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Uni: Was denkt ihr, wie viel Eigenanteil ist verhältnismäßig in einer Hausarbeit nötig?

Hallo zusammen,

ich war gestern in der Sprechstunde von einer Dozentin, um das Ergebnis einer Hausarbeit zu besprechen, die ich bei ihr geschrieben hatte. Die Note fiel, für mich überraschend, nicht gut aus. Das Hauptargument von meiner Dozentin war, dass ich zu wenig Eigenanteil reinbringe und vom Umfang her zu viel mit Quellen arbeite. Soll heißen, ich hangle mich von Zitat zu Zitat.

Ich habe es bisher immer so gemacht, dass ich mithilfe von Quellen in das Thema eingeleitet habe, die Theorie erläutere, dann diverse andere Dinge beschreibe/analysiere/entgegenstelle und am Ende das Fazit als meinen eigentlichen Eigenanteil bringe. Somit komme ich geschätzt auf gut 25 % Eigenanteil.

Jetzt war ich gestern erst einmal so über das Ergebnis erschrocken, dass ich sie nicht gleich gefragt hatte, wie viel Eigenanteil es eigentlich hätte sein müssen.

Der Clou ist auch noch, dass sie meinte, mein Fazit/Eigenanteil darf natürlich auch nicht einfach so meine eigene Meinung sein, sondern muss noch deutlicher mit Studien etc. belegt werden. Das heißt ja noch mehr Quellen und Zitate!?

Ich bin verwirrt. Einerseits soll ich mehr meine eigenen Gedanken aufschreiben und weniger Quellen nutzen, auf der anderen Seite soll meine Meinung mehr belegt werden.

Um ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen: Was denkt ihr, zu wie viel Prozent eine Hausarbeit aus eigenen Gedanken bestehen soll?

von Fuschel am 25.06.2014 um 09:36 Uhr
Ich komme von den Geisteswissenschaften (in Ö, falls - und das wird es - einen Unterschied macht) und eine richtige Faustregel habe ich bis jetzt noch von keinem Professor vorgelegt bekommen, aber für mich ist es selbstredend, dass die eigenen Erkenntnisse über die Hälfte ausmachen. Bei der Themenwahl gilt auch immer, dass ein Forschungserkenntnis erreicht werden soll, das bis dato in so einer Form noch nicht vorliegt. Da ist es dann nur klar, dass Hypothese und/oder Ergebnisse neu sein müssen.

Natürlich braucht eine stichhaltige Arbeit auch fundierte Quellen, ganz besonders wenn man noch Student ist und sich Basiswissen aneignen muss. Meistens formuliere ich eine Hypothese oder stelle eine Beobachtung fest, die ich anhand schon bestehender Literatur belege. Dh. ich zitiere nicht nur a la "A sagt das, B das", sondern ich interepretiere deren Behauptungen im Rahmen meiner Arbeit - so kommt auch wieder Eigenleistung zustande, trotz vieler Quellen.

Im Fazit solltest du ja all das zusammenfassen, was du in deinem Hauptteil, deiner Hauptargumentation (also eigene Argumente!), vorgebracht hast. Da erst mit der eigenen Stellungnahme herauszurücken, ist zu spät und zu wenig, bereits im Vorfeld muss die erkennbar sein.

von HoneyKiss am 25.06.2014 um 10:37 Uhr
Ich muss sagen, dass ich mich als Student zu klein gesehen habe, um wirklich eine Forschungserkenntnis erreichen zu müssen. Mir kam das so nie in den Sinn. Wenn ich den Rest meines Studiums mit Referaten und Multiple-Choice-Klausuren betrachte, hätte ich nicht gedacht, dass ich in einer Hausarbeit forschen soll. Mit dieser Ansicht geht man eine Hausarbeit ganz anders an, macht sie aber auch schwerer :) Mhm.
von Fuschel am 25.06.2014 um 10:43 Uhr
Solche arbeiten sind ja dazu da, Recherche, Materialaufbereitung und argumentationsaufbau zu verbessern. Studium bedeutet ja meistens Forschung und Wissenschaft.
von Fuschel am 25.06.2014 um 10:45 Uhr
Und klar wird von dir als Student nicht die riesenentdeckung erwartet, aber du sollst dir eben in Hinblick auf deinen späteren Lebenslauf die fähigkeiten dafür aneignen.
von Girl_next_Door am 25.06.2014 um 22:43 Uhr
Ganz unterschiedlich. Sowohl von Fach zu Fach als auch von Thema zu Thema. Und dann is natürlich der Geschmack des Dozenten ein wichtiger Faktor.

