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Gewalt

Schlagende Frauen - keine Seltenheit

Schlagende Frauen - keine Seltenheit

Gewalt in der Beziehung? Da sind die Rollen klar verteilt, der Mann schlägt, die Frau steckt ein und kuscht. Aber so einfach ist das keineswegs. Englische Forscher haben herausgefunden, dass schlagende Frauen gar nicht so selten sind. In Beziehungen sind Frauen demnach häufiger aggressiv als Männer. Wie es aussieht, sind wir tatsächlich öfter Täter als Opfer.

In einer repräsentativen Studie der University of Cumbria wurden mehr als 1000 junge Männer und Frauen zu ihren Gewalterlebnissen in Beziehungen befragt. Demnach verhalten sich Frauen häufiger aggressiv in Beziehungen als ihre Partner und setzen Gewalt gezielt ein, um ihren Partner zu kontrollieren.

Gewalt geht häufiger als man denkt von Frauen aus.
Gewalt in der Beziehung geht häufiger als man denkt von Frauen aus.

Der Studie zufolge bedrohten Frauen ihren Partner häufiger als umgekehrt. Außerdem war die körperliche Gewalt von Frauen gegenüber Männern offenbar auch stärker ausgeprägt als anders herum. Dabei handele es sich nicht nur um Schubsen, sondern um Prügel, Tritte und Drohungen, eine Waffe zu nutzen. Frauen beißen, schlagen, treten, werfen mit Vasen oder nehmen andere Geräte zur Hilfe.

Schon häufiger kamen Studien zu ähnlichen Ergebnissen, zuletzt 2013 vom Robert Koch-Institut: Demnach hatte jeder zwanzigste in den vergangenen 12 Monaten körperliche Gewaltopfererfahrungen. Frauen waren signifikant häufiger Täterinnen im häuslichen Bereich, also in Partnerschaft und Familie.

Man schlägt keine Mädchen! Und Jungs?

Die allgemein verbreitete Auffassung steht zu den Studienergebnissen über schlagende Frauen im krassen Gegensatz: Schon im Kindergarten wird Jungs eingetrichtert, niemals ein Mädchen zu schlagen, Mädchen wird das in der Regel nicht gesagt. Gewalt gegen Männer ist immer noch ein Tabuthema. Dementsprechend gibt es auch Gewaltschutzprogramme nur für Frauen. Spezielle Beratungsangebote für Männer, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, sind selten. Bundesweit gibt es vielleicht eine Handvoll solcher Beratungsangebote. Und mehr als 400 Frauenhäusern stehen nur drei Männerhäuser gegenüber.

Gewalt aus Frauenhand wird geduldet; Frauen, die in der Öffentlichkeit Gewalt gegenüber Männern anwenden, werden häufig sogar gefeiert – die typische Ohrfeige zum Beispiel ist ein Zeichen, dass sich die Frau gegen die Dominanz zur Wehr setzt – also nur reaktiv handelt – und sich vom Mann nicht alles gefallen lässt. Umgekehrt hätte das juristische Konsequenzen und würde in einem Aufschrei enden - natürlich zurecht.

Schambesetzt: Von der Frau geschlagen

Männer scheuen, Gewalt durch Frauen anzuzeigen und sich Hilfe zu suchen, sie fühlen sich gedemütigt.
Männer scheuen, Gewalt durch Frauen anzuzeigen und sich Hilfe zu suchen, sie fühlen sich gedemütigt.

Häufig ist auch die Polizei unsicher, wie mit weiblicher Gewalt im häuslichen Umfeld umzugehen sei. Nicht selten überlassen die Polizisten betroffene Paare sich selbst, in der Hoffnung, man werde das schon unter sich ausmachen – umgekehrt undenkbar. Gerade Männer scheuen sich Taten anzuzeigen und sich Hilfe zu suchen – der Begriff „Opfer“ ist immer noch schambesetzt. Wird ein Mann von einer Frau geschlagen, gilt er als gedemütigter Schwächling.

Mit dem Thema weiblicher Gewalt wird zögerlich umgegangen, auch aus der Befürchtung vieler Beratungsstellen, dass Zahlen und Fakten aus dem Zusammenhang gerissen und männliche Gewalt gerechtfertigt oder verharmlost wird. Fest steht, dass Frauen immer noch sehr viel öfter Opfer von häuslicher Gewalt sind, in rund 10 Prozent der Fälle sind Männer die Gebeutelten.

Bildquelle:iStock/Sergey Peterman, iStock/lolostock

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