausfanden.

Mit gesundem Essen Esssucht vorbeugen

Fertige Lebensmittel, Fast Food und fettiges Essen ebnen den Weg in die Esssucht

Esssucht ist eine komplexe Angelegenheit

Gerade Zucker und seine Wirkung auf unseren Körper wurden in den letzten Jahren immer wieder heiß diskutiert. Die weißen Körnchen stehen im Verdacht, in hoher Konzentration ähnliche Effekte auf das Gehirn zu haben wie Heroin und Kokain. Könnte Zucker also abhängig machen und zu einer Esssucht führen? In der Pressemitteilung der Universität Duisburg-Essen betont Projektmitarbeiter Dr. Özgür Albayrak: „Es gibt keinen einzelnen, gut identifizierbaren Süchtigmacher in der Nahrung, etwa Zucker und Fett. Deshalb ist krankhaftes Essen auch nicht mit der Alkohol- und Nikotinsucht zu vergleichen. Entscheidend ist aus unserer Sicht das Essverhalten.“ Dennoch können geschmacksintensive Lebensmittel, die viel Zucker, Fett oder Salz enthalten, zu einer Esssucht führen oder sie zumindest wahrscheinlicher machen. Schließlich sind sie fast schon allgegenwärtig und haben ihren Weg sogar in Snackautomaten verpackt in die Schulen und Büros der Republik geschafft. Das Überangebot in Supermärkten und intensive Werbung tun ihr übriges. Allerdings kann man Esssucht eher mit einer Spielsucht vergleichen, bei der sich die Auslöser in der Psyche verstecken und keine aufgenommenen Stoffe den Körper durcheinander bringen: Es sind wahrscheinlich psychologische Faktoren, die die Auswahl der Nahrungsmittel und ihre Aufnahme steuern und so starken Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit einer Esssucht haben. Prof. Hebebrand: „Bislang fehlen allerdings wissenschaftlich fundierte Kriterien, mit der sich diese verhaltensbezogene Sucht charakterisieren lässt. Wenn wir genauer verstehen würden, wie industriell gefertigte Nahrungsmittel, psychologische Faktoren und psychiatrische Begleiterkrankungen zur Suchtausbildung führen, könnten wir betroffenen Menschen noch gezielter helfen.“

Klar ist, dass Esssucht nicht allein auf die Stoffe in unserem Essen zurückzuführen ist, sondern auch die Ernährungsgewohnheiten und der Umgang mit Essen einen ausschlaggebenden Einfluss auf Esssucht haben. Bis die komplexen Zusammenhänge der Esssucht erforscht sind, kann es also noch eine Weile dauern. Lebensmittel mit viel Zucker, Fett oder Salz sind eben geschmacksintensiv, das weiß auch die Lebensmittelindustrie und reichert ihre Fertigprodukte gern damit an. Wer allerdings viel frisch kocht und fettige und süße Gerichte eher selten auf dem Speiseplan hat, muss sich um eine Esssucht keine Sorgen machen.

Bildquelle: Thinkstock / Spike Mafford

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