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Jobsharing

Jobsharing

Erst müssen die Kinder zur Schule, um 11 Uhr steht die wichtige Telefonkonferenz mit Tokio an und abends muss pünktlich das Essen auf dem Tisch stehen – Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen, ist gar nicht so einfach. Flexiblere Arbeitszeitmodelle haben daher seit Jahren Hochkonjunktur. Auch das in Deutschland noch relativ unbekannte Jobsharing kann für viele Probleme die Lösung sein. Doch was verbirgt sich genau hinter diesem Begriff? Ist Jobsharing sogar das Modell der Zukunft?

40 Stunden Vollzeitarbeit, Nine-to-Five-Jobs – was vor einigen Jahren in weiten Teilen der Arbeitswelt gang und gäbe war, steht heutzutage aus Sicht vieler Arbeitnehmer auf dem Prüfstand. Schließlich muss neben dem Beruf nicht nur die Familie gemanagt werden, auch der Partner, Freunde und die eigene Verwirklichung in der Freizeit sollen im Idealfall nicht zu kurz kommen. Flexible Arbeitszeiten und Teilzeitarbeit werden daher immer beliebter. Doch es gibt noch weitere Lösungen für die schwierige Balance zwischen Karriere und Freizeit: So greift beispielsweise das Jobsharing auch in Deutschland immer mehr um sich. So kam das Magazin „Arbeit und Arbeitsrecht“ in einer Studie im Januar 2015 zwar zu dem Ergebnis, dass nur 15 Prozent der deutschen Unternehmen ein solches Modell anbieten, doch das Potential ist enorm. Demnach liegt die Bundesrepublik weit unter dem europaweiten Durchschnitt von etwa 25 Prozent. In Großbritannien, dem Spitzenreiter der Statistik, bietet sogar jedes zweite Unternehmen die Möglichkeit zum Jobsharing.

Was ist Jobsharing überhaupt?

Das Carsharing ist mittlerweile im deutschen Wortschatz angekommen, doch vom Jobsharing dürften nur die wenigsten Arbeitnehmer schon mal etwas gehört haben. Dabei ist es ein relativ simples Arbeitszeitmodell. Während beim Carsharing sich beispielsweise mehrere Personen ein Auto teilen, ist dies beim Jobsharing ganz ähnlich: Mehrere Arbeitnehmer – also mindestens zwei – teilen sich einen Arbeitsplatz.

Jobsharing: Mehrere Mitarbeiten teilen sich einen Arbeitsplatz
Jobsharing fördert das Verantwortungsbewusstsein

So werden nicht nur die Aufgaben, die eine Vollzeitkraft alleine bewältigen müsste, sondern oftmals auch das Gehalt oder das Büro miteinander geteilt. Dies hat zur Folge, dass die beiden Jobpartner nur selten gemeinsam am Arbeitsplatz zu finden sind. Vielmehr wäre es beispielsweise möglich, dass der eine Arbeitnehmer den Vormittag übernimmt, während der andere am Nachmittag zur Arbeit erscheint. Auch eine Aufteilung der einzelnen Wochentage ist denkbar. Auf diese Weise ist der Arbeitsplatz beim Jobsharing jederzeit wie von einer Vollzeitkraft besetzt – allerdings von unterschiedlichen Personen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für dieses Arbeitszeitmodell sind im § 13 des Teilzeit- und Befristungsgesetzes (TzBfG) festgelegt. Dort heißt es: „Arbeitgeber und Arbeitnehmer können vereinbaren, dass mehrere Arbeitnehmer sich die Arbeitszeit an einem Arbeitsplatz teilen (Arbeitsplatzteilung).“ Ein rechtlicher Anspruch auf eine solche Möglichkeit innerhalb des eigenen Unternehmens besteht allerdings nicht. Stattdessen liegt es in der Verantwortung des am Jobsharing interessierten Arbeitnehmers, den Arbeitgeber nach diesem Modell zu fragen.

