Julien Backhaus Interview

Interview

„Frauen wollen für ihren Erfolg keine Opfer bringen“

Nina Rölleram 26.02.2019

Julien Backhaus ist Medienunternehmer und Verleger mit einer Mission: Mit dem Erfolg-Magazin und seinem neuen Buch möchte er anderen Menschen zeigen, wie sie in ihrer Karriere vorankommen. Im Interview mit Julien wollte ich wissen, warum nur wenige Frauen in seinen Veröffentlichungen vorkommen und, wie er sich den Gender Pay Gap erklärt. Seine gewagte These: Nicht alle Frauen wollen beruflich erfolgreich sein.

desired: In deinem Buch „Erfolg: Was Sie von den Super-Erfolgreichen lernen können“* hast du mit insgesamt 10 Prominenten gesprochen. Nur eine davon ist eine Frau: Daniela Katzenberger. Hast du dir über ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis keine Gedanken gemacht, oder hast du nicht genügend erfolgreiche Frauen für Interviews gefunden?

Julien Backhaus: Leider trifft das Letztere zu. Das Buch basiert auf Interviews mit dem Erfolg-Magazin, in dem wir die erfolgreichsten und berühmtesten Menschen in Deutschland porträtieren. Wir zeigen unseren Lesern, wie sie dazu gekommen sind und was andere sich davon abgucken können. Seit über zwei Jahren haben wir das Problem, dass ganz wenige berühmte Frauen Lust haben, mit uns über Erfolg zu sprechen. Wahrscheinlich, weil sie lieber die Klischees bedienen möchten, wie Mode, Unterhaltung, Beziehung und Sex. Sie wollen aber nicht die Schatzkiste für andere Frauen, oder überhaupt für die Öffentlichkeit öffnen, und erklären, wie man erfolgreich wird, wie man sich behauptet und wie man die richtigen Netzwerke aufbaut. Wir „leiden“ darunter, dass die Frauen nicht offen sind, und deswegen habe ich für dieses Buch auch auf keine anderen berühmten Frauen zurückgreifen können.

Julien Backhaus Erfolg

Für sein Buch hat Julien Backhaus mit Promis wie Daniela Katzenberger, Bill und Tom Kaulitz, Harald Glööckler und Bushido gesprochen.

Ich habe das Gleiche im Podcast Aethervox Ehrenfeld gehört. Der Moderator Christian Schneider würde auch gerne öfter Frauen in der Sendung haben, findet aber nur selten welche, die bereit zu kontroversen Diskussionen sind. Mal abgesehen vom beruflichen Erfolg: Warum glaubst du, dass Männer sich eher trauen, provokante Meinungen zu äußern?

Männer sind im Allgemeinen egoistischer und rücksichtsloser, nach dem Motto: ‚Ist mir egal, was ihr sagt. Das ist meine Meinung und die sage ich halt.‘ Frauen wollen eher vermeiden, anzuecken. Ich habe in einem Interview mit Steffi Jones, der ehemaligen Fußball-Nationaltrainerin, gelesen: ‚Frauen hacken sich untereinander richtig die Augen aus.‘ Auch aus eurem Kommentar zur Female Future Force geht hervor: Frauen kritisieren sich untereinander teilweise sehr scharf. Deswegen haben Frauen oft auch Angst, aus der Gruppe ausgestoßen zu werden. Das könnte ein Grund sein.

Auch wir haben deutsche Promis nach ihren Karrieretipps gefragt. Erfahre in unserem Video-Clip, wie Palina Rojinski, Emilia Schüle und Florence Kasumba es geschafft haben:

Du sagst, dass du aus Gesprächen mit verschiedenen Frauenverbänden den Schluss gezogen hast, dass „Frauen nicht dazu bereit sind, hohe Opfer für den Erfolg zu bringen“. Kannst du das näher erläutern? Mit welchen Frauenverbänden hast du gesprochen?

Eine davon ist Petra Polk vom Verband WIN (Women in Network), die sagt: ‚Die meisten Frauen sind zumindest für beruflichen Erfolg nicht bereit, Opfer zu bringen.‘ Gerade beruflicher Erfolg erfordert, wenn man ganz vorne mitspielen will, auch große Opfer. Viele Frauen wollen aber ihre Work-Life-Balance nicht gefährden. Sie wollen sich nicht nur auf ihren Beruf konzentrieren, sondern tausend Dinge erledigen. Das geht natürlich zulasten des beruflichen Erfolgs.

