Helena Serbentam 01.03.2018

Der Begriff „Friendzone“ stammt eigentlich aus der Popkultur. Du kennst ihn vielleicht aus Serien wie Friends, How I Met Your Mother, Big Bang Theory und gewisserweise auch bei Game of Thrones: Ein Mann steht auf eine Frau, die ihn aber nur als platonischen Freund sieht. Die Frau gilt als „herzlos“, der Mann soll dieses „Hindernis“ überwinden und sie dennoch für sich gewinnen. Im Zuge von #metoo muss ich sagen: Friendzone ist ein Unwort, das suggeriert, Frauen würden Männern Sex schulden.

Wir alle kennen diese Memes. Ob es Obama ist, der um „alle Bros in der Friendzone“ trauert. Oder Daenerys Targaryen, die mit Jorah Mormont „Super Best Friends“ sein will. Wie kann sie nur. Frauen, die Freundschaft bei Männern suchen, auch wenn sie ahnen sollten, dass er auf sie steht, halten ihn laut der Popkultur in der „Friendzone“ gefangen.

Sogar Wikipedia widmet diesem Phänomen der Internetmoral einen Artikel und beschreibt es als einseitige, sexuelle Zuneigung in einer platonischen Beziehung. Hat ein Mann immer noch mehr Anrecht auf die Erfüllung seiner Wünsche als eine Frau auf sexuelle Selbstbestimmung? Diese Einstellung ist für mich das pure Grauen.

Kompliment sichert keinen Sex

Der Ansatz ist folgender: Der Mann tut etwas Nettes. Er macht der Frau, die er gut findet, zum Beispiel ein Kompliment. Die Frau freut sich und denkt: „Netter Mensch. Ich mag nette Menschen. Ich möchte mit ihm befreundet sein.“ Er, der aber sexuelles Interesse hat, ist beleidigt, weil sie mit ihm „nur befreundet“ sein will.

Welches Verständnis habt ihr von Freundschaft?

Alles geht wieder zurück auf die Frage: Können Männer und Frauen miteinander befreundet sein? Eine sarkastische Antwort liefert der Spruch: „Ich als bisexueller Mensch habe keine Freunde.“ Nur weil die sexuelle Orientierung kompatibel ist (ich steh auf dich als Mann oder als Frau), müssen wir nicht sexuelles Interesse aneinander haben. Also ja, heterosexuelle Männer und Frauen können auch Freunde sein. Und wenn wir uns sexuell nicht anziehend finden, aber uns ganz sympathisch sind (gleiche Hobbys, politische Ansichten oder selber Lieblingssportverein), steht einer Freundschaft nichts im Wege. Es sei denn, eine Person fühlt sich davon degradiert. Einige meiner engsten Freunde sind männlich und ich schätze sie sehr. Unsere Freundschaft hat ein sicheres und angenehmes Fundament: Wir sind in keinster Weise an mehr interessiert.

Dinge, die Du nie für einen Mann tun solltest

Wir schulden euch nichts

Ich möchte es mal ganz grob zusammenfassen: Liebe Männer, wir Frauen schulden euch nichts. Keinen Sex, keinen Kuss, nichts. Egal, in welcher zwischenmenschlichen Beziehung wir uns befinden. Wenn ein Mann mit der gegenwärtigen Situation in einer Beziehung zu einer Frau unglücklich ist, sollte er diese beenden. Ansonsten hat er sein Anrecht auf Beschwerde verspielt. Und wer glaubt, dass reine Freundschaft eine Bestrafung sei, hat dieses wertvolle Geschenk der Zwischenmenschlichkeit nicht verdient.

Meine Kollegin ist übrigens anderer Meinung als ich: Sie findet es besser, wenn Paare vorher befreundet waren!

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Alles außer „Ja“ heißt „Nein“

In der Google-Suche tauchen unfassbar viele Anleitungen auf, um sich aus der Friendzone zu befreien. Für mich bedeutet das schlicht: Sie hat kein Interesse, hat in einer Form sogar „Nein“ gesagt, aber er kann es nicht hinnehmen, weil es seinen Stolz verletzt. Also soll er lernen, sie zu manipulieren, damit er sie doch ins Bett bekommt.

Was ist das denn bitte für eine Botschaft? Diese Denkweise mauert auf dem Grundsatz, dass Frauen wie Kreuzworträtsel sind: Vielleicht etwas kompliziert, aber dennoch zu knacken. Hier suchen Männer nach einem Patenrezept, um „Nein“ außer Kraft zu setzen. „Nein“ ist aber alles, was uns schützt. Eine Art Puffer, die unsere Wohlfühlzone vor Eingriffen abschirmt. In diese einzugreifen ist der erste Schritt unsere sexuelle Integrität anzugreifen. Davor schrecken auch Magazine wie Men’s Health nicht zurück. Aber auch Frauenmagazine sind nicht frei von Schuld.

Lass uns echte Freunde sein

Unterdrückungsmuster werden in der Sprache manifestiert. Mit dem Ausstoß der „Friendzone“ machen wir einen ersten Schritt die sexuelle Erwartungshaltung aus einer zwischenmenschlichen Beziehung zu verbannen. Freundschaft ist etwas Wunderbares. Lernt, sie wertzuschätzen. Ich bin davon überzeugt, dass wir ohne die Friendzone alle bessere Freundinnen und Freunde sein könne. Was hältst du von der Friendzone? Lass es mich doch in den Kommentaren wissen.

Bildquelle:

iStock/Getty Images Plus/leremy


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Was denkst du?

  • Christina Tobias am 05.03.2018 um 09:25 Uhr

    Sehr schöner Artikel! Ich stimme dir absolut zu. Ich selbst habe schon seit über 10 Jahren einen besten Freund, der auf meiner Hochzeit auch mein Trauzeuge war. Zwischen uns war (und ist) immer klar, dass wir Freunde sind - und er würde nie auf die Idee kommen, mir vorzuwerfen, dass in all den Jahren nie was zwischen uns gelaufen ist. Die Idee der "Friendzone", die Frauen als "herzlos" hinstellt, wenn sie sich für eine Freundschaft mit einem Kerl entscheidet, obwohl er vielleicht mehr will, finde ich mehr als fragwürdig. Schließlich darf doch jeder selbst entscheiden, wen er liebt und wen nicht.

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