Führerschein abbrechen?

Hey,

die Sachlage ist die folgende: Ich bin 18, in Kürze 19 Jahre alt, und mache seit dem Februar 17 meinen Führerschein. Das heißt, ich sollte. Ich war damals arbeitslos und hatte mordsmäßig viel Zeit und meine Eltern das Geld, also wurde ich dazu genötigt.

Problem: Ich habe mal so gar kein Interesse am FS. Ich bin kein Fan von Autos, im Gegenteil sind sie Hauptkritikpunkt vieler meiner pol. Diskussionen, und ich fahre als Dorfbewohner im Jahr gute 3000 Kilometer mit dem Rad und mag das wirklich gern, finde die (Hin+Zurück-)Strecke von 25 Kilometer, sprich insgesamt 1 1/2 Stunden bei Schlechtwetter, sehr angenehm.

Nun fürchte ich, das zu verlieren, mit dem FS, da ich (offensichtlich) ziemlich faul bin. Problem: Wahrscheinlicher ist, dass ich trotz FS den Führerschein meide, da ich eine Angststörung habe oder leichter ausgedrückt extrem(st)er Perfektionist bin und mich dann wohl gar nicht ins Auto wagen würde, geschweige denn wollen, da ich es ja ohnehin nicht wirklich leiden kann, und, et voilà, ich hab sowieso alles vergessen und muss ihn Jahre später neu lernen. In zehn Jahren brauche ich ihn vielleicht. Früher definitiv(!) nicht.

Nun hatte ich meine dritte Fahrstunde und hab bereits 500€ reingeballert. Aber ohne die Hintergründe zu kennen hat mein Fahrlehrer mich überraschend zur Seite genommen und mir gesagt, dass ich mir wirklich überlegen sollte, abzubrechen. Sehr objektiv, sehr sachlich nur die Option in den Raum gestellt, weil er mir durch meine generelle Unlust (der ich im Unterricht niemals Raum ließ!! Ich war megaverdattert!) eine sehr schwere Zeit vorhersagt, die später mit der richtigen Motivation dann schneller, erfolgreicher und einfacher von dannen geht.

Jetzt ist mein größtes Problem, dass ich Angst habe, es würde in zehn Jahren (also, sollte ich ihn dann letztlich benötigen, besitze ja auch kein Handy und will ein wenig den Minimalismus ansteuern, von allem mal abgesehen) schwerer sein, wie gesagt, Angststörung, und vor allem habe ich so einen unglaublich geduldigen, angenehmen, freundlichen und offenkundig auch menschenverständigen Fahrlehrer, dass er wahrhaftig der Hauptgrund wurde, nicht abzubrechen, da ich niemals wieder so viel Glück haben werde. Und natürlich, mein allergrößtes Problem, der Lebenslaufaspekt. Nur was nutzt mir ein FS im Lebenslauf, wenn ich eh nicht (mehr) fahren kann... ist halt die Frage! Bin halt Perfektionist!
Fraglich halt, ob ich das überhaupt benötige.

Ich wäre über Gedanken sehr dankbar. Aber bitte vergesst darüber nicht, dass ich auch gern mal spontan 50 Kilometer am Stück radel und sogar bei Eis und Regen die sportliche Alternative begrüße und das in Bewerbungsgesprächen sicher auch als etwas Gutes zu verkaufen weiß. Allerdings plane ich ohnehin, bis dahin als Autor Fuß zu fassen. Aber mei.

Danke für alle Antworten!

Mehr zum Thema Angststörung findest du hier: Tabuthema Angststörung: Vom Leben mit der Angst

von HoneyAerowen am 30.01.2018 um 13:30 Uhr
Generell finde ich deine Einstellung sehr lobenswert. Natürlich bleibt die Möglichkeit offen, dass man den Führerschein später machen kann bzw. man hätte weder etwas verloren noch gewonnen wenn man ihn früher oder später macht. Solange man alles mit dem Rad etc. erledigen kann, ist das sicherlich kein Problem. Was wäre nur, wenn man später doch berufsbedingt darauf angewiesen wäre? Würdest du ihn dann machen wollen? Da kommt wohl das Problem hinzu, dass die Zeit fehlen könnte. Wenn du dir aber so sicher bist, dass du ihn nicht machen möchtest und es auch nicht brauchst (ich denke, mit in 10 Jahren das kann man eher schlecht vorhersagen) dann spricht doch nichts dagegen ihn abzubrechen. Eine Kommilitonin hat den Führerschein auch erst später gemacht (mit ca. 28 Jahren). Wie das in Bewerbungsgesprächen ankommt kann ich dir nicht sagen, das ist sicherlich abhängig davon wo du Fuß fassen möchtest (außer als Autor). Kann aber gut sein, wenn du mal keine Ahnung mehrere Autostunden wohin müsstest dass das zeitlich mit dem Rad nicht gern gesehen wird bzw. zu einem gewissen Punkt schwierig wird.
Letztendlich musst du das selbst entscheiden ob und wie du dein Leben gestalten möchtest, man braucht den Führerschein nicht zum (Über-)Leben, es könnte nur manchmal von Vorteil sein. Habe meinen vor bald 5 Jahren gemacht und bin seit ca. 2 Jahren nicht mehr gefahren. Aber wenn ich in ca. einem Jahr ins Berufsleben einsteige, werde ich ihn brauchen, sowie meine Eltern brauchen das Auto und nur mein Vater darf von ihnen noch Auto fahren (aufgrund seiner Krankheit ist fraglich wie lange noch) und mein Bruder lebt seit Jahren im Ausland. Zudem kam noch der Punkt dass die Fahrschulen immer teurer werden daher habe ich ihn nach dem Abitur gemacht als die Zeit da war. Und bei Bedarf würde ich mir einfach noch ein paar Fahrstunden holen oder mit jemanden eben auf dem Verkehrsübungsplatz fahren etc.
Ist natürlich immer abhängig von der eigenen Lebenssituation. Ich kann verstehen, dass du es nicht möchtest und auch (vorerst) nicht brauchst und ich glaube, in deiner Situation würde ihn den Führerschein nicht weiter machen. Wozu denn auch? Du sagst ja ganz richtig, dass du ihn immer noch machen könntest.
Alles Gute!

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