ADS- der Kampf um Aufmerksamkeit

ADS- der Kampf um Aufmerksamkeit

Gut, Hannes hat sie
verlassen. Das ist schlimm. Aber es ist jetzt fünf Monate her. Und trotzdem
führt Annas Beziehungs-Aus seitdem unangefochten die Gesprächsthemen-Hitparade
an. Da können weder mein neuer Job, noch meine Schilderungen, der letzten Partynacht
mithalten. Sie schaffen es mit Mühe und Not in die Top Ten,  jedoch grade mal als One-Hit-Wonder.
Superstar Hannes verdrängt mich und meine Nichtigkeiten regelmäßig auf die
hinteren Plätze.
Mittlerweile kenne ich
jedes nervenaufreibende Detail der letzten Beziehungsphase, die exakte
Formulierung des Schlussmachens und kann Hannes´ Pro -und –Contra –Liste
rückwärts flöten. Ich finde es schön, wie schier endlos ihr Vertrauen in mich
als ihre Freundin zu sein scheint, aber muss der Redeschwall deshalb genauso
endlos lang dauern? Ich frage mich wie es
meinem Kopf überhaupt noch möglich ist die Schallwellen zu empfangen,
schließlich kaut sie mir schon seit Monaten mindestens ein Ohr ab. Erstaunlich
wie belastbar so ein Ohr ist. Mir reicht es aber langsam.
Denn leider ist die
unendliche Hannes-Geschichte nicht das einzige Thema mit dem sie mir die „Show“
stiehlt. Das ewige Jammern über den bösen Chef, das dicke Minus auf dem Konto,
andere Themen kommen gar nicht aufs Tapet, erst recht nicht meine. Da liegt die
Vermutung nahe, dass sie ihren Gesprächsstoff grundsätzlich über meinen stellt.
Nur weil ich bei ihr nicht zu Wort komme, heißt das nicht, dass ich nix zu
erzählen hätte. Ich habe nur keine Lust sie ständig mit der Nase drauf zu
stoßen, dass ich auch ein Leben habe. Und gelegentliches Interesse daran würde
unserer Freundschaft bestimmt gut tun.
Das Zauberwort in
Beziehungen zu anderen Menschen heißt Empathie. Zentrale Ereignisse sollten in
einer Freundschaft zwar miteinander geteilt werden, aber eben auf der Basis des
Gebens und Nehmens. Schließlich interessiert mich was bei ihr los ist, aber wer
wird schon gern als persönlicher Kummerkasten ausgenutzt? Bei so viel Egoismus
reißt irgendwann jeder noch so fest geknüppelte Geduldsfaden.
Jetzt liegt es natürlich
an mir meine persönliche Hemmschwelle zu überschreiten und Anna offen die
Wahrheit zu sagen. Gestern sitze ich ihr in unserem Lieblingscafé gegenüber,
jede eine dampfende Tasse Schoko-Cappuccino vor der Nase. Tiefer Seufzer.
Gerade als sie sich anschickt mir ihre Beziehungskiste zum
ich-weiß-nicht-wievielten-Mal zu erläutern, hole ich tief Luft und schütte ihr
mein Herz aus. Ich sage ihr wie sehr es mich verletzt, dass sie scheinbar kein
Interesse an meinen Neuigkeiten hat. Dass ich ernsthafte Probleme schon gar
nicht mehr anspreche, weil ich das Gefühl habe, dass es sie sowieso nicht
interessiert.
Sichtlich geknickt stellt
sie die Tasse ab und sieht mich an. „Es tut mir so furchtbar leid!“ Ihrer
Entschuldigung folgen Erklärungsversuche. Sie sagt, dass ich die einzige Person
sei mit der sie über die wirklich wichtigen Themen sprechen kann, dass sie bei
mir immer das Gefühl hätte ich verstehe sie und nehme sie ernst und dass sie
darüber wohl vergessen habe, dass der Redestein gerecht herumgereicht werden
sollte. Dann rutscht sie mit dem Bistro-Stuhl näher an mich heran und nimmt
mich ganz fest in den Arm. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet!
Verblüfft umarme ich zurück. Ein in sich verschlungenes Freundschafts-Knäuel,
das nichts so leicht auseinander bringt. Spontan verabreden wir uns für den
morgigen Yoga-Kurs, das lenkt sie ab und bringt uns beiden neuen
Gesprächsstoff. Wir zahlen und beschließen noch gemeinsam nach Hause zu laufen.
Zwei Straßen weiter schaut sie mich an und fragt „Wie geht’s dir eigentlich?“.

 


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