Es ist 2019

Warum reden wir eigentlich noch von “Online-Dating”?

Leyla, die Freundin unserer Autorin Miriam, hat ihre große Liebe Jakob in einer Bar kennengelernt. Miriam macht darauf aufmerksam, dass es diese Art der Kennenlerngeschichte immer seltener gibt – und warum man daher das Wort „Online-Dating“ ein für allemal offline nehmen sollte!

Als meine Freundin Leyla bemerkte, wie Jakob beim minutenlangen Studieren der Cocktail-Karte etwas verloren wirkte, gab sie ihm spontan Entscheidungshilfe und bestellte ihm einen Mezcal Sour. Sie diskutierten anschließend lebhaft, in welchem öffentlichen Verkehrsmittel mehr Freaks unterwegs sind (er: U-Bahn, sie: S-Bahn) und tauschten ihre Nummern aus. Was vor ein paar Jahren noch eine normale Kennenlerngeschichte war, ist 2019 fast so etwas wie eine Rarität. Denn ganz ehrlich, wie oft hört ihr noch von solchen Szenarien, die ganz ohne die Hilfe von Dating-Apps ablaufen?

Tatsächlich gehören meine Freunde Leyla und Jakob zu einer vom Aussterben bedrohten Gattung im weltweiten Dating-Dschungel. Laut Statista nutzen weltweit 361 Millionen Menschen eine der inzwischen 8.000 erhältlichen Apps, in den kommenden vier Jahren wird diese Zahl auf 397,8 Millionen Menschen ansteigen. Vorreiter sind die USA: Schon mehr als 90 Prozent der 54,4 Millionen amerikanischen Singles verabredet sich regelmäßig „online“ zu Dates.

Klar, selbst einem überzeugten Single wie mir könnte es passieren, in der Bahn oder auf der Straße neue interessante Leute zu treffen. Aber zu Tindern erleichtert es, mit Menschen in Kontakt zu treten. Ich bevorzuge es daher, in einer ruhigen Minute auf Tinder nach Leuten zu suchen, die zuvor einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Liebe technophobe Romantiker, es wird Zeit für einen Reality Check: Die Welt ist online. Dating auch.

Es ist zwar 2019, aber dennoch reden wir von „Online-Dating“, als wäre es eine obskure Sub-Kategorie von „normalem“ Dating – wenn es eigentlich genau anders herum ist. Liebe technophobe Romantiker, es wird Zeit für einen Reality Check: Die Welt ist online. Dating auch. Hört auf, es „Online-Dating“ zu nennen, als würde es einen Unterschied machen.

Wir reden mittlerweile ja auch nicht mehr davon „online“ zu arbeiten, „online” Musik zu hören oder „online” Geld zu überweisen, nur weil wir dafür mit dem WLAN verbunden sind. Wir machen es einfach. Ohne mit meinem (abgebrochenen) Germanistikstudium angeben zu wollen: Wenn Verabredungen für Dates (ob off- oder online) im Jahr 2019 eine Internetverbindung voraussetzen, wird der Begriff „Online-Dating“ zu einem sogenannten Pleonasmus, definiert als „Wortreichtum ohne Bedeutungsgewinn“. So wie „kaltes Eis“, „runde Kugel“ oder „nasser Regen.“

Der Begriff „Online-Dating“ ist unsinnig. Er impliziert, meine Dates würden online stattfinden. Dabei geht es darum, echte Menschen an echten Orten zu treffen.

Wenn wir schon mal dabei sind, Wörter auf die Goldwaage zu legen, macht der unsägliche Begriff auch aus einem weiteren Grund keinen Sinn. Denn er impliziert, meine Dates würden online stattfinden, wenn lediglich die Kontaktaufnahme per Internet erfolgt.

Tindern heißt ja eben nicht, mich in einen Prinzessin-Avatar zu verwandeln und in einer virtuellen Welt von einem muskelbepackten Ritter gerettet zu werden, der in Wirklichkeit ein übergewichtiger Rentner ist. Stattdessen geht es darum, echte Menschen an echten Orten zu treffen und echte Erfahrungen zu machen.

Historisch betrachtet befindet sich Dating im stetigen Wandel: Im Mittelalter mussten sich Bewerber mit einer Harfe unter den Balkon ihrer Angebeteten stellen; im puritanischen Neuengland wurde potenzielle Partner vollständig bekleidet nebeneinander ins Bettzeug eingenäht; in den 90ern wurde in sogenannten „Diskotheken“ mit cheesy One-Linern um sich geworfen. Heute gibt es zum Glück Dating-Apps, mit denen man wesentlicher leichter Leute kennenlernen und dabei sein Single-Leben trotzdem in vollen Zügen genießen kann.

Frühmorgendliches Nachtbaden im See … gibt es was Besseres?

Hatern, die diese neue Art von Dating mit dem Präfix „Online“ in Verruf bringen wollen, nehme ich inzwischen jedoch schnell den Wind aus den Segeln. Ich verweise sie einfach auf meine besten Tinder-Dates aus den vergangenen Monaten, bei denen ich mein Smartphone ausgeschaltet oder gar nicht dabei hatte: frühmorgendliches Nachtbaden im See, ein gemeinsam gelaufener Halbmarathon oder der Besuch von „La Traviata“ in der Mailänder Scala. Es ist 2019, Leute. Höchste Zeit also, den ewiggestrigen Begriff „Online-Dating“ ein für alle Mal offline zu nehmen.

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Die Inhalte auf dieser Seite wurden von der Redaktion der Ströer Media BRAND VOICE in Zusammenarbeit mit Tinder erstellt.