Lückenhafter Lebenslauf

Hallo Steffi, in meinem Lebenslauf gibt es Lücken, die in einer Bewerbung nicht so gut aussehen. Einen Job habe ich nur vier Wochen gehabt, da ich unter falschen Voraussetzungen eingestellt wurde. Soll ich diesen Job erwähnen oder lasse ich ihn einfach weg? Außerdem habe ich durch Geburt, Kindererziehung, Krankenstand und Arbeitslosigkeit Lücken von insgesamt zehn Jahren. Seit ungefähr fünf Jahren bin ich nun aufgrund einer verpfuschten OP krank geschrieben. Die Rente habe ich abgelehnt, da ich weiter arbeiten möchte. Momentan erhalte ich Arbeitslosengeld II. Zudem bin ich zu 80% schwerbehindert. Wie kann ich diese Lücken im Lebenslauf erklären? Oder lasse ich die Fehlzeiten einfach weg? Ich bitte dringend um Hilfe, da ich nicht weiß, wie ich meine Fehlzeiten elegant kaschieren kann.

Hallo Anette,

zunächst einmal solltest Du wissen, dass Du mit Deinem Problem nicht alleine bist. Sei Dir im Klaren darüber, dass die wenigsten Bewerber einen perfekten Lebenslauf vorweisen können. Wichtig bei der Erstellung Deines Lebenslaufs ist, dass Du versuchst, Deine Lücken inhaltlich zu füllen. Freilich darfst Du keine falschen Angaben machen, denn spätestens beim Vorstellungsgespräch könntest Du in Erklärungsnot geraten. Ein erfundener Lebenslauf bringt Dich nicht weiter, aber eine gute Selbstdarstellung könnte Dir die Einladung zum Vorstellungsgespräch sichern.

Im Lebenslauf kommt es auf die richtige Darstellung und Argumentation an. Eine gelungene Selbstdarstellung erreichst Du, in dem Du Deine Lücken im Lebenslauf möglichst zu Deinem Vorteil interpretierst. Versuche dem Personalverantwortlichen mit Deiner Bewerbung zu beweisen, dass Du die Zeit ohne Arbeit effektiv genutzt hast. Überlege Dir also vor dem Schreiben des Lebenslaufs, was genau Du in der Zeit gemacht hast, in der Du nicht berufstätig warst. Hast Du eine Fortbildung gemacht, einen EDV-Kurs belegt oder eine Fremdsprache gelernt? Mit Bescheinigungen von Bildungsträgern kannst Du nachweisen, dass Du Deine Zeit in der Arbeitslosigkeit sinnvoll genutzt hast. Eine Weiterbildung durch Selbststudium zählt ebenso. Hast Du vielleicht Fachliteratur gelesen, und Dich über Entwicklungen in Deiner Branche informiert? Wenn Du in der Zeit der Arbeitslosigkeit fachlich auf dem neuesten Stand geblieben bist, zeigt das Dein Engagement. Vielleicht hast Du Dich ehrenamtlich betätigt oder bist im Sportverein aktiv? So kannst Du Dein soziales Engagement nachweisen, auf das viele Unternehmen großen Wert legen. Ebenso kann Deine Familienpause positiv gewertet werden. Wer Tagespläne von Kindern koordiniert und nebenbei den Haushalt organisiert ist belastbar, flexibel und ein echtes Organisations- und Motivationstalent. Einen dicken Pluspunkt im Bereich soziale Kompetenz bringt Kindererziehung sowieso.
Überlege Dir genau, welche der Tätigkeiten, denen Du in der Zeit der Arbeitslosigkeit nachgegangen bist, für die ausgeschriebene Stelle interessant sein könnten. Wichtig ist es nämlich, dass Du Deinen Lebenslauf individuell auf das Unternehmen und die ausgeschriebene Position abstimmst. Nicht alle Jobs, die Du je in Deinem Leben gemacht hast, müssen erwähnt werden. Interessant für den Personalverantwortlichen sind diejenigen Beschäftigungen, die für die angestrebte Position relevant sind.

Ob Du Deine Schwerbehinderung im Lebenslauf erwähnst, ist eine Entscheidung, die Du ganz alleine für Dich treffen musst. Grundsätzlich musst Du Deine Schwerbehinderung nicht erwähnen. Es sei denn, Deine gesundheitliche Beeinträchtigung würde sich negativ auf Deine neue Arbeitsstelle auswirken. Manche Bewerber nutzen ihre Schwerbehinderung allerdings zu ihrem Vorteil, da Menschen mit Behinderung in manchen Unternehmen bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt werden. Auf frühere Krankheiten musst Du Deinen möglichen Arbeitgeber nicht aufmerksam machen. Krankheiten sind definitiv Privatsache, und gehören nicht in eine Bewerbungsmappe! Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts brauchen Vorerkrankungen auch im Vorstellungsgespräch nicht erwähnt zu werden. Ausnahmen sind Krankheiten, die die Berufsausübung beeinträchtigen oder andere gefährden können.
Alles in allem ist ein Lebenslauf nicht der geeignete Ort, um negative Emotionen zu erzeugen. Persönliche Lebenskrisen und Krankheiten haben im Lebenslauf nichts verloren.

Der positiven Energie wegen ist es von Vorteil, das Wort „arbeitslos“ im Lebenslauf zu vermeiden und stattdessen lieber den Begriff „arbeitssuchend“ zu verwenden. Dieser Begriff ist deutlich positiver bewertet und stellt Dein Engagement auf der Suche nach Arbeit in den Vordergrund.

Selbstverständlich lassen sich nicht alle Lücken im Lebenslauf mit Inhalt füllen. Um Lücken zu kaschieren ist es sinnvoll, seinen Lebenslauf nicht chronologisch, sondern thematisch aufzubauen. Ordne Deine einzelnen Lebensstationen einfach thematischen Stichpunkten wie „Weiterbildung“, „Engagement“ oder „Interessen“ zu. Kürzere Auszeiten fallen so kaum auf, und Du bietest sogleich die richtige Interpretation Deines beruflichen Werdegangs. Natürlich wirst Du es nicht schaffen, alle Deine Lücken in Deinem Werdegang zu kaschieren. Bereite Dich also darauf vor, dass Du bei einem möglichen Vorstellungsgespräch darauf angesprochen wirst.

Überlege Dir vor dem Schreiben Deines Lebenslaufs noch einmal genau, welche Deiner Tätigkeiten in den Zeiten der Arbeitslosigkeit Du als Argument für Dich und Deine Kompetenzentwicklung nutzen kannst. Versuch den Personalverantwortlichen davon zu überzeugen, dass Du die Richtige für diesen Job bist, der Lücken im Lebenslauf zum Trotz. Viel Erfolg dabei!


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