Neues Urteil

Arbeitszeugnis: Arbeitnehmer in Beweispflicht

Arbeitszeugnis: Arbeitnehmer in Beweispflicht

Ein gutes Arbeitszeugnis ist die Grundlage beruflichen Erfolgs. Nicht umsonst achten immer mehr Arbeitgeber nicht nur auf die fachlichen Qualifikationen und Erfahrungswerte, die ein Bewerber besitzt, sondern auch auf die Bewertung in den vorgelegten Beurteilungen. Dabei sorgen jedoch häufig die für ein Arbeitszeugnis typischen verklausulierten Floskeln für Verwirrung. Gegen diese vorzugehen, wird für Arbeitnehmer nun schwieriger…

Dass ein Arbeitszeugnis voller Standardformulierungen und Geheimfloskeln steckt, ist mittlerweile allgemein bekannt. Da kann ein kleines Wörtchen wie „stets“ schnell eine vollkommen andere Benotung bedeuten und damit darüber entscheiden, ob man zügig einen neuen Job findet oder nicht. Diese Erfahrung musste auch eine 25-Jährige machen, die von Juli 2010 und Juni 2011 in einer Berliner Zahnarztpraxis am Empfang gearbeitet hatte, und in ihrem Arbeitszeugnis mit der Formulierung „zur vollen Zufriedenheit“ bewertet wurde – im heutzutage gängigen Wortschatz der Personalbeauftragten eine eher durchschnittliche Bewertung. Die Arbeitnehmerin sah sich daraufhin ungerecht beurteilt und klagte gegen die Formulierung in ihrem Arbeitszeugnis.

Arbeitszeugnis: Wie sind die Regeln?
Ein Arbeitszeugnis kann schnell für Verwirrung sorgen

Die Sorge der Arbeitnehmerin ist durchaus nachvollziehbar. Immerhin geht beispielsweise eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg davon aus, dass inzwischen etwa 87 Prozent aller Arbeitzeugnisse gute („stets zur vollen Zufriedenheit“) oder sogar sehr gute („stets zur vollsten Zufriedenheit“) Benotungen beinhalten. Ein Arbeitszeugnis mit einer anderen Formulierung kann vor diesem Hintergrund schnell zum Hindernis werden, das zukünftige Bewerbungen erschwert. Derartige Statistiken seien allein aber kein Grund, die eine Neuformulierung im Arbeitszeugnis rechtfertigen würde, stellte nun das Bundesarbeitsgericht in Erfurt klar.

Arbeitszeugnis: Beweislast liegt beim Arbeitnehmer

Ein Recht auf eine gute Note bestehe dadurch nicht. Aus diesem Grund lehnten die zuständigen Richter am Bundesarbeitsgericht die Klage der 25-Jährigen ab, was auch auf andere Verfahren, die das Arbeitszeugnis zum Inhalt haben, Auswirkungen haben dürfte. Schließlich dürfte es für Arbeitnehmer nun schwieriger werden, bessere Beurteilungen gerichtlich einzufordern. Vielmehr stellte das Gericht klar, dass die Beweislast, dass die Bewertung im Arbeitszeugnis zu schlecht ist, eindeutig beim Arbeitnehmer liegt. Er muss demnach nachweisen, dass seine Arbeitsleistung eine bessere Note verdient hat.

Ein Arbeitszeugnis muss sowohl wohlwollend verfasst sein als auch der Wahrheit entsprechen. Das Ergebnis dieses Zwiespalts sind die oftmals unverständlichen Floskeln, die immer häufiger Arbeitnehmer verwirren. Dennoch hat es das Bundesarbeitsgericht nun erschwert, gegen derartige Formulierungen vorzugehen.

Bildquelle: iStock/Alex Raths

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