Single-Dasein macht einsam
Nina Rölleram 02.11.2016

Neben Beziehungsratgebern findet man auch immer mehr Ratgeberliteratur, die Alleinstehende unter die Lupe nehmen. Oftmals geht es dabei darum, möglichst schnell wieder dem einsamen Single-Dasein zu entkommen. Doch sind Singles überhaupt einsam oder leben sie vielmehr bewusst alleine? Muss man sich um Singles Sorgen machen, die sich gerne mal zurückziehen, anstatt zu versuchen, einen neuen Partner zu finden? Ich stelle heute zur Diskussion, ob der soziale Rückzug ein ernsthaftes Problem für Singles ist oder, ob sich in der Realität nicht Menschen in Beziehungen viel eher zurückziehen.

Betrachtet man Ratgeber und Artikel, die sich mit dem Single-Dasein auseinandersetzen, fallen mir vor allem zwei Dinge auf: Besonders weibliche Singles werden gerne zu etwas verbitterten Personen stilisiert, die aus Frust und Enttäuschung alleine leben. Außerdem scheinen Paarbeziehungen gleichbedeutend mit einem erfüllten glücklichen Leben zu sein. Demnach wollen wohl Singles, die aus eigenem Entschluss alleine leben, die Armseligkeit ihres Lebens vielleicht einfach nicht wahrhaben. Allerdings scheint hier auch langsam ein gesellschaftlicher Wandel vonstattenzugehen: Die britische Soziologin Jan Macvarish weist darauf hin, dass sich die mediale Darstellung von Single-Frauen, vermehrt von unfreiwillig einsamen Frauen à la Bridget Jones hin, zu Frauen à la Lorelai Gilmore wandelt, die aus eigener Entscheidung heraus alleinstehend leben. Doch gibt es trotzdem Anzeichen, bei denen man sich Sorgen machen muss?

Single Dasein sozialer Rückzug

Wann handelt es sich um schmerzhafte Einsamkeit und wann um bewusstes Alleinesein wollen?

Wenn das Single-Dasein einsam macht

Single-Dasein vereinsamen

Alleinesein kann als Fluch und Segen wahrgenommen werden.

Es gibt solche und solche Singles: Die einen sind es vielleicht schon seit vielen Jahren und waren nie so recht der Beziehungstyp, andere haben sich gerade erst von einer Trennung erholt und genießen ihre neuen Freiheiten und andere stehen vielleicht plötzlich überraschend durch einen Todesfall alleine da. Nicht immer ist das Single-Dasein also eine bewusste Entscheidung, sondern einfach ein Schicksalsschlag, mit dem man sich irgendwie abfinden muss. Besonders Menschen, die bereits etwas älter sind oder nicht über den Verlust eines langjährigen Partners hinwegkommen, fühlen sich oft nicht danach, neue Menschen kennenzulernen. Das kann ein vorübergehender Zustand sein, aber sich auch zu der generellen Lebenseinstellung entwickeln, von nun an eben alleine zu sein. Nach einer frischen Trennung ist sozialer Rückzug erst einmal eine völlig nachvollziehbare Reaktion. Denn schließlich wird man, so sensibel Freunde und Familie auch sein mögen, oft schmerzlich an den Verlust erinnert.

Wer allerdings auf Dauer den Kontakt zu Freunden abbricht, die womöglich alle in Beziehungen sind, sollte sich fragen, warum dies der Fall ist. Als Single ab und an auf Paare neidisch zu sein, die sich offenbar sehr guttun, ist völlig okay. Wenn dieser Neid sich allerdings manifestiert und in Missgunst umschlägt, solltest Du Dich fragen, ob es wirklich besser ist, wenn Du diese Freunde meidest oder, ob Du Dich nicht besser durch offene Gespräche Deinen Gefühlen stellen solltest. So unvorstellbar es Dir vielleicht vorkommen mag: Man kann auch als einzige Single-Frau im Freundeskreis mit seinen Pärchenfreunden sehr schöne Abende verbringen, ohne ständig an die eigene Beziehungslosigkeit erinnert zu werden!

