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Stilles Studium

Erste europäische Gebärdensprach-Universität?

Erste europäische Gebärdensprach-Universität?
Erste Hochschule für Gehörlose in Bad Kreuznach.
In Bad Kreuznach soll die erste Hochschule für Gehörlose im Europäischen Raum entstehen.

Studieren ist nicht immer einfach. Wie muss es aber erst für Gehörlose sein? Dolmetscher in Seminaren und genaue Mitschriften sind für Gehörlose enorm wichtig. 2013 könnte das Jahr sein, in dem sie darauf nicht mehr angewiesen sind.

Tuschelnde Kommilitonen, ein Professor, der in das Mikrofon schreit und es damit zum fiepen bringt – gehörlose Studenten stören sich nicht daran. Jedoch ist für sie das Studieren auch nicht weniger aufwändig, als für jeden anderen Studenten. Sie sind auf Dolmetscher und genaue Mitschriften angewiesen. Abhilfe könnte daher eine Universität für Gehörlose leisten. Weltweit gibt es bisher nur die Gallaudet Universität in Washington, D.C., auf der man in Gebärdensprache studieren kann. Das rheinland-pfälzische Bad Kreuznach will es nachmachen und plant für 2013 eine Hochschule für Gehörlose einzurichten. Somit wäre sie wäre die Erste im euopäischen Raum.

Derzeit fehlen dem Trägerverein „Gesellschaft der Europäischen Gebärdensprach-Universität Bad Kreuznach“, jedoch die finanziellen Mittel. Neben Spenden hofft der Verein auf öffentliche Fördergelder von Bildungsministerien aus Rheinland-Pfalz, der Bundesrepublik und der Europäischen Union. 100 Millionen Euro müssten zusammen kommen, um das Projekt realisieren zu können. Eine solche Universität würde den Gehörlosen letztendlich aber „neue akademische und berufliche Chancen eröffnen“, wie der Vorsitzende des Trägervereins, Ingo Barth, erklärt.

Chancen für Gehörlose

Für Gehörlose geht Studieren unter Hörenden mit einem hohen Aufwand einher. Für eine Seminarstunde, Referate und Gruppendiskussionen benötigt ein Gehörloser einen Dolmetscher und Mitschreibkräfte. An einer Gebärdensprach-Universität bestünde dafür keine Notwendigkeit mehr. Die freie Fächerwahl für gehörlose Studenten wäre eine weitere Chance, die sich aus der Gründung der Universität ergibt. Angeboten werden sollen alle Fächer von Jura bis zur Tiermedizin, sowohl als Bachelor- und später Masterstudiengang. Ingo Barth erklärt dazu: „Wir planen mindestens zwei Fakultäten zu starten, darunter Sprach- und Sozialwissenschaften.“

Nach Schätzungen von Ingo Barth gibt es derzeit in Deutschland rund 100 gehörlose Studenten. Die 26-jährige Liona Paulus ist eine von ihnen und findet die Idee einer eigenen Universität prinzipiell gut. Die Gebärdensprachler hätten ihrer Meinung nach eine gemeinsame Kommunikations- und Kulturebene, die sie uneingeschränkt ausleben können. Zudem trage der Bau einer Hochschule für Gehörlose zur Bereichung des wissenschaftlichen Dialogs und der Entwicklung der eigenen Identiät bei.

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