Was passiert eigentlich, wenn man die eigene Mutter, den besten Freund und – aufgepasst – sogar den Chef für sich tindern lässt? Wir haben uns im Bekanntenkreis umgehört, Kollegen gefragt und zusätzlich in unserer Facebook-Community einen Aufruf gestartet. Hier die lustigsten und aufschlussreichsten Erfahrungsberichte – lehrreiche AHA-Momente inklusive!  

#1: Nicht verzagen, Mama fragen!

Die Ausgangssituation:

Meine Eltern haben sich in den frühen 1970er Jahren auf einer Faschingsparty in Dresden kennengelernt und verabredeten sich noch am selben Abend für den Mittwoch der kommenden Woche. Wäre einem von beiden etwas dazwischen gekommen, sie hätten nicht absagen und das Treffen verschieben können – es war eine Zeit ohne Handys, ohne WhatsApp, ohne Facebook und ja, auch ohne Tinder. Sie verließen sich beide darauf, dass der jeweils andere erscheinen würde – und so war es dann auch.

40 Jahre später sind sie immer noch miteinander verheiratet. Ich – Kathrin, 29 Jahre, seit 5 Jahren mal mehr, mal weniger verzweifelter Single – kann also bestimmt die eine oder andere Weisheit von Mama lernen, denke ich, als ich ihr mein Smartphone mit der geöffneten Tinder-App überreiche.

Das Experiment: Mama übernimmt mein Profil. Will heißen: Sie darf neue Bilder reinstellen, eine Bio schreiben. Sie darf nach Herzenslust swipen, nach links, nach rechts. Und: Sie darf auch chatten – wenn sie denn mag.

Gewagt? Vielleicht. Aber: No risk, no wisdom.

Die Tinder-Session:

Mama guckt sich erst einmal mein Profil an. Ihr gefällt eines meiner Selfies nicht. „Zu gekünstelt, Schatz.“ Ich zeige ihr, wie sie über Facebook neue Bilder auswählen kann. Sie entscheidet sich für eines, auf dem ich fast ungeschminkt auf einer Wiese sitze. „Das ist zu öko, Mama.“ „Nein, das bist du.“ Na dann.

Sie entfernt die Verlinkung zu Instagram (bzw. bittet mich darum, weil sie nicht weiß, wie es geht). Ihr Kommentar: „Damit zeigst du zu viel Privates; ein bisschen Mysterium muss sein. Sonst hat der andere ja gar nichts mehr zu entdecken und weiß schon vor dem Treffen, wer du bist.“ Ähh, Mama, das ist ein bisschen der Sinn von Tinder?

Dass ich so rein gar nichts im „Das bin ich“-Feld zu stehen habe, findet sie doof. „Ich werde deinen Charakter beschreiben. Und auf ein paar deiner Hobbies – Schauspiel, Aquarellbilder malen – eingehen.“ Einverstanden.

Dann geht es los: Mama beginnt zu swipen. Ich schaue ihr über die Schulter.

Eine Auswahl ihrer besten Kommentare:

„Sapiosexuell – klingt merkwürdig …“ (finde ich auch …)

„Warum veröffentlichen manche Männer Bilder von sich mit anderen Frauen?“ (darauf habe ich bis heute keine einleuchtende Erklärung gefunden. Vielleicht, um zu zeigen, dass sie richtig gut beim weiblichen Geschlecht ankommen?)

„Der Mann ist zu juvenil.“ (für Mama ist alles, was Piercings und Tattoos trägt, juvenil.)

„Looking for hot subs! – was heißt das?“ (willst du nicht wissen, Mama! Bitte schnell nach links!)  

Bei Erik, Tom, Peter und Julius wischt sie nach rechts. Alles Männer, die mir zu glatt und langweilig wären. Mama bezeichnet sie als „anständig“ und „mit beiden Beinen fest im Leben stehend“. Mit Steuerberater Erik, 32, gibt es ein Match. „Ohhhh, das heißt, dass er mich mag?“, fragt sie. Sozusagen.

