Disabled symbol on gray background
Juliane Timmam 13.01.2017

Sex ist die schönste Nebensache der Welt. Doch was wäre, wenn Du im Alltag bei jeder Bewegung auf andere Menschen angewiesen wärst – sogar im Bett? In Deutschland gibt es viele Menschen mit Behinderungen, die ihre Sexualität aufgrund ihrer körperlichen Einschränkungen nicht ausleben können. Deutsche Politiker diskutieren nun darüber, ob man diesen Menschen durch die Möglichkeit einer finanziellen Bezuschussung einer Sexualassistenz behilflich sein sollte.

Sollen Pflegebedürftige und Schwerkranke zukünftig Sex mit Prostituierten oder Sexualassistenten von Steuergeldern bezahlt bekommen? Elisabeth Scharfenberg, die pflegepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen äußerte sich zu diesem Thema in der „Welt am Sonntag“: „Eine Finanzierung für Sexualassistenz ist für mich vorstellbar“, erklärte Scharfenberg. „Die Kommune könnte über entsprechende Angebote vor Ort beraten und Zuschüsse gewähren.“

Sex auf Rezept

Kann es so etwas wie Sex auf Rezept geben? In den Niederlanden gibt es das bereits in einigen Kommunen. Dort wird ein Attest vom Arzt ausgestellt, wenn man nachweisen kann, dass man sich durch die Behinderung nicht ohne fremde Hilfe befriedigen kann und auch nicht die Kosten für die Dienste leisten kann. Ein komplexer Prozess, der genau geprüft wird.

Diese Hilfe ist nicht nur für Menschen, die in Pflegeheimen oder Altersheimen leben. Auch körperlich behinderte Menschen, ob jung oder alt, die in einer eigenen Wohnung leben und in einer Beziehung sind, brauchen beim Sex Hilfe von Assistenten.

„Einfach Katja“ klärt auf

Katja, eine junge Studentin aus Köln, selbst Rollstuhlfahrerin, nimmt in ihrem Blog über Inklusion kein Blatt vor den Mund. Sie erklärt dort, dass sie während ihrer Beziehung mit ihrem ehemaligen Verlobten Tim, der ebenfalls im Rollstuhl sitzt, Hilfe von bis zu zwei ausgebildeten Sexualassistenten brauchte. Ohne diese Dienstleister wäre es ihr nicht möglich gewesen, mit ihrem Partner intim zu werden.

Die Kosten für diesen Dienst musste sie selber tragen. Immerhin 360 Euro für zwei Stunden. Das verriet sie im Radiointerview mit dem Sender „1LIVE“. Ziemlich viel Geld für etwas körperliche Zuneigung von ihrem eigenen Partner. Dazu war es auch immer Sex nach Termin – in ihrem Fall dann auch noch zu dritt oder zu viert.

Für manche Menschen bestimmt eine ungewöhnliche Situation. Auch Katja kostete es viel Überwindung: „Sie bringen uns in die gewünschte Position. Übernehmen die rhythmischen Bewegungen“, erklärte Katja gegenüber dem Sender „Das sind all die Dinge, die ohne Assistenz nicht möglich sind.“ Trotzdem gehört auch für sie „Sex zu den schönsten Dingen im Leben.“

Die Beratungsstelle „Pro Familia“ versucht in Deutschland zu klären, ob es in einzelnen Fällen Ansprüche auf Finanzierung der Sexualassistenz durch die Krankenkassen, die Sozialhilfe- oder andere staatliche Leistungsträger geben kann.

Bildquelle: iStock/tacktack


Täglich kostenlose News zu Lifestyle, Liebe & mehr!

In zwei einfachen Schritten per WhatsApp auf dein Smartphone:

  • Klicke auf „Start“ und schicke in WhatsApp die Nachricht ab.
  • Speichere unbedingt unsere Nummer als „desired“, um den Newsletter zu erhalten!
Sorry, beim ermitteln der Kontaktnummer ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuche es später noch einmal.

Durch senden der WhatsApp stimme ich der Verarbeitung personenbezogener Daten zu.

Was denkst du?