Reinkarnation

Der Tod birgt viele Mysterien: Ist dann wirklich alles zu Ende? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Ist die Seele unsterblich? Manche Menschen behaupten, dass sie sich an ein früheres Leben erinnern können und ganze Weltreligionen glauben an Wiedergeburt, also Reinkarnation. Aber können Seelen wirklich von Körper zu Körper wandern? Und lässt sich Reinkarnation beweisen?

Der Begriff „Reinkarnation“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „Wiederfleischwerdung“. Synonym kann man auch das Wort „Palingese“ verwenden, das sich aus den altgriechischen Wörtern „palin“ (deutsch: „wiederum“) und „genesis“ („Erzeugung“, „Geburt“) zusammensetzt. Ähnliche Konzepte sind die Seelenwanderung, Metempsychose, Transmigration und Wiedergeburt. Die Reinkarnation ist als dogmatisches Konzept in zwei der großen Weltreligionen fest verwurzelt, nämlich im Buddhismus und im Hinduismus. Damit glauben weltweit rund 1,3 bis 1,4 Milliarden Menschen an Reinkarnation.

Reinkarnation ist im Buddhismus tief verankert

Reinkarnation: Leben wir mehrere Leben?

Auch in der Esoterik hat Reinkarnation einen festen Platz und findet viele Anhänger. Die zugrunde liegende Idee ist, dass sich im Moment des Todes die Seele vom Körper löst (Exkarnation) und sich dann erneut in einem anderen empfindsamen Wesen manifestiert. Manche Menschen haben (angeblich) Erinnerungen an ein früheres Leben.

Der Kreislauf der Seelen

Wenn eine Seele durch Reinkarnation immer wieder geboren wird, ergibt sich daraus im Prinzip ein gigantischer Kreislauf existierender Seelen. Im Buddhismus und Hinduismus heißt dieser Kreislauf Samsara – allerdings kann die Seele aus dem Samsara im besten Fall auch erlöst werden und ins Nirwana, beziehungsweise Moksha, eingehen.

Reinkarnationsforschung

Seit den 1960er Jahren bemühen sich Wissenschaftler um eine empirische Erforschung der Reinkarnation. Gegenstand dieser Forschung sind vor allem Kinder, die plötzlich spontane Erinnerungen an frühere Leben hatten und teilweise verblüffend detaillierte Beschreibungen dieser Leben geben konnten. Inzwischen sind weltweit tausende solcher Reinkarnationen dokumentiert. Besonders bekannt wurde auf diesem Gebiet der Kanadier Ian Stevenson, der über 1000 Reinkarnationsfälle bei Kindern überprüft hat. Nichtsdestotrotz ist die Reinkarnationsforschung ein Teilgebiet der Parapsychologie und als solches unter den meisten Forschern als Pseudowissenschaft verschrien. Die Hypothese der Reinkarnationsforschung: Reinkarnation ist ein reales Naturphänomen. Die Kritik an Stevensons Forschung: Er habe die Kinder, wenn auch unabsichtlich, durch Suggestion beeinflusst oder schlicht Interpretationsfehler gemacht. Stevenson reagierte darauf in seinem Hauptwerk „Reincarnation and Biology“, indem er seine These durch dokumentierte körperliche Merkmale stützte, die die von Reinkarnation betroffenen Kinder aufwiesen. Diese passten zu Wunden oder Malen, die die reinkarnierten Personen in ihren vergangenen Leben davongetragen hatten. Im Übrigen hat Stevenson aber selbst als Wissenschaftler niemals von Beweisen für Reinkarnation gesprochen, sondern immer nur von Indizien. Inzwischen wird seine Forschungsarbeit zur Reinkarnation von Jim B. Tucker weitergeführt.

Reinkarnation in Zahlen

Die einzelnen Angaben dazu, wie viele Fälle von (angeblicher) Reinkarnation dokumentiert sind, unterscheiden sich zwar etwas, klar ist aber, dass es tausende Fälle sind – und zwar auf der ganzen Welt. In der Regel sind Kinder zwischen zwei und sechs Jahren betroffen, meist ist der Zeitraum zwischen dem Tod der Person, an deren Leben sich das Kind erinnern kann, und der Reinkarnation nicht besonders groß. In rund 70 Prozent der Fälle sind die reinkarnierten Personen eines gewaltsamen Todes gestorben, das Durchschnittsalter der Verstorbenen beträgt 28 Jahre. Jedes fünfte Kind hat nicht nur Erinnerungen an das vergangene Leben, sondern kann sich auch an die Zeit zwischen Tod und Reinkarnation erinnern – gewissermaßen haben diese Kinder also Erinnerungen an das Jenseits. Bei ebenfalls 20 Prozent der Kinder finden sich Narben oder sogar Missbildungen, die zu Verletzungen der Personen passen, die sie vor der Reinkarnation möglicherweise waren.

Anzeichen für Reinkarnation

Die dokumentierten Fälle von möglicher Reinkarnation sind alle ähnlich: Manche Kinder äußern die Erinnerungen an ihr „altes Leben“ bereits in sehr jungen Jahren, es kommt vor, dass diese Erinnerungen etwa zum Schulbeginn hin aber wieder verblassen. Häufig nennen die Kinder den Namen der verstorbenen Person sehr oft und machen sogar genaue Angaben zu deren Todesart. In zwei Dritteln der Fälle, in denen eine Reinkarnation vermutet wird, kann die Person, die das Kind früher war, tatsächlich identifiziert werden. Man spricht dann von „gelösten Fällen“ von Reinkarnation.

Gibt es Beweise für Reinkarnation?

Echte Beweise für Reinkarnation und Wiedergeburt gibt es nicht. Die Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern wie Stevenson und Tucker können allerdings als Indizien gewertet werden – in diesen Fällen wäre Reinkarnation eben ein Modell, das die dokumentierten Beobachtungen erklären würde. Ansonsten bleibt Reinkarnation aber eine Glaubensfrage, die beispielsweise Buddhisten und Hindus für sich genau so klar beantworten können, wie gläubige Christen die Frage, ob die Seele unsterblich ist. Für die religiöse Vorstellung von Reinkarnation ist übrigens relativ unerheblich, ob sich der „Wiedergeborene“ an sein früheres Leben erinnern kann oder nicht. Ob eines Tages wissenschaftliche Verfahren entdeckt oder entwickelt werden, die eindeutige Beweise liefern, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Reinkarnation bleibt eine Glaubensfrage – gleichwohl eine Glaubensfrage, zu der es bereits eine nicht unerhebliche Menge an ausgewerteten Daten gibt. Für die dokumentierten Fälle wäre Reinkarnation ein passendes Erklärungsmodell. Ob es deshalb auch zutrifft oder nicht, lässt sich aber nicht mit Gewissheit sagen.

Bildquelle: © nattanan726 / iStock / Thinkstock

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