Mama beginnt, sich mit Erik lange Texte hin- und herzuschreiben. Dabei klingt sie stets ehrlich, höflich, verbindlich. Sie denkt nicht lange darüber nach, was sie schreiben soll und wie das wohl klingen mag (so wie ich gelegentlich aus taktischen Gründen).

Ehrlich gesagt überraschen mich Eriks Antworten. Er klingt, als sei er ein schlagfertiger, witziger, aufmerksamer Typ. Als er nach einem Date fragt, überreicht mir Mama wieder das Handy. „Das ist jetzt deine Entscheidung.“

Die Weisheit:

Was ich von Tinderella-Mama gelernt habe?

Hm … ich glaube folgende drei Punkte:

# No. 1: 

Liegt auf der Hand, aber trotzdem nicht darauf geachtet: Mehr ich selbst sein. Auf den Fotos, die ich einstelle. In den Messages, die ich abschicke. Bisher war ich zu sehr damit beschäftigt, irgendwas Cooles (ja, was eigentlich?) darstellen zu wollen.  

# No. 2: 

Versuchen, von meinem ungesunden Faible für Bad Boys und Poser loszukommen. Männern eine Chance geben, die Karohemden tragen und damit eigentlich nicht meinem Beuteschema entsprechen.  

# No. 3: 

Nicht immer denken, es kommt noch was Besseres. Auf einen Mann einlassen. Keine kurzfristigen Absagen mehr, kein Ghosting. Mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Verbindlichkeit, mehr Verlässlichkeit demonstrieren. Denn: So wie du in den Tinder-Wald hineinrufst, so schallt es heraus.

Ach so, und auf das Date mit Erik geh ich übrigens diesen Samstag. Ich bin gespannt …

#2: Wenn die beste Freundin zum Date-Doktor wird

Die Ausgangssituation:

Mein Liebesleben? Eine Wüste. Keine Frau weit und breit. Meine beste Freundin Anne kann sich mein Gejammer nicht länger anhören und stellt mir ein Ultimatum: “Ben, wenn du in der kommenden Woche kein Match sowie kein 1. Date auf die Reihe kriegst, hijacke ich deinen Tinder-Account und helfe dir mit meinem geballten weiblichen Dating-Sachverstand dabei, endlich die Richtige zu finden.”

Mega-Stress auf der Arbeit hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und so gebe ich Anne eine Woche später widerwillig, aber irgendwie auch neugierig mein Smartphone.

Die Tinder-Session:

Ihre erste Amtshandlung besteht darin, mein gesamtes Profil einem Face-Lift zu unterziehen: Mein erstes Foto, auf dem ich selbstironisch mit einer Chip&Chap-Mütze vor der Big-Thunder-Mountain-Achterbahn im Disneyland posiere (Anne: „Nicht cool!“) wird durch ein Selfie am See ausgetauscht („Hier lachst du so charmant und man sieht deine Grübchen!”).

Sämtliche Gruppenbilder werden entfernt (“Es nervt, wenn man erst beim fünften Bild erfährt, mit welchem Typ man es zu tun hat.”) und u.a. durch ein Foto, das mich beim Bouldern zeigt, ersetzt („Ben, Frauen wollen deinen gesamten Körper sehen!“).

Meine zugegebenermaßen etwas lahme Bio muss ebenfalls dran glauben („Niemand interessiert sich dafür, dass du ein „lustiger und netter Typ“ bist”).

Annes neuer Text: „Disney-Fan. Lass uns zusammen Aladdin gucken und danach kannst du an meiner Wunderlampe reiben.“ Ich gucke sie entgeistert an. „Reingefallen!” Sie tippt einen neuen Text, in dem sie u.a. meinen Beruf als Business Analyst erwähnt. 

Das Swipen kann losgehen. Es stellt sich rasch heraus, dass Anne und ich … nun ja … einen etwas unterschiedlichen Frauengeschmack haben. 

