Wenn man die Modewelt in unterschiedliche Klassen einteilen würde, wäre die Haute Couture ohne Zweifel die Königsklasse! Mit aufwendigen Roben, atemberaubenden Kleidern und handgenähten Schätzen versuchen die Designer, sich alljährlich bei den elitären Haute Couture Schauen in Paris selbst zu übertreffen. Schließlich spiegelt sich nirgendwo sonst die traditionelle Handwerkskunst des Designens so deutlich wider wie bei Haute Couture!

Haute Couture ist französisch für „gehobene Schneiderei“. Der Name besagt eigentlich schon alles: Kreationen der Haute Couture sind maßgeschneiderte, aufwendig gearbeitete Kleider und wertvolle Roben, die in feinster Handarbeit entstehen und mit feiner Spitze, opulenten Stickereien, kostbaren Perlen oder avantgardistischen Silhouetten ausgestattet sind. Bis zu 1300 Arbeitsstunden sind beispielsweise nötig, um ein Kleid mit Stickereien zu verzieren. Die maßgeschneiderte Haute Couture ist damit luxuriöser und kreativer als Prêt-à-porter-Mode. Seit über 150 Jahren machen die Haute-Couture-Schauen Paris zum Mittelpunkt der Modewelt. Und auch heute noch, schaut die ganze Fashionbranche aufgeregt nach Paris, wenn die renommiertesten Modehäuser wie Chanel und Dior in aufwendigen und spektakulären Defilees ihre extravaganten Haute Couture-Kreationen präsentieren.

Haute Couture: In ist wer drin ist

Haute Couture ist die Königsklasse der Modeschöpfung. Seit über 150 Jahren schon stellen bei den Haute Couture Schauen in Paris die Größten der Großen ihre Fertigkeiten und ihr kreatives Talent unter Beweis. Doch nicht jeder darf antreten: Um die hohe Kunst der Schneiderei zu wahren, unterliegt die Aufnahme in den exklusiven Kreis der Couturiers strengen Auflagen. So muss ein „Maison de Couture“ beispielsweise ein eigenes Maß-Atelier mit mindestens 15 Vollzeitangestellten betreiben, den Hauptsitz des Unternehmens in Paris führen und mindestens 35 verschiedene, von Hand gearbeitete und kreierte Modelle während der saisonalen Haute Couture Modenschauen in Paris präsentieren. Der französische Modeverband „Chambre Syndicale de la Haute Couture“ wacht über den kleinen Haute Couture Kreis, der aus festen Stammmitgliedern wie Chanel und Dior besteht und immer mal wieder kleine Gastspiele von jungen Labels wie Yiqing Yin, Iris van Herpen oder Maxime Simoens zulässt. Eine Aufnahme in den elitären Kreis der Couturiers bedeutet daher für jeden Designer die größte Auszeichnung!

Haute Couture: Die Mitglieder

Dior und Chanel sind die Modehäuser, die Haute Couture seit Anbeginn ihres Bestehens mit entwickelt haben und bis heute ernsthaft verfolgen. Andere Modehäuser mit einer langen Haute Couture Tradition sind Yves Saint Laurent, Ungaro, Schiaparelli, Givenchy, Balenciaga und Lanvin. Die letzten beiden konnten sich den Luxus von Haute Couture in den letzten Jahren jedoch nicht mehr leisten. Daneben gibt es auch Unternehmen wie Louis Vuitton oder Hermès, die sich Haute Couture zwar finanziell leisten könnten, aber trotzdem keine eigene Haute Couture Sparte betreiben. Neben den französischen Labels werden mittlerweile auch ausländische Modehäuser von der „Chambre Syndicale de la Haute Couture“ in den Haute Couture Zirkel aufgenommen. Valentino (Italien), Armani (Italien), Maison Martin Margiela (Italien), Azzedine Alaïa (Tunesien) und Elie Saab (Libanon) haben den Status „membre correspondant“ enrhalten, weil sie eine tragende Rolle in der Pariser Modewelt spielen. Auch Versace kehrte 2012 nach achtjähriger Pause auf Einladung des französischen Verbandes wieder zu den Haute Couture Schauen zurück.

