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Wie viel "Wir" veträgt eine Beziehung?

Beziehung

Wie viel "Wir" veträgt eine Beziehung?

Eine Beziehung, die eng und belastbar ist, der niemand etwas anhaben kann – das bedeutet für viele das größte Glück. In der intimen Zweisamkeit richten sich vor allem Frischverliebte gerne so bequem ein, dass sie sich auch nach der ersten großen Verliebtheits-Phase kaum aus ihrem schützenden Kokon begeben.

Glückliches Paar
Für viele der Traum von einer Beziehung:man macht alles gemeinsam, es herrscht per-fekte Harmonie. Aber kann das auf Dauerfunktionieren?

Zu behaglich ist es doch in der Beziehungsroutine geworden: man hat sich daran gewöhnt, den eigenen Alltag nach dem Terminkalender des anderen zu planen, entwickelt gemeinsame Rituale und Gewohnheiten. Man mag die gleichen Gerichte gerne, teilt den gleichen Freundeskreis und vielleicht sogar politische Ansichten. Soweit ist gegen eine gewisse Routine, die ja schließlich auch ein Zeichen großer Vertrautheit und Verbundenheit darstellt, nichts einzuwenden – wenn da nicht irgendwann die quälende Frage wäre: Bin ich denn in dieser Beziehung eigentlich noch ich selbst? Bleibe ich jeden Freitag gemütlich mit meinem Schatz auf dem Sofa, weil es mir gefällt und weil mir der Sinn nach einem ruhigen Abend steht – oder weil wir das nun mal immer so tun? Wenn man diese Frage nicht mehr aus voller Überzeugung beantworten kann, wenn man nicht mehr weiß, was man eigentlich aus freien Stücken tut und was man schlicht aus Gewohnheit oder Anpassung an den anderen tut – dann ist es Zeit, das brüchig gewordene Beziehungsmodell auf den Prüfstand zu stellen. Wie viel „Wir“ verträgt unsere Beziehung eigentlich noch und wie viel mehr „Ich“ brauche ich, um wirklich glücklich und vor allem: Ich selbst zu sein?

Ego-Trip oder notwendige Abgrenzung?

Irgendwie ist in uns doch diese Vorstellung von einer perfekten Beziehung verankert, in der man sich blind versteht, in der man mühelos harmoniert und alles füreinander geben würde. Aber ist dieses Modell überhaupt tragbar? Kann man mit Haut und Haaren für seinen Partner da sein und gleichzeitig dafür sorgen, sich selbst nicht ganz zu verlieren? Es geht – allerdings muss man bereit sein, seine romantische Vorstellung einer selbstlosen Partnerschaft kritisch zu überdenken und sich einzugestehen, dass man eigene Bedürfnisse hat und diese durchaus auch mal „egoistisch“ verfolgen sollte. Vor allem aber muss man verstehen, dass ein bisschen gesunder Egoismus einer Beziehung nicht schadet, sondern im Gegenteil: notwendig ist.

Was will ich, was will er, was wollen wir?

Diese Fragen scheinen auf den ersten Blick banal, sind aber oft gar nicht so leicht zu beantworten, wie es zunächst scheint. Denn wenn man schon lange zusammen ist, verschwimmen häufig die Grenzen zwischen den eigenen Wünschen und denen des anderen. Um sich ein Bild darüber zu verschaffen, wie viel vom eigenen Ich noch übrig ist, kann es hilfreich sein, einmal über den Tellerrand der Beziehung hinauszuschauen und die anderen zu befragen: die beste Freundin, die Eltern, die Geschwister. Wie sehen sie die Beziehung? Sehen sie ein enges Gespann aus zwei starken Individuen mit eigenen Ansichten, eigenen Wünschen und Vorstellungen oder nur noch das Doppelpack, das stets in der Wir-Form spricht? Sieht die beste Freundin in einem noch die gleiche Person wie vorher oder hat die Beziehung einen verändert? Nimmt man sich noch immer genauso viel Zeit für die Menschen, die einem wichtig sind? Das alles sind Fragen, die man sich stellen und vor allem ehrlich beantworten sollte. Wenn man feststellt, dass das eigene Ich im warmen Nest der Zweisamkeit ins Hintertreffen geraten ist, wird es Zeit, gegenzulenken.

Freiräume schaffen – Grenzen setzen

Damit die Routine in einer Beziehung nicht zur Falle wird, müssen sich beide ihr eigenes „Reich“ schaffen. Das heißt nicht, dass man keine Kompromisse mehr machen sollte – man sollte sich nur öfter Zeit nehmen, etwas alleine zu machen. Wieder einmal die beste Freundin treffen, mit Kommilitonen am Wochenende weg gehen, auch wenn der Freund keine Lust hat, mitzukommen, kurz: eigene Entscheidungen treffen und sich nicht von denen des Partners abhängig machen. Der Freund möchte lieber einen ruhigen Abend zu Hause verbringen, aber Dich zieht es auf die Piste? Dann sollte das nicht in eine Entweder-oder-Diskussion ausarten – wer sagt, dass man alles gemeinsam machen muss? In Wahrheit ist der vermeintliche „Ego-Trip“ erst das Geheimnis einer funktionierenden Beziehung. Denn wenn der andere einen auch einmal gehen lässt, kommt man nur umso lieber wieder zu ihm zurück und genießt die gemeinsame Zeit umso mehr. Vor allem spürt man auf diese Weise, dass man auch eine eigenständige Person ist und das eigene Lebensglück nicht ausschließlich von der Beziehung abhängt. Wer sein eigenes Netzwerk pflegt, Freundschaften aufrechterhält und sich eigene Hobbys und Gewohnheiten auch in der Beziehung bewahrt, hat beste Chancen auf eine glückliche Beziehung – denn dazu gehören schließlich immer zwei. Zwei starke Persönlichkeiten mit eigenen Bedürfnissen.

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