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Warum heiraten?

Die Institution der Ehe

Die Institution der Ehe

„Bis dass der Tod euch scheidet“ – ein Satz, dessen Erwähnung noch vor 50 Jahren für die Versorgung der Frau unabdingbar war, gerät heutzutage zunehmend aus der Mode. Die Institution der Ehe verliert für immer mehr Paare an Bedeutung. Viele Menschen sind auch ohne Trauschein glücklich, es wird ja ohnehin fast jede zweite Ehe geschieden. Warum also überhaupt noch heiraten? Ist ja schließlich irgendwie nicht mehr zeitgemäß – oder etwa doch? Wird die Ehe in der Zukunft noch eine Rolle spielen oder ist sie ein Auslaufmodell?

Die Ehe als Familienform – egal ob zivil oder kirchlich geschlossen – ist in Deutschland rückläufig. Fast jede dritte Familie lebt nicht mehr nach dem klassischen Modell, sondern zieht es vor, unverheiratet zu bleiben. Doch der Wunsch nach einem unmissverständlichen Liebesbekenntnis, nach einem gegenseitigen „Ja, ich will“ scheint immer noch groß zu sein – auch im 21. Jahrhundert.

Für einen Großteil der jungen Menschen ist die Ehe durchaus zeitgemäß
Eine repräsentative Umfrage des Magazins „Reader`s Digest“ aus dem Jahr 2011 ergab, dass stolze 71 Prozent der Deutschen ein Leben mit Trauschein befürworten und die Ehe demnach durchaus als zeitgemäß zu verstehen ist. Und obwohl fast jede zweite Ehe geschieden wird, scheint das Hochzeitsgeschäft zu boomen. Wenn schon heiraten – dann richtig, denken sich wohl viele Brautpaare. Und somit widmen sich nicht nur etliche Zeitschriften dem Thema Hochzeit, sondern auch Fernsehsendungen, wie „Vier Hochzeiten und eine Traumreise“ oder der Vorgänger „Frank – der Weddingplaner“. Entgegen der weitläufigen Annahme, dass nur Spießer vor den Traualtar treten, gehört eine Ehe also offenbar auch heute noch zum guten Ton. Sie ist für viele Paare ein bedeutsamer Schritt auf ihrem gemeinsamen Lebensweg.

Die Ehe: früher und heute

Eine Hochzeit aus Liebe – das war vor einigen Jahrzehnten oft noch eine utopische Vorstellung. Denn die Ehe wurde ursprünglich als eine Institution geschaffen, die der Organisation der Gesellschaft dienen sollte. Sie war ein Mittel zum Zweck, um legitime Nachkommen hervorzubringen – denn uneheliche Kinder hatten keinerlei Erbrechte – und um die nicht berufstätige Frau finanziell abzusichern. Bis vor 50 Jahren heirateten zwar noch ungefähr doppelt so viele Menschen wie heute, doch eine Vielzahl der früheren Ehen ließen sich mit Sicherheit als „Vernunftehen“ bezeichnen, bei denen nicht unbedingt die Liebe zweier Menschen im Vordergrund stand. Doch die meisten Frauen hatten in der damaligen Zeit keine Wahl: Sie verdienten kein eigenes Geld und mussten sich einen Mann suchen, der für sie sorgt. Mit der Hochzeit waren sie zwar abgesichert, aber nicht frei. Der Mann verfügte über die Konten, durfte über die Berufstätigkeit entscheiden und auf der Erfüllung der ehelichen Pflichten beharren – die Vergewaltigung in der Ehe ist in Deutschland erst seit 1997 strafbar. Eigentlich lief es bis ins 20. Jahrhundert hinein mit der Ehe genau wie im Mittelalter: Die Frau ging aus der Vormundschaft des Vaters direkt in die des Ehemannes über. Dieser durfte dann über sie verfügen wie über einen Gegenstand. Wen wundert es da, dass das Ansehen der Ehe in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gesunken ist? Veraltete Rollenmodelle passen einfach nicht mehr ins moderne 21. Jahrhundert, in dem sich die Lebensbedingungen der Menschen so sehr verändert haben. Heute verdienen Frauen ihr eigenes Geld, vereinen erfolgreich Kinder und Karriere und brauchen und wollen keinen männlichen Alleinversorger mehr. Wenn sie sich zu einer Ehe entscheiden, dann aus Liebe – und nicht aufgrund von wirtschaftlichen Faktoren.