Es ist ein Ansatz, Frauen zu ermutigen, durchsetzungsfähiger zu werden. Ein anderer ist, dass sich die Arbeitswelt an die Frauen anpassen soll…

Am Anfang müsste erst mal die Frage stehen: Hey Frau, was willst du eigentlich? Willst du die Eier legende Wollmilchsau, die es nicht gibt, oder willst du tatsächlich beruflichen Erfolg? Und wenn man das will, muss sich niemand anpassen, weil dann muss man –genauso wie der Mann – bereit sein, die Opfer zu bringen und sagen: Dann sehe ich meine Kinder und Freunde selten, gehe nur einmal in der Woche zum Sport, aber dafür spiele ich im Beruf eine ganz große Rolle. Das muss man vorher entscheiden. Was uns manche Bücher vorspielen wollen, dass man alles gleichzeitig haben kann, ist einfach nicht wahr.

Ist es also eine unrealistische Vorstellung, dass sich der Umgangston in der Arbeitswelt verändern muss: Keine Gehaltsverhandlungen, in denen man dominant auftreten muss, oder Meetings, in denen der am meisten Redeanteil hat, der sich am besten durchsetzen kann?

Es gibt ja Ausnahmen: Ich denke da an die Gründerinnen von Westwing oder Amorelie – es gibt so einige große Unternehmen, die von Frauen gegründet wurden. Die gibt es, also ist es gar kein Argument zu sagen, dass sich die Arbeitswelt anpassen muss. Die haben es auch geschafft. An den Strukturen und der Arbeitswelt liegt es nicht. Es gibt ja keine physischen Grenzen, die Frauen abhalten.

Frauen gründen weniger Unternehmen als Männer, obwohl hierfür in Westeuropa und Nordamerika laut des Female Entrepreneurship-Index (FEI) gute Rahmenbedingungen bestehen. Man vermutet, dass Frauen oft schon im Vorfeld scheitern, weil sie mehr an sich zweifeln. Sind Selbstzweifel und Bescheidenheit im Gegensatz zu Überheblichkeit und Eigenlob nicht aber auch tugendhafte Eigenschaften, die wir mehr schätzen sollten?

Das kann ja sein, dass der liebe Gott irgendwann mal sagt: Du hast ein tugendhaftes Leben geführt. Aber das wirkt sich leider trotzdem nicht positiv auf den Erfolg aus. Eine gewisse Selbstbezogenheit und natürlich auch Durchsetzungsvermögen braucht man, egal wo, um erfolgreich zu sein. Auch Mutter Theresa brauchte ein immenses Durchsetzungsvermögen, um ihre Schwesternschaft aufbauen zu können. Das hat nicht nur etwas mit wirtschaftlichem Erfolg zu tun, sondern das hat generell mit Erfolg zu tun. Ob ich eine Wohltätigkeitsorganisation, einen Frauenverein oder ein Unternehmen gründe, ich muss immer bereit sein, mich zu behaupten.

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Kann auch eine alleinerziehende Mutter Karriere machen, wenn sie es denn nur will?

Es gibt ganz viele Beispiele von alleinerziehenden Frauen, von denen ich auch einige kenne, die erfolgreich geworden sind, aber sie haben einen Preis dafür gezahlt. Das muss man einfach so sagen. Wenn man ein Kind kriegen und sich auch darum kümmern möchte, muss man sich bewusst sein, einen höheren Preis dafür zahlen – auch wenn das vielleicht unfair erscheint. Ich glaube, das ist am Anfang am schwierigsten. Man gewöhnt sich aber dann daran, ein höheres Pensum zu erledigen. Außerdem führt höherer finanzieller Erfolg schließlich dazu, dass sich eine alleinerziehende Mutter mehr Unterstützung suchen kann. Oder sie arbeitet in einem Unternehmen, in dem eine Kindertagesstätte verfügbar ist.

Ich glaube nicht, dass der berufliche Erfolg möglich ist, wenn die ganze Zeit das Kind auf dem Schoß sitzt.

Julien Backhaus

In deinem Youtube-Video „Kritik von Frauen“ reagierst du auf eine Facebook-Kommentatorin, die sagt, dass viele Mütter keine Karriere machen können. Deine Reaktion: „Hör’ doch auf Opfer zu sein.“ Sehen sich Frauen zu oft in der Opferrolle?

