Kind und Job: 3 Mütter erzählen, wie sie es jeden Tag aufs Neue schaffen – und manchmal auch nicht

Job und Kind unter einen Hut zu bekommen, das ist und bleibt eine Herausforderung. Drei junge Mütter erzählen, wie sie es schaffen und wie sie sich und ihre kleine Familie finanziell absichern.  

Ihr seid alle drei vor relativer kurzer Zeit erst Mutter geworden. Was habt ihr im Vorfeld gedacht, was euch erwartet und wie hat sich euer Leben tatsächlich geändert, nachdem eure Kinder auf die Welt gekommen seid?

Steffi*: Meine Tochter wird in wenigen Tagen drei Jahre alt. Dementsprechend habe ich eher das Gefühl, schon vergessen zu haben, dass es überhaupt mal eine Zeit vor der Mutterschaft gab. Ich hatte im Vorfeld eigentlich gar keine Erwartungen, was mich als Mutter erwarten würde. Aber auch, wenn ich nichts erwartet habe, kann ich sagen: Verändert hat sich alles. Mein Alltag, mein Leben, mein Wissen, meine Persönlichkeit, mein Fokus. Ein paar Monate nach der Geburt kam ich beim Anblick meiner Tochter endgültig zu der Erkenntnis: Krass, in diesem einen Moment der Geburt hat der Rest meines Lebens begonnen. Ich werde nie wieder Nicht-Mutter sein. Das ist ganz schön beängstigend, wenn man sich darüber noch nie zuvor Gedanken gemacht hat – und ganz schön endgültig …

Annika*: Mein Sohn war nicht geplant. Zuerst war es ein Schock. Ich habe während meines Studiums als Kindermädchen gearbeitet, also wusste ich, wie mein Leben sich verändern wird. Und ich habe es selber in meinem Arbeitsumfeld gesehen, dass Mütter anders behandelt werden. Wenn zum Beispiel irgendetwas ansteht – ein Event oder eine Veranstaltung, dann sind es nicht die Mütter, an die als erstes gedacht wird, sondern unabhängige Singles. Und da habe ich dann schon Panik bekommen, weil ich so gern als Journalistin weiter arbeiten wollte und da muss man flexibel sein. Das war der Moment, in dem ich realisiert habe, das wird jetzt nicht mehr möglich sein. 

„Verändert hat sich alles. Mein Alltag, mein Leben, mein Wissen, meine Persönlichkeit, mein Fokus.“ Steffi, 32 Jahre, alleinerziehend

Ich war zu dem Zeitpunkt noch mit dem Vater meines Sohnes zusammen und nahm an, wir wuppen das gemeinsam. Im Endeffekt ist alles anders gelaufen – der Vater ist nach Amerika gegangen, d.h., ich bin jetzt alleinerziehend. Und habe mit diesem berühmten schlechten Gewissen zu kämpfen. Bin ich auf Arbeit, denke ich, ich werde meinem Kind nicht gerecht. Bin ich bei meinem Kind, denke ich, ich bin eine schlechte Arbeitnehmerin.

Juliane*: Oh ja, das kenne ich … Bei mir und meinem Partner war es geplant, aber wir wussten beide nicht so richtig, was uns erwartet. Zu der Zeit war ich noch in einem befristeten Arbeitsverhältnis, das leider nicht verlängert wurde. Nach der Elternzeit habe ich mich arbeitssuchend gemeldet. Das war der erste Moment, in dem ich dachte: Wow, mit einem Kleinkind jetzt einen Job zu suchen, ist einfach nur mega schwierig.

Was hat sich für euch privat und in eurer Beziehung geändert?

Juliane: Man hat zwar noch die gleichen Interessen und Charaktereigenschaften, aber man ist vom Grundgerüst ein völlig anderer Mensch. An erster Stelle ist man immer Mutter und danach kommt im besten Fall der Vater, dann vielleicht noch der Rest der Familie und irgendwann kommt man selbst. Es ist also nicht mehr so, dass man sich selbst als die oberste Priorität sieht. Das ändert natürlich auch das ganze Tun, Denken, Sehen und Handeln – und demzufolge auch die Lebenseinstellung.