“Boah, was ist denn das für eine dumme Nuss?”, fragt mich Anne und zeigt mir das Profil von Melanie, eine sexy Blondine. Es mag das typische Klischee sein, aber ich finde sie einfach nur hot. “Wisch nach rechts”, bitte ich Anne. “Nee, auf gar keinen Fall! Mit der kannst du keine normale Unterhaltung führen.” “Anne, ich will mich mit der auch nicht unterhalten!” Anne tut, als hätte sie nichts gehört und wischt … Trommelwirbel … nach links.

Zu meiner großen Überraschung erhalte ich (oder besser gesagt Anne) drei Matches in den ersten zwei Tagen unseres Experiments. Ziel ist, sich möglichst schnell mit ihnen auf Dates zu verabreden. Doch schon das erste Match, Daniela, entpuppt sich rasch als echtes Abturn-Girl, das ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper hat.

Spätestens als sie Anne per WhatsApp Bilder von ihren vermeintlich zu großen Füßen schickt, müssen wir die gute Frau leider entmatchen. Die zweite Kandidatin wirkt durchaus ansprechend, erscheint aber leider nie wie verabredet auf dem 3D-Minigolfplatz. Während ich auf sie warte, schütte ich unkontrolliert Moscow Mules in mich rein und versuche, betrunken allein eine Runde zu spielen.  

Anne will nicht aufgeben. Bei ihrer dritten Eroberung ist sie sich sicher. “Die ist ein supersüßes Mädel von nebenan und wird dich mit all deinen Macken akzeptieren.” – Ich nur so: “Was für Macken? Ich finde die zu brav. Ich will back to Melanie!”  

Annes Hartnäckigkeit führt dazu, dass ich Marie tatsächlich nach zwei Tagen leibhaftig zu Gesicht bekomme. Ich muss sagen: ich bin angenehm von ihrer Erscheinung überrascht. Sehr natürlich und herzlich, top Ausstrahlung!

Marie ist neu in Berlin; ich zeige ihr ein paar meiner Lieblingsecken, u.a. den Viktoriapark. Danach stellen wir uns in der Stoßzeit zusammen bei Mustafas Gemüse-Döner an und zischen ein paar Augustiner vor einem Späti. Da wir beide Film-Freaks sind, haben wir genügend Gesprächsstoff für einen witzigen Abend. Irgendwie fehlt aber das gewisse Etwas, das zu mehr führen könnte und das man – selbst Anne nicht – nun mal leider nicht erzwingen kann. 

Die Weisheit:

Anne fragt mich, wie ich unser Experiment fand. Ich antworte ihr:

Hey, es ist zwar bisher nicht die große Liebe dabei gewesen, aber ich habe durchaus Bock bekommen, das Experiment mit dir in naher Zukunft zu wiederholen. Ich meine: Es erspart einem immerhin ein wenig Zeit, wenn man nicht ständig selber swipen muss … 

Aber nicht nur deshalb empfehle ich jedem, der kurzfristig Abwechslung in sein Dating-Leben bringen will, unser Experiment ruhig mal nachzumachen. Gute Freunde kennen dich manchmal besser als du selbst und können im Idealfall einen Kandidaten entdecken, auf den du selber nie gekommen wärst.

P.s.: Obwohl ich dennoch glaube, dass sie mit Melanie einen großen Fehler gemacht hat! 

Schau dir hier an, wie Influencerin Annabelle Boom bei ihrem letzten Mallorca-Urlaub ebenso für den Kumpel ihres Verlobten getindert hat und was dabei rausgekommen ist: 

#3: Mein Chef, der Matchmaker!

Die Ausgangssituation:

Mittagspause. Eigentlich habe ich mit meinem Chef ein wichtiges Projekt zu besprechen. Stattdessen will er für mich tindern. Ich muss dazu sagen: Wir haben ein fast freundschaftliches Verhältnis. So unangenehm schockiert hat es mich also nicht.

Hey, er hat schließlich auch mich für den Job ausgewählt. So schlecht kann seine Menschenkenntnis nicht sein. Ich sollte ihm vertrauen – oder?

Die Tinder-Session:

Ich bin angenehm überrascht, dass er sowohl an meinen Bildern als auch an meiner Bio nichts auszusetzen hat.

