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Helena Serbentam 12.04.2018

Viele junge Frauen werden sich im folgenden Satz wahrscheinlich schon wiederfinden: Sex, der nicht schmerzhaft ist, ist guter Sex. Das ist traurig, denn es zeigt, dass wir auf dem Level der Sexualität noch nicht gleichberechtigt sind — und zu viel gefallen wollen.

Viele Frauen halten mit Schmerzen verbundenen Sex für selbstverständlich. Daher empfinden sie Sex, der ihnen körperlich nicht wehtut, schon als gut. Dabei wird die tatsächliche Befriedigung der Lust verdrängt. Die Journalistin Peggy Orenstein hat mehrere Gespräche mit amerikanischen College Studentinnen geführt und diese Fragebögen ausfüllen lassen, wie sie bei Ted berichtete. Dabei stellte sie fest: 30 Prozent der befragten jungen Frauen gaben an, regelmäßig Schmerzen beim Sex zu empfinden. Natürlich bemerken sie jedoch, dass ihre Sexualpartner sich regelmäßig nach Geschlechtsverkehr sehnen und diesen erfüllend finden. So wird Sex, der schmerzlos ist und den Partner befriedigt (was der leichtere Teil ist) offenbar schnell als „herausragend” und „gut“ bewertet. Grob gesagt: Frauen geben sich damit zufrieden, nicht befriedigt zu werden, solange es nicht wehtut.

Viele Frauen leiden unter Schmerzen beim Sex und haben daher geringe Ansprüche an sexuelle Erfüllung.

Viele Frauen leiden unter Schmerzen beim Sex und haben daher geringe Ansprüche an sexuelle Erfüllung.

Jungs haben Spaß, aber Mädchen werden schwanger

Die Ursache für diese Geringschätzung der eigenen Sexualität liegt laut Orenstein in der frühkindlichen Erziehung. Es sind denkbare Kleinigkeiten mit großer Wirkung: Bei einem Jungen wird jedes Sexualorgan, also auch der Penis und die Hoden, benannt. Der Intimbereich bei Mädchen wird sprachlich ausgespart. Später, in der Pubertät, werden Mädchen besonders die negativen Aspekte der Sexualität, beigebracht: Beginnend bei der Monatsblutung, Krankheiten, die besonders im Uterus schlimme Folgen haben, und natürlich die Möglichkeit einer Schwangerschaft. Jungs dagegen masturbieren sogar manchmal in der Gruppe, werden zu sexuellen Erfahrungen ermutigt und sollen sich die Hörner abstoßen. Sie wissen also schon früh, dass Sex Spaß machen kann und sollte – eine Information, die vielen Mädchen vorenthalten wird.

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Wenigsten er ist glücklich

Durch diese ausgeglichene Aufklärung stoßen bei heterosexuellen Neigungen nun zwei vollkommen verschieden geprägte Menschen aufeinander. Die Frau verspürt natürlich ebenfalls eine sexuelle Lust, doch sie hat (ganz extrem nach Orenstein formuliert) nicht gelernt, dass sie diese als positiv empfinden darf. Viele Frauen wissen nicht, wie sie einen Orgasmus durch Selbstbefriedigung erreichen können. Beim Sex mit einem Mann merken sie also nur, dass dieser genau weiß, was er machen muss, damit er selbst kommen kann. Sie lassen sich daher oft auch zum Sex überreden, wenn sie eigentlich keine Lust darauf haben, um ihren Partner glücklich zu machen. Frauen messen ihr Beziehungsglück an der Zufriedenheit ihres Partners und ist der sexuell ausgelastet, nehmen sie so auch oft schmerzhafte, sexuelle Erfahrungen hin.

Reden, auch wenn es peinlich ist

In diesen Fällen, in den Frauen also einfach nicht offen und ehrlich sagen können, was sie sexuell befriedigt, wird der Schmerz durch Kommunikationsfehler verursacht. Sex kann für Frauen eindeutig lustvoller sein, als einfach nur schmerzfrei. In jedem Fall ist wichtig, als Sexualpartner offen miteinander darüber zu reden, was uns gefällt und was nicht. Natürlich kann das erst mal peinlich sein, doch nur so wissen beide, was dem anderen wirklich gefällt.

Den ganzen Vortrag von Orenstein kannst du dir hier auf Englisch ansehen:

Trotz unserer so aufgeklärten Gesellschaft sind wir beim Sex immer noch nicht emanzipiert. Wenn du beim Sex auch Schmerzen haben solltest: Sprich deinen Partner sofort darauf an. Es ist nicht „ganz normal“ und kann möglicherweise auch ein Anzeichen von Krankheiten sein. Daher ist es wichtig, dem Signal deines Körper zu vertrauen, dass hier etwas nicht richtig funktioniert.

Bildquelle:

iStock/volkovslava, iStock/bee32


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