Die Ehe als Krönung der Liebe

Vielleicht ist die Tatsache, dass die Ehe heutzutage kein Muss mehr, sondern ein freiwilliger Akt der Liebe ist, gerade der Grund dafür, dass ungefähr die Hälfte aller Singles zwischen 18 und 29 Jahren unbedingt heiraten wollen. Der Trauschein ist für die meisten Paare die Krönung ihrer Liebe – und irgendwie auch ein Schritt der Selbstverständlichkeit. Verliebt, Verlobt, Verheiratet – So läuft es eben, wenn man lange zusammen ist. Die Frage „Warum heiraten?“ würden sie wohl mit einer Gegenfrage beantworten „Warum nicht?“ Auch wenn die Globalisierung mit ihrem Zwang zur Mobilität und Flexibilität dazu geführt hat, dass es schwerer ist, den richtigen Partner zu finden – und ihn zu halten – hat sie gleichzeitig die Sehnsucht danach verstärkt. Wenn man den oder die Richtige(n) gefunden hat, dann will man auch Nägel mit Köpfen machen und dies am besten mit einem rauschenden Hochzeitsfest feiern. Viele Paare sparen extra lange, um sich eine aufwendige, oftmals von Profis organisierte Sause leisten zu können. Nicht die Ehe allein ist das Ziel, es geht um das Gesamtpaket! Zur Hochzeit gehören etliche Events dazu, wie der Junggesell(inn)enabschied und der Polterabend. Ob ein so großer Aufwand eine Ehe allerdings haltbarer macht, das sei mal dahingestellt.

Und wenn die Ehe doch nicht hält?

Natürlich sind mit einer Eheschließung auch rechtliche Konsequenzen verbunden. Eine Trennung ist nicht mehr so einfach wie vorher – eine Scheidung kostet Geld und bedeutet jede Menge Papierkram. Dennoch wird heutzutage fast jede zweite Ehe geschieden. Wie kommt das? Sind es Paare, die blauäugig geheiratet haben, weil sie nur den spaßigen Teil im Blick hatten? Viele Menschen vergessen nämlich, dass mit der Ehe, wie mit der Partnerschaft im Allgemeinen, große Erwartungen verknüpft sind. Man hat sich einander versprochen, von jetzt an für immer zusammenzubleiben – „sich zu lieben und zu ehren, bis dass der Tod uns scheidet“. Doch es kann keinesfalls erwartet werden, dass dies für jeden Tag unseres Lebens möglich ist. Unerfüllte Erwartungen sind daher bestimmt ein häufiger Grund für Ehedramen und hässliche Scheidungen. „Unsere Ehe ist gescheitert“ ist ein Satz, der sich dramatisch anhört. Dabei meint er doch eigentlich nur, dass zwei Menschen nicht mehr glücklich miteinander sind und nun getrennte Wege gehen. Immerhin haben sie es probiert.

Ob die Ehe ein Auslaufmodell ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer Kinder, gesellschaftliche Anerkennung und wirtschaftliche Sicherheit will, braucht dafür heute keinen Trauschein mehr. Wer sich jedoch zu einem Menschen bekennen will, zeigen möchte, dass man für immer zusammengehört, für den ist die Ehe sicherlich eine gute Entscheidung. Das Schöne ist: Heutzutage haben wir die Wahl. Wir sind nicht gezwungen, einen Mann, den wir kaum kennen, aus Vernunft zu heiraten, nur um finanziell abgesichert zu sein. Auch bei unserem Nachwuchs ist es egal, ob er innerhalb einer Ehe geboren wird, oder unehelich aufwächst – sie haben die gleichen Rechte. Die Ehe wird zunehmend von anderen, freien Formen des Zusammenlebens verdrängt und ist kein absolutes Muss in einer Beziehung mehr. Wer sich dennoch dazu entschließt, beweist, dass er den Glauben an die ewige Liebe noch nicht verloren hat.

Bildquelle: iStock/manifeesto

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