„Die Aufnahmen am Strand und die Porträtshots sind allesamt natürlich und vermitteln einen realen Eindruck von dir, Lisa. Die Kurzbeschreibung gibt dich 1a wieder – ich würde noch ergänzen, dass du gut zuhören kannst, meinungsstark und ehrgeizig bist, ok?“

Ok. Aber bitte kein Arbeitszeugnis schreiben.

Mein Chef beginnt mit dem Swipen. Hui, hui, er ist streng und wischt so einige Exemplare nach links. Der Recruiting-Prozess wird alles andere als leicht; seinem prüfenden Analytiker-Auge entgeht nichts. „Dieser Spanier ist viel zu kindisch für dich und guck, lediglich für ein Wochenende in München. Vergiss es! Du willst doch keine Fernbeziehung, oder?” Nein, aber vielleicht ein bisschen Spaß?

Links, links, links. Mein Chef wischt so schnell, dass ich die Männer kaum erkennen kann. „Du guckst dir die gar nicht richtig an“, werfe ich ihm wagemutig vor. „Doch, doch“, murmelt er. „Das jahrelange Lesen von Lebensläufen hat mich trainiert.“

“Halt, stopp, was ist mit dem da?”, frage ich, als ich das Profil von dem attraktiven Andreas sehe. “Der hat einen großartigen Style!”

Mein Chef runzelt die Stirn.

“So ein typischer Hipster, der sich für ganz toll hält. Der ist 34 … kriegt garantiert von Mutti noch Unterstützung, weil es bisher mit dem Durchbruch als YouTuber oder Schauspieler oder was-auch-immer nicht geklappt hat.”

Ich sage nichts, bezweifle aber, ob er mit dieser Ansicht Recht hat.    

Bei Tobias hält er zum ersten Mal inne. „Der hier könnte was für dich sein.“ Aha, warum?

„Eine attraktive Mischung aus Zielstrebigkeit und Lockerheit, aus Businessman und Sonnyboy, aus Ich-weiß-was-ich-im-Leben-will und Ich-habe-keinen-Stock-im-Arsch. Mit Tobias hast du garantiert einen soliden, verlässlichen Kerl an deiner Seite, mit dem du gleichzeitig viel Spaß haben wirst.“

Ich finde zwar, dass der Stock im Arsch eindeutig erkennbar ist, aber gut … Widerspruch gegen den Chef ist sowieso sinnlos … So sei es – Amen! Mein Chef wischt nach rechts.

Das Match folgt ein paar Minuten später. So wie ich meinen Chef auch aus Kundenverhandlungen kenne, fackelt er nicht lange. Er schreibt Tobias sofort an.

Die Weisheit:

Nach drei Wochen steht endgültig fest: Mein Chef hat wirklich ein untrüglich gutes Gespür für Mitarbeitermotivation. Ich brauche kaum noch Schlaf, gehe jeden Tag super gut gelaunt auf Arbeit – denn: Ich bin ein bisschen verknallt. Ich war bisher auf drei Dates mit Tobi und habe das Gefühl, es wird immer besser.

Mein Rat: Es muss ja nicht gleich der Chef sein, dem du dein Tinder-Profil anvertraust, aber andere Personen in deinem Umkreis, die dich gut kennen, um Rat zu fragen, kann durchaus eine frische Perspektive bringen. Denn manchmal sind wir doch alle zu festgefahren in unseren Vorstellungen und benötigen jemanden von außen, der unseren Blick in eine neue Richtung lenkt …

Meine Mutter hat für mich getindert – das ist passiert!

Was passiert eigentlich, wenn man die eigene Mutter, den besten Freund und – aufgepasst – sogar den Chef für sich tindern lässt? Wir haben uns im Bekanntenkreis umgehört, Kollegen gefragt und zusätzlich in unserer Facebook-Community einen Aufruf gestartet. Hier die lustigsten und aufschlussreichsten Erfahrungsberichte – lehrreiche AHA-Momente inklusive!  

#1: Nicht verzagen, Mama fragen!