„Bin ich auf Arbeit, denke ich, ich werde meinem Kind nicht gerecht. Bin ich bei meinem Kind, denke ich, ich bin eine schlechte Arbeitnehmerin.“ Annika, 39 Jahre, alleinerziehend

Und ja, auch die Beziehung muss sich komplett neu einspielen. Wenn man sonst so eine locker-flockige Beziehung geführt hat und man sich plötzlich um Sachen kümmern muss wie „Wer wechselt die blöde Durchfall-Windel und wer geht einkaufen und wer kocht?“ Aber man weiß ja, für wen man das macht, denn man hat dieses süße Etwas vor sich. 

Steffi: Wer meinen Alltagsablauf kennt, reagiert meist mit einem überraschten „Wahnsinn, wie machst du das alles?“ Die Antwort ist: Ich weiß es nicht und ich habe auch keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Das fasst vermutlich das Zeitkorsett, in dem ich mich als alleinerziehende, berufstätige Mama bewege, ganz gut zusammen. Nichtsdestotrotz habe ich mir irgendwann im Rahmen dieses Alltags-Taktes das Ziel gesetzt, mich zu fokussieren: In den Momenten, in denen ich arbeite, steht der Job im Fokus und das schlechte Gewissen hat keinen Platz; in den Momenten, in denen ich mit meiner Tochter unterwegs bin, sind Job-To-Dos ausgeblendet.

„Man sieht sich selbst nicht mehr als Priorität. Aber man weiß ja, für wen man das macht, denn man hat dieses süße Etwas vor sich.“ Juliane, 28 Jahre, in einer Beziehung

Annika: Was mich so fasziniert, ist, was Frauen alles machen können. Wir müssen immer Mutter sein, wir dürfen nicht krank werden, die Mutter kümmert sich um alle. Ein wahres Powerhouse! Ich weiß gar nicht, wann ich mich das letzte Mal sexy oder attraktiv gefühlt habe – ich sehe mich so gar nicht mehr. Ich sehe mich einfach als Mama. Ich bin Single und das wird wahrscheinlich die nächsten Jahre so sein. Denn wenn ich irgendwann mal den Moment habe, wo ich ein bisschen Zeit hätte zu daten, dann würde ich diese Zeit lieber für mich selber nutzen und einfach mal kurz….

Juliane: …nichts tun! (Gelächter)

Habt ihr das Gefühl, ihr bekommt genug Unterstützung oder seid ihr komplett auf euch allein gestellt?

Annika: Meine Eltern wohnen leider nicht in Berlin, ich mache daher alles allein. Deswegen sage ich auch immer: die Arbeit ist die einzige Zeit, die ich nicht mit meinem Kind teile. Ich will diese Zeit sinnvoll verbringen und produktiv sein, denn es soll sich lohnen, dass ich nicht bei meinem Schatz bin. 

„Eine Mutter ist ein wahres Powerhouse!“ Annika

Juliane: Mein Freund unterstützt mich. Doch es ist natürlich so, dass er die Arbeiterposition eingenommen hat und mehr Stunden arbeitet. Er bringt meine Tochter morgens in die Kita; das nimmt er mir ab, damit ich früher arbeiten gehen kann und den Nachmittag für sie habe. 

Wünscht ihr euch von eurem Arbeitgeber mehr Entgegenkommen? Wie beurteilt ihr die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland?

Annika: Ich habe ganze sechs Monate gebraucht, um eine Kita zu finden. Wenn mittlere und größere Unternehmen, die viele Mitarbeiter mit Kindern haben, eine eigene Kita hätten, das wäre ein Traum! Das würde soviel Stress reduzieren, man könnte länger im Büro bleiben, zwischendurch sein Kind sehen.