Ja, definitiv. Frauen wurden daran gewöhnt und haben das dann übernommen. Viele Frauen spielen diese Opferrolle und irgendwann glauben andere das auch, obwohl es faktisch gar nicht so ist. Das ist eine selbsterfüllende Prophezeiung. Wenn ich unterbewusst dieses Programm laufen habe, das sagt: Wir Frauen sind immer in der Opferrolle, dann glaube ich das irgendwann und verhalte mich auch so. Das ist ein großes Problem.

Ein Thema, das zum Weltfrauentag immer wieder aufkommt, ist der Gender Pay Gap von 21 Prozent, den Kritiker für irreführend halten. Der bereinigte Wert beträgt nur 3-4 Prozent Lohnunterschied für gleiche Arbeit…

Der reale Gender Pay Gap von 21 Prozent ist durchaus interessant, eben weil er nicht bereinigt ist. Hieran kann man sehen, welche Jobs sich Frauen und welche Männer suchen. In meinem Unternehmen ist es so, dass keine der Frauen eine Führungsrolle haben will. Ich frage die ja: Wollt ihr mehr Verantwortung übernehmen und ein bisschen mehr Gas geben? Das wollen die Frauen in meinem Unternehmen aber nicht. Die finden das gut so, dass sie Zeit für ihre Kinder haben. Die Männer sagen da eher: Ich will groß rauskommen, auf der Bühne stehen und den Applaus ernten. Frauen lieben oft diese Work-Life-Balance und suchen sich deswegen nicht die Jobs, die höher bezahlt werden.

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Ein männlicher Software-Entwickler und eine weibliche Software-Entwicklerin verdienen etwa das Gleiche. Die fehlenden 3-4 Prozent bekommt sie nur nicht, weil sie nicht danach fragt. Der Mann ist mutig und sagt: ‚Hey Chef, ich mach hier geile Arbeit, ich bin mir das wert, gib mir mehr Kohle, sonst hau’ ich ab.‘ Frauen wollen oft kein Risiko eingehen, weil sie von Natur aus risikoscheuer sind. Das hat mir mal die damalige Vorständin der bayerischen Börse erklärt, die meinte: ‚Frauen sind generell weniger risikobereit, weil sie länger leben. Das heißt, sie wollen vorsorgen und mehr in die Zukunft planen. Der Mann geht drauf los und stirbt im Zweifel beim Kampf, die Frau muss die ganze Herde versorgen, und denkt daher, sie müsse vorsichtiger sein.‘ Das ist immer noch drin bei vielen Frauen.

Oft wollen Frauen lieber bewahren, was sie haben, anstatt das Risiko einzugehen, mehr zu bekommen. Von daher glaube ich, dass sowohl der unbereinigte, als auch der bereinigte Gender Pay Gap interessant sind.

Julien Backhaus

Es gibt ein Zitat der umstrittenen amerikanischen Philosophie-Professorin und Autorin Christina Hoff Sommers, die Frauen auffordert: „Du willst die Gehaltslücke schließen? Schritt 1: Wechsle dein Hauptfach von feministischer Tanztherapie zu Elektrotechnik.“

Haha, das ist gut. Ich mag auch sehr gerne ein Zitat der leider schon verstorbenen Autorin Irmtraud Morgner: ‚Das größte Problem der Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn.‘ Frauen wollen einfach ein bisschen bescheidener durch die Welt gehen, anstatt sie zu verändern. Das ist leider oft so.

In deinem Buch porträtierst du Promis, wie Daniela Katzenberger, die häufig belächelt werden. Sollten wir erfolgreichen Menschen mit mehr Respekt begegnen?

Jedem ist selbst überlassen, ob er mich, Daniela oder wen auch immer respektiert. Das ist auch teilweise das Geschäftsmodell von einer Daniela, anzuecken und zu sagen: ‚Hey, ich bin die Tussi und guck mal, was ich heute für ‘nen blöden Unsinn gemacht habe, und wie ich heute wieder aussehe.‘ Daniela hat einen Spiegel-Bestseller geschrieben: Sei schlau, stell dich dumm.“* Sie ist ja keine Steuerberaterin, sondern eine Reality-Unterhalterin. Sie muss die witzige Realität einer Blondine liefern, damit verdient sie Millionen von Euro! Sie lebt ihr Leben nach ihren Vorstellungen, so mache ich das auch. Wir haben überhaupt kein Problem damit, von irgendjemandem belächelt zu werden. Wir leben das Leben unserer Träume.

Das ist ein schönes Schlusswort. Vielen Dank für das interessante Interview, Julien!

Bildquelle:

Ronny Barthel


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