Die Ausgangssituation:

Meine Eltern haben sich in den frühen 1970er Jahren auf einer Faschingsparty in Dresden kennengelernt und verabredeten sich noch am selben Abend für den Mittwoch der kommenden Woche. Wäre einem von beiden etwas dazwischen gekommen, sie hätten nicht absagen und das Treffen verschieben können – es war eine Zeit ohne Handys, ohne WhatsApp, ohne Facebook und ja, auch ohne Tinder. Sie verließen sich beide darauf, dass der jeweils andere erscheinen würde – und so war es dann auch.

40 Jahre später sind sie immer noch miteinander verheiratet. Ich – Kathrin, 29 Jahre, seit 5 Jahren mal mehr, mal weniger verzweifelter Single – kann also bestimmt die eine oder andere Weisheit von Mama lernen, denke ich, als ich ihr mein Smartphone mit der geöffneten Tinder-App überreiche.

Das Experiment: Mama übernimmt mein Profil. Will heißen: Sie darf neue Bilder reinstellen, eine Bio schreiben. Sie darf nach Herzenslust swipen, nach links, nach rechts. Und: Sie darf auch chatten – wenn sie denn mag.

Gewagt? Vielleicht. Aber: No risk, no wisdom.

Die Tinder-Session:

Mama guckt sich erst einmal mein Profil an. Ihr gefällt eines meiner Selfies nicht. „Zu gekünstelt, Schatz.“ Ich zeige ihr, wie sie über Facebook neue Bilder auswählen kann. Sie entscheidet sich für eines, auf dem ich fast ungeschminkt auf einer Wiese sitze. „Das ist zu öko, Mama.“ „Nein, das bist du.“ Na dann.

Sie entfernt die Verlinkung zu Instagram (bzw. bittet mich darum, weil sie nicht weiß, wie es geht). Ihr Kommentar: „Damit zeigst du zu viel Privates; ein bisschen Mysterium muss sein. Sonst hat der andere ja gar nichts mehr zu entdecken und weiß schon vor dem Treffen, wer du bist.“ Ähh, Mama, das ist ein bisschen der Sinn von Tinder?

Dass ich so rein gar nichts im „Das bin ich“-Feld zu stehen habe, findet sie doof. „Ich werde deinen Charakter beschreiben. Und auf ein paar deiner Hobbies – Schauspiel, Aquarellbilder malen – eingehen.“ Einverstanden.

Dann geht es los: Mama beginnt zu swipen. Ich schaue ihr über die Schulter.

Eine Auswahl ihrer besten Kommentare:

„Sapiosexuell – klingt merkwürdig …“ (finde ich auch …)

„Warum veröffentlichen manche Männer Bilder von sich mit anderen Frauen?“ (darauf habe ich bis heute keine einleuchtende Erklärung gefunden. Vielleicht, um zu zeigen, dass sie richtig gut beim weiblichen Geschlecht ankommen?)

„Der Mann ist zu juvenil.“ (für Mama ist alles, was Piercings und Tattoos trägt, juvenil.)

„Looking for hot subs! – was heißt das?“ (willst du nicht wissen, Mama! Bitte schnell nach links!)  

Bei Erik, Tom, Peter und Julius wischt sie nach rechts. Alles Männer, die mir zu glatt und langweilig wären. Mama bezeichnet sie als „anständig“ und „mit beiden Beinen fest im Leben stehend“. Mit Steuerberater Erik, 32, gibt es ein Match. „Ohhhh, das heißt, dass er mich mag?“, fragt sie. Sozusagen.

Mama beginnt, sich mit Erik lange Texte hin- und herzuschreiben. Dabei klingt sie stets ehrlich, höflich, verbindlich. Sie denkt nicht lange darüber nach, was sie schreiben soll und wie das wohl klingen mag (so wie ich gelegentlich aus taktischen Gründen).

Ehrlich gesagt überraschen mich Eriks Antworten. Er klingt, als sei er ein schlagfertiger, witziger, aufmerksamer Typ. Als er nach einem Date fragt, überreicht mir Mama wieder das Handy. „Das ist jetzt deine Entscheidung.“

Die Weisheit:

Was ich von Tinderella-Mama gelernt habe?