Mein Tagesablauf sieht so aus: Ich verlasse das Haus um 7.20 Uhr, bin bei meiner Tagesmutter um 8.20 Uhr und fahre dann nochmal 40 Minuten zur Arbeit – dabei geht so viel Zeit verloren und das ist nur der Hinweg. Das ist verschwendete Zeit, während der man arbeiten könnte. 

Steffi: Nachholbedarf besteht meines Erachtens nach nicht nur bei den Unternehmen, ihre Arbeitsmodelle familienfreundlich zu gestalten. Er besteht in erster Linie auch bei den Betreuungsinstitutionen. Ich meine: Schön, wenn mir ein Unternehmen einen Arbeitsplatz geben möchte – aber, wenn ich keine arbeitszeitkompatible Betreuung für mein Kind habe, kann ich den eben nicht annehmen. Da muss einiges getan werden!

„Wir Frauen müssen wirklich dafür kämpfen, dass wir nicht übersehen werden, wenn wir Mütter sind.“ Annika

Habt ihr mal drüber nachgedacht, in Vollzeit zu arbeiten und euer Kind tagsüber länger abzugeben? Reicht die Teilzeit-Stelle aus, um euch finanziell über Wasser zu halten?

Annika: Ich arbeite momentan tatsächlich Vollzeit. Ich verlasse die Arbeit um 16 Uhr, aber hänge die Zeit abends noch ran, wenn mein Sohn schläft. Meine Wohnung ist so teuer, dass ich mir Teilzeit nicht leisten könnte. Ich würde gerne Teilzeit arbeiten, aber die Frage ist auch: Wird man dann nur noch als „halbe“ Arbeitskraft gesehen und nicht mehr ernst genommen? Oder arbeitet man dann wirklich Teilzeit? Oder eigentlich Vollzeit mit einem Teilzeit-Gehalt? Wir Frauen müssen wirklich dafür kämpfen, dass wir nicht übersehen werden, wenn wir Mütter sind.

Juliane: Ich arbeite Teilzeit. Das ist nur möglich, weil mein Freund Vollzeit arbeitet. Alleine könnte ich mir das wie Annika auch nicht leisten. Bis meine Tochter drei oder vier ist, werde ich in Teilzeit bleiben, danach kann ich mir vorstellen, aufzustocken. 

Viele Frauen machen sich erst im Zuge einer Schwangerschaft langfristig Gedanken um ihre finanzielle Zukunft. Wie war das bei euch? Welche Schritte habt ihr unternommen, um für euch und euer Kind finanziell vorzusorgen?

Juliane: Wir haben tatsächlich ein Sparkonto bei meiner Sparkasse angelegt. Mein Partner und ich überweisen jeweils 20 Euro auf das Sparkonto – das ist nicht viel, aber wenn man das hochrechnet auf 18 Jahre, kann unsere Tochter sich schon was leisten. Was meine eigene Altersvorsorge angeht, bin hingegen sehr naiv – ich bin froh, dass ich eine Haftpflichtversicherung habe. (lacht)

Ich weiß aber, dass ich das ändern muss, weil das Thema finanzielle Unabhängigkeit einfach zu wichtig ist. Ich will im Alter gut abgesichert sein – ohne mich zu sehr auf meinen Partner zu verlassen. Wir sind sehr glücklich, aber manchmal weiß man ja nie, wie das Leben so spielt. Und ich will ja auch auf keinen Fall, dass meine kleine Theresa später für mich sorgen muss. 

Annika: Da stimme ich dir voll und ganz zu! Finanzielle Absicherung für später ist definitiv ein Thema, mit dem ich mich befassen muss – vor allem, weil ich immer häufiger von anderen Mamas daran erinnert werde, wie wichtig es ist. Der Renten Gap ist ja bekannt, d.h., wir Mädels bekommen weniger Rente als Männer. Klar, dagegen muss man unbedingt was tun. Trotz Kindergeld hat man natürlich Mehrausgaben als Mama. Ich versuche so gut es geht, etwas zur Seite zu legen, aber es ist sehr schwer. Ich überlege, ob ich langsam anfangen sollte zu riestern oder in Fonds zu investieren.  

