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Dreiste Werbelüge: Dieser Käse gewinnt den Goldenen Windbeutel 2020

Werbelügen

Dreiste Werbelüge: Dieser Käse gewinnt den Goldenen Windbeutel 2020

Zuckerreduziert, besonders proteinreich oder nachhaltig: Viele Kunden achten vermehrt darauf, dass die Lebensmittel, die sie kaufen bestimmten Gesundheits- und Umweltstandards entsprechen. Lebensmittelhersteller haben das begriffen - oftmals werden die Wünsche der Kunden jedoch nur in den Werbeversprechen umgesetzt. Der Goldene Windbeutel kürt deshalb jährlich die größten Mogelpackungen. Wir zeigen dir, welche Produkte 2020 nominiert waren - und welches letztendlich gewonnen hat.

Aus insgesamt 200 Einsendungen hat die Jury fünf Finalisten ausgewählt, deren Werbung ihr Versprechen nicht so wirklich hält – oder in einigen Fällen auch einfach dreist gelogen ist. Die Wahrheit verbirgt sich dann meist im Kleingedruckten, das nicht selten unleserlich auf der Packung versteckt ist. Grundsätzlich sind Täuschungen bei Lebensmitteln verboten, aber viele Hersteller nutzen geschickte Tricks, um ihre Produkte dennoch besser dastehen zu lassen, als sie eigentlich sind.

Bis zum 6. September konnten Verbraucher online über den Gewinner abstimmen. Dabei kam ein eindeutiges Ergebnis raus. Mit 43 Prozent der stimmen stand Platz 1 schnell fest.

Käse von Freilaufkühen – die aber im Stall stehen

Käse

Für die Marketingstrategie des Grünländer Käses von Hochland hat man sich extra an eine Wortneuschöpfung gewagt. Die Milch für den Käse stammt von sogenannten „Freilaufkühen“. Schaut man sich die Verpackung an, die eine grüne Weide und Löwenzahn zeigt, sollte doch eigentlich klar sein, was damit gemeint ist: Kühe, die auf einer Weide grasen. Dass dem nicht so ist, erfährt man, wenn man sich das Kleingedruckte auf der Rückseite anschaut. Die Kühe dürfen nämlich nur im Stall freilaufen – diese Form der Haltung ist absolut nichts Besonderes, sondern in vielen Betrieben gängig. Mit 43,5 Prozent der Stimmen gewinnt der Käse von Hochland damit dieses Jahr den Goldenen Windbeutel. Annehmen will der Hersteller den Preis übrigens nicht. Man halte die Kritik laut einem schriftlichen Statement für nicht angemessen Mit dieser Meinung steht Hochland allerdings ziemlich alleine da, wie die Umfrage zeigt.

Platz 2: Roibostee, der nur durch die Verpackung dunkel wirkt

Roibostee

Wer eine gesunde Alternative zu Limo oder Eistee sucht, greift schnell zu Wasser mit Geschmack. Volvic hat davon nun eine Roibos-Variante herausgebracht, die auf den ersten Blick wirkt, als erhalte man hier gut durchgezogenen Tee. Doch der Schein trügt, denn die braunrote Farbe stammt von einer Folie. Im Getränk sind ganze 0,26 Prozent Roibostee-Aufguss. Der Rest ist Wasser. Der Geschmack kommt von einem natürlichen Aroma und Zucker darf im vermeintlich gesunden Getränk natürlich auch nicht fehlen. Mit 17,6 Prozent der Stimmen landet das Volvic-Getränk damit auf Platz 2.

Platz 3: Weidemilch mit 71% weniger CO2-Ausstoß – zumindest für die Verpackung

Arla

Arla hat erkannt, dass Klimaschutz vielen Verbrauchern wichtig ist. Auf der Packung der neuen Arla Bio-Weidemilch wird deshalb groß mit 71 Prozent weniger CO2-Ausstoß geworben. Damit ist jedoch nicht die Milch selbst gemeint. Wer das Kleingedruckte auf der Rückseite liest, erkennt schnell: Die CO2-Ersparnis bezieht sich lediglich auf die Verpackung. Das ist zwar bereits löblich, Milchprodukte haben allerdings auch einen hohen CO2-Fußabdruck. Und in Zeiten, in denen viele Unternehmen es bereits schaffen, die Klimabilanz ihres Verpackungsmülls komplett auf 0 zu setzen, wirken 71 Prozent dann auch nicht mehr so spektakulär. Dafür gibt es mit 14 Prozent der Stimmen im Ranking den dritten Platz.