Hm … ich glaube folgende drei Punkte:

# No. 1: 

Liegt auf der Hand, aber trotzdem nicht darauf geachtet: Mehr ich selbst sein. Auf den Fotos, die ich einstelle. In den Messages, die ich abschicke. Bisher war ich zu sehr damit beschäftigt, irgendwas Cooles (ja, was eigentlich?) darstellen zu wollen.  

# No. 2: 

Versuchen, von meinem ungesunden Faible für Bad Boys und Poser loszukommen. Männern eine Chance geben, die Karohemden tragen und damit eigentlich nicht meinem Beuteschema entsprechen.  

# No. 3: 

Nicht immer denken, es kommt noch was Besseres. Auf einen Mann einlassen. Keine kurzfristigen Absagen mehr, kein Ghosting. Mit gutem Beispiel vorangehen und mehr Verbindlichkeit, mehr Verlässlichkeit demonstrieren. Denn: So wie du in den Tinder-Wald hineinrufst, so schallt es heraus.

Ach so, und auf das Date mit Erik geh ich übrigens diesen Samstag. Ich bin gespannt …

#2: Wenn die beste Freundin zum Date-Doktor wird

Die Ausgangssituation:

Mein Liebesleben? Eine Wüste. Keine Frau weit und breit. Meine beste Freundin Anne kann sich mein Gejammer nicht länger anhören und stellt mir ein Ultimatum: “Ben, wenn du in der kommenden Woche kein Match sowie kein 1. Date auf die Reihe kriegst, hijacke ich deinen Tinder-Account und helfe dir mit meinem geballten weiblichen Dating-Sachverstand dabei, endlich die Richtige zu finden.”

Mega-Stress auf der Arbeit hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht und so gebe ich Anne eine Woche später widerwillig, aber irgendwie auch neugierig mein Smartphone.

Die Tinder-Session:

Ihre erste Amtshandlung besteht darin, mein gesamtes Profil einem Face-Lift zu unterziehen: Mein erstes Foto, auf dem ich selbstironisch mit einer Chip&Chap-Mütze vor der Big-Thunder-Mountain-Achterbahn im Disneyland posiere (Anne: „Nicht cool!“) wird durch ein Selfie am See ausgetauscht („Hier lachst du so charmant und man sieht deine Grübchen!”).

Sämtliche Gruppenbilder werden entfernt (“Es nervt, wenn man erst beim fünften Bild erfährt, mit welchem Typ man es zu tun hat.”) und u.a. durch ein Foto, das mich beim Bouldern zeigt, ersetzt („Ben, Frauen wollen deinen gesamten Körper sehen!“).

Meine zugegebenermaßen etwas lahme Bio muss ebenfalls dran glauben („Niemand interessiert sich dafür, dass du ein „lustiger und netter Typ“ bist”).

Annes neuer Text: „Disney-Fan. Lass uns zusammen Aladdin gucken und danach kannst du an meiner Wunderlampe reiben.“ Ich gucke sie entgeistert an. „Reingefallen!” Sie tippt einen neuen Text, in dem sie u.a. meinen Beruf als Business Analyst erwähnt. 

Das Swipen kann losgehen. Es stellt sich rasch heraus, dass Anne und ich … nun ja … einen etwas unterschiedlichen Frauengeschmack haben. 

“Boah, was ist denn das für eine dumme Nuss?”, fragt mich Anne und zeigt mir das Profil von Melanie, eine sexy Blondine. Es mag das typische Klischee sein, aber ich finde sie einfach nur hot. “Wisch nach rechts”, bitte ich Anne. “Nee, auf gar keinen Fall! Mit der kannst du keine normale Unterhaltung führen.” “Anne, ich will mich mit der auch nicht unterhalten!” Anne tut, als hätte sie nichts gehört und wischt … Trommelwirbel … nach links.

