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Humane Papillomviren: Die Facts

Humane Papillomviren: Die Facts

Immer wieder hört und liest man etwas über HPV und welche schlimmen Folgen dieses Virus haben kann. Doch was steckt eigentlich dahinter? Löst jeder HPV-Erreger gleich Gebärmutterhalskrebs aus oder sollten wir lieber mal ein bisschen Ruhe bewahren? Letzteres ist der Fall! Damit Du in Zukunft bei dem Wort HPV nicht gleich den Kopf verlierst, haben wir für Dich die Fakten dazu zusammengetragen.

HPV gehört zu den DNA-Viren
So sieht HPV unter dem Mikroskop aus

HPV steht für Humane Papillomviren, welche die häufigsten sexuell übertragenen Viren der Welt sind. Fast jeder Mensch infiziert sich im Laufe seines Lebens mit HPV, doch die meisten Infektionen sind harmlos und heilen unbemerkt aus. Bisher sind mehr als 120 Virustypen bekannt, von denen etwa 40 durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen werden, daraufhin die Geschlechtsorgane befallen (genitale humane Papillomviren) und dort die Entstehung von Feigwarzen (Kondylome) bewirken können.

Neben diesen sogenannten low-risk-HPV-Typen, die zu eher harmlosen Zellveränderungen wie Warzen (Papillome) führen, gibt es aber auch high-risk-HPV-Typen, welche bösartige Wucherungen der Schleimhäute auslösen können und maßgeblich an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt sind. HPV kann aber auch andere Krebsarten des Intimbereichs hervorrufen. Dazu zählen beispielsweise Krebserkrankungen der Vulva und des Anus. Zudem kann HPV beim Mann das Risiko eines Peniskarzinoms steigern. Daran wird klar, dass HPV nicht nur Frauen betrifft, sondern auch Männer sich vor einer Ansteckung schützen müssen.

Was macht HPV mit unserem Körper?

Die HPV-Viren gehören zu den DNA-Viren, d.h. dass sie ihre Erbinformationen auf einem DNA-Strang tragen, der aus den gleichen Grundbausteinen zusammengesetzt ist wie das menschliche Erbgut. Beim Menschen ist dieser Strang zum Schutz von schützenden Eiweißen, sogenannten Kapsiden, umgeben – den HPV-Viren fehlt diese Hülle. Deswegen ist er auf einen lebenden Wirt angewiesen, der, wie man im Namen durch das Wort „human“ in HPV bereits erkennen kann, in diesem Fall der Mensch ist. Hat man sich mit HPV angesteckt, zwingt das HPV-Erbgut die infizierten menschlichen Zellen dazu, laufend neue Viren zu produzieren. Irgendwann platzt die Wirtszelle auf, wodurch viele neue Viren freigesetzt werden und ihrerseits menschliche Zellen befallen können. Im schlimmsten Fall kann die menschliche DNA so verändert werden, dass es zu teilweise unkontrollierten Wucherungen der (Schleim-)Haut, also Krebs, kommt.

Wie oft tritt HPV auf?

HPV ist sehr weit verbreitet. Etwa 60 bis 80 Prozent aller sexuell aktiven Menschen stecken sich irgendwann mit HPV an – meist zwischen dem 15. und 24. Lebensjahr! Das Robert-Koch-Institut veröffentlichte im Februar 2014 eine Studie über die Häufigkeit des HPV-Virus bei nicht geimpften deutschen Frauen im Alter von 20 bis 25 Jahren. 40 Prozent hatten eine HPV-Infektion! Vom high-risk-HPV-Typ 16 waren fast 20 Prozent der Frauen betroffen und bei 17 Prozent wurde mehr als ein HPV-Typ gefunden.
Bei Frauen unter 30 Jahren liegt die Infektionsrate bei bis zu 25 Prozent, ab 30 beträgt sie immer noch 8 Prozent. Nach einer Ansteckung heilt die HPV-Infektion in der Regel innerhalb einiger Monate bis hin zu anderthalb Jahren ab. Wie bei jeder anderen Krankheit spielt auch hier die generelle Immunität der Frau eine wichtige Rolle – Raucherinnen haben dementsprechend ein höheres Risiko, sich mit HPV zu infizieren. Was die Häufigkeit von HPV bei Männern betrifft, weiß eine dänische Untersuchung mehr. Forscher der Universität Kopenhagen haben neun europäische Studien verglichen und kamen dabei auf gut zwölf Prozent. Allerdings zeigten die einzelnen Studien deutliche Unterschiede in ihren Ergebnissen.

Wie wird HPV übertragen?

Hauptübertragungswege des HPV-Virus ist Hautkontakt, vor allem aber sexuelle Kontakte (Vaginal-, Anal- und Oralverkehr) ohne Kondom – in diesem Fall spricht man von einer Geschlechtskrankheit. Weit seltener kommt es durch anderen intensiven Körperkontakt oder Schmierinfektion zu einer Übertragung. Letzteres bedeutet, dass HPV über die gemeinsame Benutzung von Sexspielzeug, Handtüchern, Trinkgläsern oder Zahnbürsten übertragen wird. Bereits kleinste Hautschuppen der infizierten Haut bzw. Schleimhaut sind ansteckend. Es kann bereits zu einer Übertragung des HPV-Virus kommen, wenn diese virushaltigen Hautschuppen auf winzige Verletzungen der Haut und Schleimhäute gelangen. Verletzungen durch eine Intimrasur oder Piercings begünstigen eine Infektion zusätzlich. Sogar Sperma kann ansteckend sein, wenn Feigwarzen in der Harnröhre des Mannes sitzen. Eine weitere Möglichkeit ist die Übertragung des HPV-Erregers von der Mutter auf das Kind während der Geburt. Weitaus seltener ist eine Ansteckung über gemeinsames Baden.

