Aus Freund mach Lover?
Mareen am 19.03.2008
Freund haben Spaß zusammen

Der beste Freund – oder der ideale Partner?

Ich war schon immer gern unter Jungs. Mit sechs Jahren habe ich draußen mit ihnen Räuber und Gendarm gespielt, Bretterbuden gebaut und Regenwürmer gesammelt. In der Schule habe ich Mutproben mitgemacht und die Jungs beim Wettlauf geschlagen. Mit fünfzehn hing ich mit ihnen nachmittags auf dem Schulhof rum, bin geskatet und habe Körbe geworfen. Damals haben Markus und ich uns kennen gelernt.

Markus ist zwei Jahre älter, groß und dunkelhaarig. Eigentlich genau mein Typ. Allerdings hat es zwischen uns nie geknistert. Markus ist eher so was wie der große Bruder, den ich mir immer gewünscht habe. Einer, der dich vor den Jungs in der Schule beschützt, dir später lästige Verehrer vom Hals hält und dir dann seine coolen, älteren Freunde vorstellt, denen er natürlich einbläut, die Finger von seiner kleinen Schwester zu lassen. So jemand.
Markus und ich sind also gewissermaßen zusammen groß geworden. Als Regina ihm damals das Herz gebrochen hat, war ich da um ihn zu trösten. Wir sind mit der Clique nach Mallorca geflogen und haben zusammen fürs Abi gepaukt. Heute ist er mein engster Vertrauter. Wir können über alles sprechen, haben immer noch die gleichen Hobbys und lieben es ins Kino zu gehen und den Film danach genüsslich auseinander zu analysieren.

Es ist ein ganz normaler Donnerstagabend. Markus hat mal wieder Liebeskummer wegen eines Mädchens, dass ihn so was von nicht verdient hatte und um ihn ein wenig abzulenken, schlage ich also vor, dass wir uns im Metropolis treffen. Um viertel nach acht ist Markus immer noch nicht da. Ich beschließe, uns schon mal Popcorn und Cola zu bestellen, als Markus wilder Lockenkopf plötzlich in der Menge vor mir auftaucht: „Entschuldige, hast Du sehr lange gewartet?“ „Nee, ist schon okay.“ Mir entgeht nicht, wie gut ihm sein Out-of-bed-Look steht. Ich schiebe den Gedanken beiseite und mich selbst zwischen dem Menschengewirr in der Eingangshalle hindurch Richtung Saal Nummer sieben. Der Film wird mir diese Flausen aus dem Kopf treiben. Bereits Minuten später befinden wir uns mitten in der Wüste Mexikos und sehen einem psychopathischen Killer dabei zu, wie er für ein paar Scheinchen, eine halbe Stadt auslöscht. 90 Minuten und ein gutes Dutzend blutrünstiger Morde später taumeln wir benommen aus der Dunkelheit des Kinos. Wir beschließen noch etwas trinken zu gehen. Wie immer eigentlich.

Markus ergattert für uns einen freien Platz auf der Eckcouch und wir machen es uns bei einem Bier und Loungemusik in unserer Lieblingskneipe gemütlich. Wir reden über den Film, Zimtzicken und Mistkerle: über Gott und die Welt eben. Markus erzählt mir von seinem Pech mit den Frauen. Wie anstrengend es doch ist, sich immer wieder aufs Neue kennen zu lernen. Man verknallt sich, geht ins Kino, essen, tanzen, kauft Blumen und schraubt ihre Billy-Regale zusammen, um dann schließlich festzustellen, dass man eben doch nicht zusammen passt. Und dann? Dann geht das elende Spiel wieder von vorne los. „Warum kann mir keine Frau begegnen, die so ist wie du?“ Ich verschlucke mich fast an meinen Gratis-Erdnüssen und sage, so ruhig wie es nur geht: „Ist doch klar! Weil es mich eben nur einmal gibt!“ Doch Markus lässt nicht locker: „Hast Du denn niemals daran gedacht, dass das mit uns…na, dass daraus mehr werden könnte?“
Ich bin verwirrt. Eigentlich ist es doch gar keine schlechte Idee: Wir verstehen uns wortlos, vertrauen uns blind und finden uns beide sexuell anziehend. Warum sollten wir es nicht einfach miteinander versuchen? Die Antwort ist so klar wie ernüchternd: Weil dabei einfach zu viel auf dem Spiel steht! Man muss sich schon sehr sicher sein, um dieses Risiko einzugehen. Das Risiko, dass man an der Liebe scheitert und dann auch keinen besten Freund mehr hat, der einen tröstend in den Arm nimmt. Deshalb kann man eben nicht mit derselben Leichtigkeit an die Sache gehen, wie man das mit einem Nicht-Freund kann.

Wir haben noch lange über unsere Gefühle füreinander geredet und beschlossen, dass alles gut so ist, wie es ist. Kuscheln, küssen, Sex, um zu schauen, ob es funktioniert: all das war uns zu hoch gepokert. Wir wollten unsere Freundschaft nicht für ein Experiment aufs Spiel setzen.

Ich denke oft an diesen Donnerstagabend vor vier Jahren zurück. Er hätte der Anfang von etwas Großartigem sein können. Er hätte unsere Freundschaft aber auch beenden können. Leider kann man das vorher nie wissen.

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