Zu meiner großen Überraschung erhalte ich (oder besser gesagt Anne) drei Matches in den ersten zwei Tagen unseres Experiments. Ziel ist, sich möglichst schnell mit ihnen auf Dates zu verabreden. Doch schon das erste Match, Daniela, entpuppt sich rasch als echtes Abturn-Girl, das ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper hat.

Spätestens als sie Anne per WhatsApp Bilder von ihren vermeintlich zu großen Füßen schickt, müssen wir die gute Frau leider entmatchen. Die zweite Kandidatin wirkt durchaus ansprechend, erscheint aber leider nie wie verabredet auf dem 3D-Minigolfplatz. Während ich auf sie warte, schütte ich unkontrolliert Moscow Mules in mich rein und versuche, betrunken allein eine Runde zu spielen.  

Anne will nicht aufgeben. Bei ihrer dritten Eroberung ist sie sich sicher. “Die ist ein supersüßes Mädel von nebenan und wird dich mit all deinen Macken akzeptieren.” – Ich nur so: “Was für Macken? Ich finde die zu brav. Ich will back to Melanie!”  

Annes Hartnäckigkeit führt dazu, dass ich Marie tatsächlich nach zwei Tagen leibhaftig zu Gesicht bekomme. Ich muss sagen: ich bin angenehm von ihrer Erscheinung überrascht. Sehr natürlich und herzlich, top Ausstrahlung!

Marie ist neu in Berlin; ich zeige ihr ein paar meiner Lieblingsecken, u.a. den Viktoriapark. Danach stellen wir uns in der Stoßzeit zusammen bei Mustafas Gemüse-Döner an und zischen ein paar Augustiner vor einem Späti. Da wir beide Film-Freaks sind, haben wir genügend Gesprächsstoff für einen witzigen Abend. Irgendwie fehlt aber das gewisse Etwas, das zu mehr führen könnte und das man – selbst Anne nicht – nun mal leider nicht erzwingen kann. 

Die Weisheit:

Anne fragt mich, wie ich unser Experiment fand. Ich antworte ihr:

Hey, es ist zwar bisher nicht die große Liebe dabei gewesen, aber ich habe durchaus Bock bekommen, das Experiment mit dir in naher Zukunft zu wiederholen. Ich meine: Es erspart einem immerhin ein wenig Zeit, wenn man nicht ständig selber swipen muss … 

Aber nicht nur deshalb empfehle ich jedem, der kurzfristig Abwechslung in sein Dating-Leben bringen will, unser Experiment ruhig mal nachzumachen. Gute Freunde kennen dich manchmal besser als du selbst und können im Idealfall einen Kandidaten entdecken, auf den du selber nie gekommen wärst.

P.s.: Obwohl ich dennoch glaube, dass sie mit Melanie einen großen Fehler gemacht hat!  

Schau dir hier an, wie Influencerin Annabelle Boom bei ihrem letzten Mallorca-Urlaub ebenso für den Kumpel ihres Verlobten getindert hat und was dabei rausgekommen ist: 

#3: Mein Chef, der Matchmaker!

Die Ausgangssituation:

Mittagspause. Eigentlich habe ich mit meinem Chef ein wichtiges Projekt zu besprechen. Stattdessen will er für mich tindern. Ich muss dazu sagen: Wir haben ein fast freundschaftliches Verhältnis. So unangenehm schockiert hat es mich also nicht.

Hey, er hat schließlich auch mich für den Job ausgewählt. So schlecht kann seine Menschenkenntnis nicht sein. Ich sollte ihm vertrauen – oder?

Die Tinder-Session:

Ich bin angenehm überrascht, dass er sowohl an meinen Bildern als auch an meiner Bio nichts auszusetzen hat.

„Die Aufnahmen am Strand und die Porträtshots sind allesamt natürlich und vermitteln einen realen Eindruck von dir, Lisa. Die Kurzbeschreibung gibt dich 1a wieder – ich würde noch ergänzen, dass du gut zuhören kannst, meinungsstark und ehrgeizig bist, ok?“

Ok. Aber bitte kein Arbeitszeugnis schreiben.

