Intimer Kosename

Kann Muschi schnurren?

Kann Muschi schnurren?

Sprachlosigkeit beim Sex: Trotz des sexuellen Overloads in der heutigen Zeit verstummen so manche Weiblichkeiten, wenn es um die Bezeichnung ihres Intimbereichs geht. Es folgt Gekicher, Schamesröte steigt auf und wird begleitet von verschämtem Gestammel. Kein Wunder: Auf dem Streifzug durch die Sprachlandschaft findet man entweder Peinlichkeiten oder Beleidigungen. Gibt es überhaupt ein vernünftiges Wort für den weiblichen Intimbereich?

Tabuzone Intimbereich - Welches Wort passt?
Es herrscht Sprachlosigkeit, wenn es um den Intimbereich geht.

„Muuuschi!“, ruft die Oma quer durch den Vorgarten und beschert allen vorbeigehenden Frauen die Gesichtsfarbe einer reifen Tomate und den Männern ein verschmitztes Grinsen, dabei sucht die alte Dame doch bloß ihre Katze.
Das wohl bekannteste Wort für das „beste Stück“ der Frau ist, nun ja, einer Schmusekatze entlehnt. Die Assoziation ist klar: wohlig, warm, kuschelig, aber auch verspielt, zickig, kindisch. Beide, sowohl Katze, als auch Frau, sind mit der Bezeichnung allerdings nicht sehr gut bedient. Das Geschlechtsorgan der Frau bekommt eine niedlich – peinlich niedliche – Konnotation, während der unschuldigen Katze plötzlich ein vulgärer und schmuddeliger Charakterzug angehängt wird.
Wenn Muschi verwendet wird, dann immer mit einem ironischen oder schmuddeligen Unterton. Warum es dann überhaupt noch verwendet wird? Nun ja, weil es fast das einzige Wort ist, mit dem Frau ihren Intimbereich wertneutral bezeichnen kann.

Intime Wortspiele

Da wären wir auch schon beim Problem: Trotz einer 40 Jahre alten sexuellen Revolution der Frau gibt es anscheinend keine wirklich verwendbare Bezeichnung für das weibliche Geschlechtsorgan. Die vorhandenen Möglichkeiten sind entweder peinlich, beleidigend oder bieder. Selbst die Frauen scheinen nicht sehr erfinderisch zu sein. Fragt man bei Frau nämlich nach, kommt erstmal erwartungsgemäß ein verschämtes Kichern. Kreative Wortspiele machen da lieber die Männer und bescheren der Welt geistreiche Ergüsse wie die „Lustgrotte“.
Auf solch männliches Wortgulasch kann die Frauenwelt aber gut und gerne verzichten. Genauso auf Wörter wie Fotze, Möse oder Fut, die im heutigen Sprachgebrauch verwendet werden, aber einen sehr alten Ursprung haben.

Von Billigpornos, Gangstarslang und Pobacken

Fotze hat eine interessante Wortherkunft. Das Wort taucht bereits im 7. Jahrhundert auf und wurde entweder mit einem faulen, also unangenehmen Geruch in Verbindung gebracht oder mit den Pobacken. Die Bayern waren da schon fantasievoller. Wenn der bayerische Vater seinen Söhnen ein paar ordentliche „Fotzen“ gibt, ist damit nicht das gemeint, was die Leserin jetzt denkt, sondern ein paar ordentliche Ohrfeigen. Im Süddeutschen ist die Fotze nämlich ein altes Synonym für Mund. Lady Bitch Ray zum Beispiel, zeigt der Welt wie unglaublich emanzipiert sie ist und schreibt Fotze prinzipiell mit einem „V“, das die gespreizten Beine beim Geschlechtsverkehr symbolisieren soll. Wie dem auch sei, der Begriff Fotze ist zu vulgär, um ihn, ohne zu erröten, aussprechen zu können und ist hiermit aus der Liste der Möglichkeiten gestrichen.

Möse ist ebenfalls eine umgangssprachliche Bezeichnung für das weibliche Geschlechtsorgan und stammt vom altdeutschen „Mutz“ ab. Mutz bedeutet Mörser, das Haushaltsgerät, mit dem Körner zerstampft wurden. Die Doppeldeutigkeit ist klar: Ein Kolben (Penissymbol) der in ein offenes Gefäß (Scheidensymbol) "gestoßen" wird. Sehr interessant, was die historische Sprachwissenschaft so alles hergibt. Möse klingt allerdings irgendwie nach Billigporno. Genauso wie „Spalte“, das den Beleidigungsfaktor sogar noch weiter sprengt. Deswegen: weg damit.

In der guten alten Fut, findet man so allerhand Dinge – wenn man in die Tasche greift. „Fut“ ist nämlich ein ehemaliger Ausdruck für eine Tasche oder auch eine „alte, gammelige Tasche“. Auf jeden Fall beleidigend. Außerdem klingt Fut zu gangstermäßig, à la Bushido.

Peinliche Verniedlichungen und esoterische Ausflüge

Dann doch lieber von der Mumu sprechen? Wenn es um Sex geht, kramen so manche ihre kindliche Seite heraus und versuchen ihre Scham durch eine süße Kindersprache zu vertuschen. Peinlich ist dabei aber eigentlich nur das Wort. Die Schweizer sind übrigens große Meister darin, infantile Wörter für ihre Geschlechtsorgane zu erfinden. So wachsen viele Schweizer Mädchen mit dem Begriff „Schlitzerli“ auf – ach, wie süß.

Den Ausdruck Yoni kennen sicherlich nicht alle. Der Begriff stammt aus dem Hinduismus und ist bei der Tantra Massage gebräuchlich. Yoni ist bestimmt eine elegante Variante die primären Geschlechtsorgane zu benennen, ohne sie wirklich zu benennen. Klingt aber auch irgendwie sehr esoterisch: „Die schöpferische Energie vereint sich in der Verschmelzung von Yoni und Lingam“. Bei solchen Sätzen, läuft der männliche Partner auch gerne davon.

Allgemeine Sprachlosigkeit?

In der Endrunde bleiben noch zwei Joker: wenn man Penis sagen kann, warum dann nicht auch einfach Scheide oder noch besser: Vagina? Letzterer Begriff ist ebenso richtig, wie wertfrei. Die langen Vokale verleihen dem medizinischen Wort außerdem etwas Weiches und Angenehmes. Trotzdem bleibt ein kleiner Nachgeschmack: die Bezeichnung wird nicht sehr oft benutzt. Liegt es vielleicht daran, dass Frau sich allgemein dafür schämt, ihr Geschlechtsorgan zu benennen? Sogar unter Freundinnen bleibt es oft bei: „Na, da unten, du weißt schon…“.

Die Männer haben ihren Penis oder ihren Schwanz. Sollte es der Frauenwelt etwa verwehrt bleiben, für ihr eigenes Organ ein ädaquates Wort zu finden? Vielleicht müssen sie einfach nur üben.
So, und jetzt alle bitte laut und deutlich nachsprechen: VAGINA.

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