Welche Symptome zeigt HPV?

Es gibt zwei HPV-Impfstoffe
Eine Impfung schützt vor HPV

Die HPV-Infektion hat keinen klassischen Krankheitsverlauf. Zumeist bleibt sie unbemerkt und heilt innerhalb von sechs bis zwölf Monaten ohne Folgen ab. Daher ist das Virus nach einem Jahr bei 80 Prozent der HPV-Träger nicht mehr nachweisbar. Bei etwa 20 Prozent bleibt die Infektion jedoch bestehen. Auch dies muss nicht sofort bemerkt werden. Es dauert unter Umständen Wochen bis Monate (HPV-Inkubationszeit), bis es zu ersten Krankheitserscheinungen kommt, die sich auf der Haut als gewöhnliche Warzen zeigen. Falls diese sich nicht von selbst wieder zurückbilden, müssen die Erscheinungsbilder entfernt werden. Manche Infektionen bleiben dennoch bestehen. HPV-Viren steigern das Risiko einer Zellentartung und können auch noch Jahrzehnte nach der Ansteckung potentiell bösartige Gewebsveränderungen wie Gebärmutterhalskrebs verursachen. Dies hängt allerdings stark davon ab, um welchen HPV-Typus es sich handelt und an welcher Stelle dieser die Zellen befällt. Wird der Krebs frühzeitig erkannt und rechtzeitig behandelt, ist die Prognose besser als bei anderen Krebsarten. Beschränkt sich das Karzinom auf den Gebärmutterhals (Zervix), hat es zwar schon das dortige Gewebe zerstört, doch laut dem Tumorregister München leben mit dieser Diagnose und der richtigen Therapie nach fünf Jahren durchschnittlich noch 92 Prozent der erkrankten Frauen in Deutschland.

Wie schützt man sich vor HPV?

Wie bei allen anderen sexuell übertragbaren Krankheiten bieten Kondome und/oder Lecktücher einen gewissen Schutz vor einer HPV-Infektion. 100-prozentig schützt Safer Sex allerdings nicht, weil das Virus bereits durch Schmierinfektion übertragen werden kann. Aufgrund der hohen Verbreitung von HPV ist die Gefahr einer Ansteckung enorm hoch – deshalb gilt: Gehe regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung bei Deinem Frauenarzt! Nur so können die Auswirkungen einer Infektion frühzeitig erkannt und entsprechend therapiert werden! Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren sich vor ihrem ersten Geschlechtsverkehr impfen zu lassen. Sie folgt damit der Impfempfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, die der Meinung ist: Je früher geimpft wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Mädchen noch nicht mit den Viren infiziert hat.

Die HPV-Impfung bieten einen sicheren und wirksamen Schutz gegen die häufigsten HPV-Typen. In Europa sind derzeit zwei Impfstoffe verfügbar: „Cervarix®“ und „Gardasil®“. Beide wirken gegen HPV 16 und HPV 18. Gardasil® wirkt außerdem noch gegen die „Warzenerreger“ HPV 6 und HPV 11. Die Impfstoffe schützen vor den Hochrisiko-Viren, welche in 70 Prozent aller Fälle Gebärmutterhalskrebs verursachen. Sie werden innerhalb eines Jahres in zwei oder drei Teilimpfungen verabreicht. In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Kosten von etwa 500 Euro. Rein von der Zulassung her können auch ältere Frauen oder Jungen und Männer die Impfung mit dem Vierfachimpfstoff erhalten, sie müssen sie dann aber fast immer selbst zahlen. Da einige Krankenversicherungen Ausnahmen für Frauen bis 26 Jahre machen, lohnt sich die Nachfrage nach der Kostenübernahme direkt bei der Kasse. Trotz HPV-Impfung bleibt ein Restrisiko bestehen, da die Impfung nicht vor allen HPV-Viren des Hochrisiko-Typs schützen kann. Daher sollte die regelmäßige Krebsfrüherkennung ab dem 20. Lebensjahr auch für geimpfte Frauen Pflicht sein!

Humane Papillomviren sind weit verbreitet und können zu Krebs führen – müssen es aber nicht! Sollten bei der nächsten Kontrolluntersuchung HPV-Viren bei Dir nachgewiesen werden, solltest Du nicht gleich in Panik verfallen, denn in der Regel sind sie harmlos und verschwinden von selbst wieder. Auch die Feststellung eines high-risk-HPV-Typus bedeutet nicht zwangsläufig, dass Dir die Gebärmutter entnommen werden muss! Solange Du regelmäßig einmal im Jahr zur Vorsorgeuntersuchung gehst, sollte es keinen Grund zur Sorge geben.

Bildquelle: iStock/xrender; iStock/studio_77-28

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