Mein Chef beginnt mit dem Swipen. Hui, hui, er ist streng und wischt so einige Exemplare nach links. Der Recruiting-Prozess wird alles andere als leicht; seinem prüfenden Analytiker-Auge entgeht nichts. „Dieser Spanier ist viel zu kindisch für dich und guck, lediglich für ein Wochenende in München. Vergiss es! Du willst doch keine Fernbeziehung, oder?” Nein, aber vielleicht ein bisschen Spaß?

Links, links, links. Mein Chef wischt so schnell, dass ich die Männer kaum erkennen kann. „Du guckst dir die gar nicht richtig an“, werfe ich ihm wagemutig vor. „Doch, doch“, murmelt er. „Das jahrelange Lesen von Lebensläufen hat mich trainiert.“

“Halt, stopp, was ist mit dem da?”, frage ich, als ich das Profil von dem attraktiven Andreas sehe. “Der hat einen großartigen Style!”

Mein Chef runzelt die Stirn.

“So ein typischer Hipster, der sich für ganz toll hält. Der ist 34 … kriegt garantiert von Mutti noch Unterstützung, weil es bisher mit dem Durchbruch als YouTuber oder Schauspieler oder was-auch-immer nicht geklappt hat.”

Ich sage nichts, bezweifle aber, ob er mit dieser Ansicht Recht hat.    

Bei Tobias hält er zum ersten Mal inne. „Der hier könnte was für dich sein.“ Aha, warum?

„Eine attraktive Mischung aus Zielstrebigkeit und Lockerheit, aus Businessman und Sonnyboy, aus Ich-weiß-was-ich-im-Leben-will und Ich-habe-keinen-Stock-im-Arsch. Mit Tobias hast du garantiert einen soliden, verlässlichen Kerl an deiner Seite, mit dem du gleichzeitig viel Spaß haben wirst.“

Ich finde zwar, dass der Stock im Arsch eindeutig erkennbar ist, aber gut … Widerspruch gegen den Chef ist sowieso sinnlos … So sei es – Amen! Mein Chef wischt nach rechts.

Das Match folgt ein paar Minuten später. So wie ich meinen Chef auch aus Kundenverhandlungen kenne, fackelt er nicht lange. Er schreibt Tobias sofort an.

Die Weisheit:

Nach drei Wochen steht endgültig fest: Mein Chef hat wirklich ein untrüglich gutes Gespür für Mitarbeitermotivation. Ich brauche kaum noch Schlaf, gehe jeden Tag super gut gelaunt auf Arbeit – denn: Ich bin ein bisschen verknallt. Ich war bisher auf drei Dates mit Tobi und habe das Gefühl, es wird immer besser.

Mein Rat: Es muss ja nicht gleich der Chef sein, dem du dein Tinder-Profil anvertraust, aber andere Personen in deinem Umkreis, die dich gut kennen, um Rat zu fragen, kann durchaus eine frische Perspektive bringen. Denn manchmal sind wir doch alle zu festgefahren in unseren Vorstellungen und benötigen jemanden von außen, der unseren Blick in eine neue Richtung lenkt …

Weitere Artikel

  • Macht er sich wirklich rar, um interessant zu wirken? 14 Tinder-Mythen im Check!
    TINDER – ANZEIGE Macht er sich wirklich rar, um interessant zu wirken? 14 Tinder-Mythen im Check! Roadtrip-Fotos kommen immer gut an. Man trifft nur oberflächliche Menschen. Männer sollten
  • Matthias: Der Friend-Zone-Jackpot
      TINDER – ANZEIGE Matthias: Der Friend-Zone-Jackpot! In dieser Story erleben wir, dass man nicht unbedingt „The One and Only“ über Tinder finden muss – dafür aber viele andere
  • Dennis: zu früh gefragt ..?
    TINDER – ANZEIGE Dennis: zu früh gefragt ..? Manchmal ist es der Zeitpunkt, der darüber entscheidet, ob man glücklich zueinander findet oder nicht. In dieser Story finden sich zwei ehemalige

Die Inhalte auf dieser Seite wurden von der Redaktion der Ströer Media BRAND VOICE in Zusammenarbeit mit Tinder erstellt.