In Germanistik konnte ich zB immer etwas "freier" schreiben und eigene Gedanken einbringen (natürlich abgeleitet aus der Theorie) und die Quellen waren auch nicht sooo wichtig.

In BWL (da hab ich jetzt auch meine Diplomarbeit geschrieben) isses eigentlich eine reine Aneinanderreihung von sinngemäßen Zitaten, man puzzelt sich da regelrecht was zusammen. Klar, wenn da die Faustregel "pro Seite etwa 3 neue Quellen" gilt (ich hatte in meiner DA bei 60 Seiten Text insgesamt 180 Quellen...), dann ist ja auch wirklich kaum noch Raum, da selbst Meinung reinzubringen. Muss natürlich rein, man soll die Sachen ja auch bewerten, aber es steht da eher im Hintergrund.

Nimms dir jetzt nicht so zu Herzen. Leg die Hausarbeit mal auf Seite und lies sie dir in ein, zwei Wochen nochmal durch. Vielleicht siehste dann, was da noch nicht so gut gemacht war und kannst es dann beim nächsten Mal besser machen.

von Girl_next_Door am 25.06.2014 um 23:04 Uhr
Nagelfeile, reiß dich mal mit deinen abfälligen Bewertungen a la "Das kann nur schlecht werden" bitte mal am Riemen-erst recht, wenn du in dem Bereich noch nie ne wissenschaftliche Arbeit geschrieben hast.

Ich sagte ja, dass das von Fach zu Fach/von Thema zu Thema variiert. In BWL wird eben viel mit Fachzeitschriften und Papers gearbeitet und da isses ein großer Teil der Leistung, die Literatur zu durchdringen, zusammenzutragen und auszuwerten.

Ich kenn wie gesagt beide Richtungen und behaupte mal (da ich auch in Form guter Noten positives Feedback bekommen hab), dass da jede ihre Vorzüge und Nachteile hat.
Und es variiert ja wie gesagt auch immer nach Bereich und Themengebiet.

von etrikolus am 25.06.2014 um 23:09 Uhr
Also bei uns in den Gesellschaftswissenschaften heißt es auch, dass die Hausarbeit nur mit Zitaten untermauert, aber nicht definiert werden soll. Wir müssen da schon selbst drauf kommen. Oder wenn man sagen möchte, wie man auf etwas bestimmtes kommt, verweist man eben auf den Auto usw.

Was mir bisher aber wirklich jeder Dozent gesagt hat:

Die eigene Meinung ist in den meisten Fällen komplett wurst. Es ist eine wissenschaftliche Arbeit und kein Schulaufsatz, in dem man etwas beurteilt. Wir haben in einem Seminar von diesem Semester das "ich finde, meiner Meinung nach und ich denke"-Verbot. Natürlich gibt es mit Sicherheit Themen, bei denen dies erforderlich ist, allerdings würde mir jetzt spontan nichts dazu einfallen...

Bei uns sind Hausarbeiten übrigens so gegliedert:
1. Teil: 1-2 Seiten Einleitung mit Hinführung zum Thema, Thesen und Fragestellung
2. Teil: mindestens 50 % Theorie in der die Denkschulen und co vorgestellt werden (hier finden sich auch die meisten Quellen)
3. Teil: maximal 50 % Empirie in der das Thema mit den Theorien erarbeitet, verglichen oder bewertet wird
4. Teil: 1-2 Seiten Fazit, in welchem man die beiden Hauptteile zusammenfasst, die Thesen nochmals aufnimmt und beantwortet, sowie auch die Fragen klärt.

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