Jobsharing bietet Vor- und Nachteile

In vielen deutschen Unternehmen ist die Skepsis gegenüber dem Jobsharing groß. So befürchten viele Arbeitgeber, dass es zu Missverständnissen zwischen den beiden Jobpartnern kommen könnte, die den Arbeitsfluss behindern und zu unnötigen Pannen führen. Doch auch die höheren Sozialabgaben, die bei der Umsetzung dieses Modells mehrfach zu zahlen wären, schrecken viele Unternehmen ab. Dies sind berechtigte Ängste. Daher muss gerade die interne Kommunikation zwischen den beiden Jobpartnern stimmen, um das Jobsharing zum Erfolg zu führen. Viele Chefs behelfen sich daher durch den einfachen Trick, beide Jobpartner als ein Ganzes zu sehen und ihnen auch als Einheit Arbeitsaufträge zu erteilen, anstatt beiden unterschiedliche Aufgaben zu geben. Auf diese Weise wird die Kommunikation der beiden Jobpartner untereinander angekurbelt und Missverständnisse werden durch die geförderte Eigenverantwortung auf ein Minimum reduziert. Die höheren Sozialabgaben sind hingegen ein nicht weg zu diskutierender Tatbestand. Dennoch werden diese Mehrkosten, die das Jobsharing produziert, unter Umständen durch mehrere Vorteile aufgewogen. So sichert sich der Arbeitgeber durch dieses Modell gleich mehrere Arbeitskräfte mit all ihren Talenten, Ideen und dem gesammelten Know-how. So kann es durchaus vorkommen, dass die Jobpartner im Team Probleme lösen, an denen ein einzelner Mitarbeiter allein gescheitert wäre. Darüber hinaus besteht theoretisch die Möglichkeit, die Arbeitszeit der Jobpartner flexibel auszugestalten und den Arbeitsplatz dadurch zu jeder Zeit besetzt zu halten. Ist ein Arbeitnehmer beispielsweise erkrankt oder im Urlaub, könnte ein anderer einspringen. Derartige Möglichkeiten der Vertretung sollten daher im Arbeitsvertrag genau geregelt werden.

Für wen ist Jobsharing eine Lösung?

Die Gründe, die das Jobsharing für einen Arbeitnehmer interessant machen könnte, sind so vielfältig wie die Arbeitnehmer selbst. Die einzelnen Motivationen ähneln daher stark den Ursachen, die auch für eine Teilzeitarbeit sprechen. So dürfte vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Arbeitnehmer ein Impuls sein, es mit dem Jobsharing zu probieren. Auf diese Weise bleibt nachmittags zum Beispiel Zeit für die Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen. Doch auch die eigene berufliche Weiterbildung oder ein interessanter Zweitjob können ein Grund für das Jobsharing sein. Andere Arbeitnehmer wollen die gewonnene Freizeit hingegen nutzen, um ihren Hobbys oder einer ehrenamtlichen Tätigkeit nachzugehen. Ebenso vielfältig wie die verschiedenen Motivationen sollten jedoch auch die Qualitäten sein, die ein Arbeitnehmer mitbringen sollte, um für das Jobsharing geeignet zu sein. Insbesondere der Arbeitgeber sollte daher auf einige Persönlichkeitsmerkmale achten, bevor er einem solchen Arbeitszeitmodell zustimmt. Denn nicht jeder Arbeitnehmer kommt mit dieser Arbeitsweise zurecht. Daher sollten die Arbeitnehmer, die sich einen Arbeitsplatz teilen, vor allem äußerst kommunikativ sein, damit sie Unklarheiten und Probleme untereinander vorbehaltlos ansprechen, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. Zudem sollten die Jobpartner ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Organisationsfähigkeit mitbringen. Zu guter Letzt sollte auch die sprichwörtliche Chemie zwischen den Beteiligten stimmen: Zwar müssen sie nicht die besten Freunde sein, doch Kollegen, die sich schon im normalen Berufsleben nicht leiden konnten, sind für ein Jobsharing denkbar ungeeignet.

Wie gelingt der Einstieg ins Jobsharing?

Da das Unbehagen gegenüber dem Jobsharing in Deutschland auf Arbeitgeberseite noch weit verbreitet ist, sind Ausschreibungen auf derartige Stellen noch relativ selten. Dennoch gibt es einige Jobportale wie zum Beispiel „Flexperten“, die sich auf dieses Arbeitszeitmodell spezialisiert haben und interessierten Arbeitnehmern und Arbeitgebern eine Plattform bieten, um sich auszutauschen und zueinander zu finden. Ein gängiger Weg zum Jobsharing ist es jedoch, derartige Möglichkeiten direkt mit dem Chef und eventuell interessierten Kollegen zu besprechen. So ist ein Mitarbeiter der eigenen Abteilung, der vielleicht ebenfalls in die Teilzeit wechseln möchte, um zum Beispiel mehr Zeit für seine Familie zu haben, der richtige Ansprechpartner für ein Jobsharing. Dieser Weg ist jedenfalls meist einfacher zu beschreiten, als sich einen Jobpartner außerhalb des Unternehmens suchen zu müssen.

Jobsharing bietet sowohl für die beteiligten Jobpartner als auch für den Arbeitgeber eine ganze Reihe an Vorteilen, die die wenigen vorhandenen Nachteile durchaus aufwiegen könnten. Notwendige Voraussetzungen für ein funktionierendes Jobsharing sind jedoch kommunikative Arbeitnehmer mit Verantwortungsbewusstsein, die zugleich gut miteinander auskommen und sich selbst als Team sehen. Dann kann das Jobsharing fraglos ein Modell für die zukünftige Arbeitswelt sein.

Bildquelle: © iStock / shironosov

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