Die London Fashion Week reiht sich alljährlich mitten in den Fashion Week Marathon ein und begegnet mit ihrer hippen, coolen und gleichzeitig traditionellen Modeszene den anderen Big Three – New York, Mailand, Paris – auf Augenhöhe.

Die London Fashion Week zählt zu den Big Four der Modeszene. Ebenso wie die Modewochen in New York, Mailand und Paris rufen die britischen Traditionslabels wie Burberry oder Pringle of Scotland und die hippen Newcomer wie Peter Pilotto oder Mary Katrantzou die illustre Modeszene im Februar und im September in den Londoner Fashion Zirkus. Besonders die Liebhaber extravaganter, mustermutiger und auch traditionsreicher High Fashion kommen bei den knapp 100 Schauen rund um den Piccadilly Circus und die pulsierende, coole britische Modeszene schon seit 1984 auf ihre Kosten.

London Fashion Week: Zwischen Konvention und Innovation

Die London Fashion Week hat zwei Gesichter: Auf der einen Seite ein junges, wildes Profil, das ständig auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen ist und hippe Trends und Bewegungen begründet. Stellvertretend für dieses Gesicht sind junge aufstrebende Labels wie House of Holland, Peter Pilotto und ein Urgestein der London Fashion Week: Vivienne Westwood. Die andere Seite hat ein traditionelles, konservatives Profil, das von großen Modehäusern wie Pringle of Scotland, Burberry oder Mulberry vertreten wird und für den englischen Landhausstil und klassischen Glencheck steht. Dass sich diese beiden Seiten jedoch immer mehr annähern und zu einem bunten, innovativen, lebensfrohen Gesicht verschmelzen, beweisen die Entwicklungen von Traditionshäusern wie Burberry oder auch dem Hutdesigner Philip Treacy, der nicht nur die Hüte der Queen designt, sondern auch für Lady Gaga extravagante Kreationen zaubert. Burberry überraschte beispielsweise auf der London Fashion Week im Herbst 2012 mit einer modernen Interpretation ihres absoluten Klassikers: Den Trenchcoat entwarf Burberry in metallischen Regenbogenfarben. Auch Vivienne Westwood ist nicht nur für ihre punkige Mode, sondern auch für ihren Hang zu schottischen Karos bekannt.

Vivienne Westwood, die Grande Dame der London Fashion Week

Die rebellische Designerin, die jede London Fashion Week mit ihrer individuellen Mode – ein exzentrischer Mix aus historischer Bekleidung, seltenen Textilien und modernen Elementen – aufpeppt, gilt jetzt noch, jenseits der 70, als die führende Institution von Mode made in England. Jedes Jahr überrascht die Grande Dame des Punk-Design auf der London Fashion Week mit neuen Ideen und Interpretationen, die meist einen tieferen Sinn beinhalten. Selbst vor politischen Botschaften schreckt die exzentrische Designerin nicht zurück. So nannte Vivienne Westwood ihre Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2008 „56“, um damit gegen die Initiative von Premierminister Gorden Brown zu protestieren, die Zeitdauer, in der Verdächtige ohne Anklage inhaftiert werden können, zu verlängern. Auf der London Fashion Week im September 2012 trug Vivienne Westwood ein T-Shirt, dessen Print sich für die Freilassung von WikiLeaks-Gründer Julian Assange aussprach. Vivienne Westwood ist eine lebende Designlegende – eine London Fashion Week ohne die Queen of Punk ist absolut undenkbar!

London Fashion Week: Mehr Sein als Schein

Mit kaum einer anderen Modewoche ist die urbane Modeszene so verbunden wie mit der London Fashion Week. Hier sitzen It-Girls wie Alexa Chung, Poppy Delevigne und Peaches Geldorf in der Front Row, nicht weil sie dafür bezahlt werden, sondern weil sie die Mode lieben und die Designer vergöttern. Kelly Osbourne beispielsweise liebt die extrovertierte Mode und die Attitüde von Designer Henry Hollande. Mit dem Gründer des Labels „House of Holland“ ist auch Topmodel Agyness Deyn auf Du und Du. Wenn die Fashionwelt in London die Zelte aufschlägt, kuschelt selbst Designlegende Vivienne Westwood mit Pamela Anderson – hier ist man so frei! Ein Grund dafür, weshalb die Designer auf der London Fashion Week so locker und nahbar sind, liegt in der unkonventionellen, coolen Londoner Fashion-Szene. Natürlich ist auch ein Karl Lagerfeld oder ein Marc Jacobs exzentrisch, doch die Designer der französischen Traditionshäuser leben ihre Exzentrik mit Eleganz und dem Pariser Chic gepaart aus. In London hingegen ist dem Modeschöpfer wirklich erlaubt, zu designen, wie es ihm beliebt. Selbst Calvin Klein oder Donna Karan schauen neidisch aus dem Big Apple zu, wie ausgelassen und fast anarchistisch die britischen Designs oft daherkommen. Sogar Vogue-Chefin und Berufs-Eisblock Anna Wintour freut sich das ganze Jahr über auf die abwechslungsreiche London Fashion Week – nicht zuletzt wegen ihres Lieblingsnachwuchsdesigner Christopher Kane. Der talentierte Schotte ist einer der Hauptgründe, warum Anna Wintour die London Fashion Week besucht.

Die ganze Welt blickt nach England, wenn sich auf der London Fashion Week das illustre Modevolk trifft. Nirgends sind die Designer exzentrischer, die It-Girls cooler und die Nachwuchsdesigner mutiger!