Platz 4: Wasser statt Zucker – für den doppelten Preis

Marmelade

Beim vierten Platz liegt streng genommen keine Werbelüge vor. Der Fruchtaufstrich „50% weniger Zucker“ in der Geschmacksrichtung Erdbeere von Zentis verspricht 50 Prozent weniger Zucker und hält dieses Versprechen. Statt 56 Gramm Zucker auf 100 Gramm bei der Standardvariante sind nur noch 27 Gramm enthalten. Foodwatch kritisiert jedoch, wie die Hersteller diese Reduzierung herbeiführen. Nicht etwa dadurch, dass sie mehr Früchte nutzen. Stattdessen wird der Zuckeranteil einfach durch Wasser ersetzt. Fairerweise muss man hier sagen, dass eingekochte Früchte auch einen ziemlich hohen Zuckeranteil haben. Eine Reduzierung um 50 Prozent wäre so wohl kaum möglich gewesen. Warum der zuckerreduzierte Fruchtaufstrich allerdings direkt doppelt so viel kosten muss, obwohl Wasser sicherlich keine teure Zutat ist, ist nicht ganz so nachvollziehbar. Für den unverhältnismäßigen Preis gibt es im Ranking mit 13,3 Prozent der Stimmen den vierten Platz.

Platz 5: Protein- oder doch eher Zucker- und Fettriegel?

Proteinriegel

Auch „High Protein“-Produkte erfreuen sich gerade größter Beliebtheit. Hersteller Mars wollte hier mitmischen und brachte den „Be-Kind Protein Riegel Crunchy Peanut Butter“ auf den Markt. Der enthält zwar auch ein wenig Protein. Die Hälfte der Makronährstoffe machen aber Fett und Zucker aus. Da kann man fast genauso gut zum klassischen Mars-Riegel greifen. Immerhin 11,6 Prozent der Umfrage-Teilnehmer hielten dieses Werbeversprechen für besonders dreist und wählten den Riegel damit auf Platz 5.

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Kann der Preis etwas ändern?

Mit der Vergabe des „Goldenen Windbeutels“ richtet Foodwatch sich nicht nur an die Unternehmen, sondern vor allem auch an die Politik. „Seit Jahren ist das Problem bekannt – und noch immer schützt die Bundesregierung Verbraucherinnen und Verbraucher nicht vor Lug und Betrug im Supermarkt. Ernährungsministerin Julia Klöckner muss das Verbot von Täuschung und Abzocke endlich zur Chefinnensache machen“, erklärt Manuel Wiemann von foodwatch, Wahlleiter für den „Goldenen Windbeutel“ in einer Pressemitteilung.

Vielleicht kann der Preis aber auch bei den Herstellern der entsprechenden Produkte etwas bewirken. Seit zehn Jahren wird er mittlerweile vergeben. Im letzten Jahr nahm ein Gewinner die Auszeichnung zum ersten Mal an. Der Bio-Hersteller Zwergenwiese gewann mit seiner überzuckerten Kinder-Tomatensauce. Nach der Preisvergabe kündigte das Unternehmen an, die Rezeptur seiner Lebensmittel für Kinder künftig zu überarbeiten.

Jedes Jahr kommen rund 40.000 neue Produkte in die Supermärkte. Da kann es schon einmal sein, dass bei der Werbung etwas dick aufgetragen wird. In unserer Galerie siehst du die Supermarkt-Neuheiten aus dem September. Ob sie halten, was sie versprechen, musst du dieses Mal allerdings selbst herausfinden:

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Bildquelle:

istock/SDI Productions, Foodwatch

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