Haute Couture: Ein Engländer in Paris

Während das legere Pendant, die Prêt-à-porter-Mode, auf eine relativ kurze Geschichte zurückblickt, hat die Haute Couture eine sehr lange Tradition. Ihren Anfang nahm sie, als der Engländer Charles Worth 1858 in Paris das erste große Modehaus, das „Maison Worth“ in der Rue de la Paix, gründete. Charles Worth war damit ein echter Mode-Revolutionär, ständig führte er neue Silhouetten, Details und Materialien ein. Seine luxuriösen Unikate wurden den Jahreszeiten entsprechend zweimal im Jahr gezeigt. So entstand der bis heute beibehaltene Rhythmus der Haute Couture. Der englische Designer zog mit seinen extrem teuren und luxuriösen Modellen, die er erstmals von einem Mannequin, seiner Frau, vorführen ließ, eine sehr betuchte Kundschaft an. Die bekanntesten Damen seines elitären Kundekreises waren Königin Victoria, Fürstin Pauline von Metternich und die Kaiserin Elisabeth von Österreich alias Sissi. Durch Worth eroberte der französische Geschmack die Welt, Paris wurde zur Hauptstadt der Mode und die Rue de la Paix die bedeutendste Modestraße der damaligen Zeit. Der Engländer übte mit seiner Praxis und seinen Kreationen auch auf die kommenden, französischen Designer-Generationen sehr großen Einfluss aus. Im Jahr 1868 organisierte sich die französische Haute Couture in Paris zur weltweiten Vertretung der Interessen des Schneiderhandwerks in einem Verband, dem „Chambre Syndicale de la Couture Française“, aus welchem 1911 der noch heute bestehende „Chambre Syndicate de la Couture Parisienne“ wurde. Um den eigenen Nachwuchs zu fördern, gründete der Modeverband 1927 eine eigene Modeschule. Die „Ecole de la Chambre Syndicate de la Couture Parisienne“ gehört noch heute zu den exklusivsten und angesehensten Modeschulen der Welt. Neben dem Engländer trugen später auch die legendären französischen Designer Yves Saint Laurent und Christian Dior sowie die Designerin Coco Chanel dazu bei, dass sich Paris als Mode- und Haute Couture Hauptstadt etablierte.

Haute Couture von damals bis heute

Haute Couture hat in den letzten Jahrzehnten einen Funktionswandel durchlaufen. Früher wurden die exklusiven Kreationen für eine sehr betuchte, aber relativ große Käuferschaft hergestellt. Heute haben die Haute Couture-Kreationen und -Modelle eine andere Intention: Sie sollen zum einen das Image und das Prestige der Marke stärken und zum anderen die mediale und modische Aufmerksamkeit auf die anderen Linien des Labels wie die Prêt-à-porter-Mode und andere Sparten lenken, die mehr Umsatz einbringen. Haute Couture ist somit Image-Pflege, die sich auf die ganze Marke auswirkt. Heutzutage erwerben Kundinnen, die sich Haute Couture leisten können, die luxuriösen Modelle daher meist nicht mehr nur zum Tragen, sondern als Liebhaberstück, das sie auch an Museen ausleihen. Zu den glücklichen Fashionistas, die heute noch Haute Couture tragen können, zählen auch Stars, die von den Couturiers mit den Modellen ausgestattet werden. Ein Grund dafür, weshalb Haute Couture nicht mehr getragen wird, liegt im enormen Preisanstieg. Haute-Couture-Modelle werden heute für bis zu hunderttausend Euro pro Kleid datiert. Deshalb gibt es nicht mehr nur immer weniger Damen, die sich Haute Couture leisten können, sondern auch immer weniger Modehäuser. In den 1950er Jahren gab es beispielsweise noch über 100 Modehäuser, die sich Haute Couture leisten konnten, im Jahr 2011 dagegen nur noch 15. Mode ist mit Haute Couture quasi einer zu seltenen Kunst geworden. Die meisten dieser ‚Kunstwerke’ werden heutzutage übrigens in den USA und den arabischen Ländern verkauft.

Haute Couture hat ihren Meister gefunden

Der Meister der französischen Schneiderkunst ist ausgerechnet ein Deutscher: Karl Lagerfeld. Der gebürtige Hamburger hat mit seiner modischen Karlheit – Designkunst zwischen Klassik, Innovation und Eleganz zu kreieren – die Pariser Haute Couture als „Grand Couturier“ erobert und Chanel damit zu altem Glanz verholfen. Haute Couture-Schauen ohne das Traditionshaus Chanel und den Chefdesigner Karl Lagerfeld sind daher heute undenkbar. Neben Karl Lagerfeld galt auch John Galliano als einer der ganz großen Couturiers. Sein Nachfolger bei Dior, der Belgier Raf Simons, muss sich dagegen noch in der Kunst der Haute Couture beweisen.

Auch wenn ihre wirtschaftliche Bedeutung nachlässt, hat die französische Haute Couture nach wie vor großen Einfluss auf die Modeindustrie. Haute Couture hat nämlich eine wichtige Avantgarde-Funktion und gibt einen Vorgeschmack auf die Modetrends von morgen!