Ist es überhaupt bedenklich, wenn Singles sich zurückziehen?

glückliches Singledasein

Single zu sein kann auch eine bewusste Entscheidung sein.

Menschen, die sich zurückziehen, kaum Ausgehen und ihre Zeit lieber alleine zu Hause verbringen, werden von ihrem Umfeld oft mit großer Sorge betrachtet. Denn ist der Mensch nicht von Natur aus ein soziales Wesen, das sich nach Partnerschaft sehnt? Für die meisten trifft dies zwar zu, es gibt aber auch solche, die sich bewusst sowohl für ein Leben als Single, als auch für ein eher zurückgezogenes Leben entscheiden und damit sehr glücklich sind. Besonders Frauen, die sich gegen den Lebensentwurf Familie entscheiden, werden von der Gesellschaft kritisch beäugt. Zeugt es nicht von einem ausgeprägten Egoismus, nur für sich selbst zu sorgen? Nein, meint die Psychologin und Autorin des Buches „Die hohe Schule der Einsamkeit: Von der Kunst des Alleinseins”* Mariela Sartorius. Für manche sei das bewusste Alleineleben ein Lebensstil, der ihnen zu mehr Zufriedenheit und Selbstbewusstsein verhelfe – und das ganz ohne sich dabei einsam zu fühlen.

Wenn das Single-Dasein gesellig macht

Singles ziehen sich nicht zurück

Oftmals sind es Singles, die ein besonders reges Sozialleben haben.

Ich persönlich kann die Sorge um Singles, die sich angeblich sozial isolieren, nicht so ganz nachvollziehen. Denn in meinem Umfeld kann ich genau das Gegenteil beobachten: Freunde, die in Beziehungen sind, neigen viel eher dazu, sich auf ihren Partner zu fokussieren und auch mal zeitweise von der Bildfläche zu verschwinden. Manchmal verändern Beziehungen auch ehemals sehr gesellige Menschen in ziemlich langweilige Couch-Potatos, die lieber mit ihrem Partner ein ruhiges Wochenende verbringen, anstatt mal wieder mit zum Feiern zu kommen. Natürlich sind diese Menschen dann trotzdem in Gesellschaft, jedoch richten manche ihre komplette Aufmerksamkeit so sehr auf ihren Liebsten, dass sie Freunde oder das Knüpfen neuer Bekanntschaften vernachlässigen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich noch nie so viel Zeit mit meinen Freunden verbracht und neue Leute kennengelernt habe, wie in meiner Zeit als Single.

Denn oftmals macht man es sich innerhalb einer Paarbeziehung auch ein bisschen zu bequem und vernachlässigt soziale Kontakte außerhalb der Beziehung. Wenn sich dann beim Ausgehen schon am frühen Abend die Pärchenfreunde verabschieden, weil vielleicht der Freund müde ist und die Freundin ihn nach Hause begleiten muss, freut man sich doch manchmal auch ein paar abenteuerlustige Singlefreude mit am Start zu haben. Natürlich gibt es auch genügend Menschen in Paarbeziehungen, die sich ihre Sozialkompetenz bewahren. Wenn aber mal wieder auf den angeblich so zurückgezogenen Singles herumgehackt wird, sollte man nichts darauf geben, sich seines Single-Daseins erfreuen und ganz laut den Lassie-Singers-Song „Pärchenlüge” aufdrehen, in dem es überspitzt über Pärchen heißt: „Cocktails trinken, Kartoffelchips essen, Händchen halten und die Freunde vergessen”.

Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Ziehst Du Dich als Single zurück und fühlst Dich einsam? Nach einer Trennung ist dies völlig verständlich, aber auf keinen Fall solltest Du Dir weismachen lassen, dass Du zu dem Typ Frauen gehörst, die es schwer haben, Männer kennenzulernen.

Bildquelle: iStock/KatarzynaBialasiewicz, iStock/AntonioGuillem, iStock/Marjot, iStock/oneinchpunch, iStock/DeanDrobot

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