Steffi: Ich auch! Eigentlich bräuchte man jemanden, der sich mit einem hinsetzt und sagt, so das sind deine Optionen. Um ehrlich zu sein: Für Vorsorge hatte ich während und nach der Schwangerschaft keinen Kopf – ich musste erst einmal mit dem Mutter werden selbst klar kommen. Irgendwann kam allerdings der Wunsch auf, mich endlich irgendwo niederzulassen und nicht mehr als freie Grafikerin zu arbeiten. Denn ein Angestelltenverhältnis bietet Sicherheiten, nach denen ich mich plötzlich gesehnt habe. 

„Was ich ganz bestimmt weiß: Das Jobleben kann nach einer babybedingten Pause weitergehen.“ Steffi

Welche Tipps hast du für werdende Mütter, die trotz Kindern ihre Karriere nicht aus dem Blick verlieren wollen?

Juliane: Am besten frühzeitig damit beginnen, sich mit der finanziellen Absicherung im Alter zu beschäftigen. Auch wenn es für viele Mamis gedanklich noch so weit weg ist. Doch je eher man damit anfängt, sich mit den verschiedensten Methoden zur Altersvorsorge zu beschäftigen, umso lohnenswerter ist es am Ende. Ich bereue es sehr, dass ich das Thema so vor mir herschiebe.

Was die Jobsuche angeht, würde ich empfehlen, sich auch auf Vollzeitstellen zu bewerben. Denn häufig gibt es tatsächlich ein Entgegenkommen der Firmen, wenn man das Teilzeit-Modell vorschlägt. Manchmal muss man Unternehmen einfach auch selber aufwecken, nach dem Motto „Hey, es kann auch jemand kommen, der ein bisschen weniger arbeitet, aber dafür effektiver ist als andere.“ Außerdem: vor Vertragsunterzeichnung mit dem Arbeitgeber klären, ob man von zu Hause arbeiten kann oder unbezahlten Urlaub nehmen darf, falls die Kita mal geschlossen hat.

Steffi: Was ich ganz bestimmt weiß: Das Jobleben kann nach einer babybedingten Pause weitergehen. Wenn ich anderen Müttern etwas raten möchte, dann ist es, sich selbst und die eigenen (Karriere-)Ziele bloß nicht zu vergessen, nur weil man über eine gewisse Zeit ausschließlich über Windeln, Nestbau, Geburtsverletzungen, Milcheinschuss und zahnenden Nachwuchs nachdenkt. Finanziell unabhängig zu sein, zu wissen, dass man später gut im Alter leben kann und niemand für einen sorgen muss, ist ganz, ganz zentral für das eigene Selbstbewusstsein. 

Annika: Kitas und Arbeitsplätze sollten definitiv stärker miteinander verwoben werden. Das sind leider immer noch zwei völlig verschiedene Welten, die keinen Kontakt miteinander haben. Mein Finanztipp: Liebe nicht über Geschenke definieren. Neue Klamotten und Spielzeuge brauchen Kinder in den ersten Jahren noch gar nicht. Das ist noch die Zeit, in der man sparen und Geld zurücklegen kann. 

Vielen Dank für dieses ehrliche Gespräch! 

Geht es dir vielleicht auch so wie unseren drei Frauen und du fühlst dich manchmal überfordert, was deine finanzielle Situation betrifft? Du willst sparen und für dein Alter vorsorgen, weißt aber nicht so genau wie? Dann lass dich hier umfassend zum Thema finanzielle Unabhängigkeit und Absicherung im Alter beraten.

*Anmerkung der Redaktion: Alle Frauen bevorzugten es, anonym zu bleiben. Daher wurden ihre Namen von der Redaktion geändert.