Wild Cards

George R. R. Martin: „Wild Cards – Das Spiel der Spiele“

George R. R. Martin: „Wild Cards – Das Spiel der Spiele“

Er schuf nicht nur die Buchvorlage für die erfolgreichste TV-Serie aller Zeiten, sondern arbeitet unentwegt an neuen Projekten und feilt an Ideen für packende Science-Fiction-Thriller: Bestseller-Autor George R. R. Martin. Nach der preisgekrönten Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer/Game of Thrones“ erscheint heute das Fantasyspektakel „Wild Cards – Das Spiel der Spiele“. Wir haben es gelesen und verraten Euch, ob sich der Gang in die Buchhandlung lohnt.

George R. R. Martin veröffentlicht einen neuen Roman
George R. R. Martin auf neuen Pfaden

Der amerikanische Schriftsteller, Drehbuchautor und Produzent George R. R. Martin ist spätestens seit der Veröffentlichung der Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ und der dazugehörigen TV-Saga „Game of Thrones“ nicht nur in der Fantasyszene allseits bekannt, der erste Band seiner bahnbrechenden Buchreihe verkaufte sich alleine in Deutschland über 3,5 Millionen Mal. Seitdem produziert George R. R. Martin in seinem Schreibstübchen Jahr für Jahr einen Weltbestseller nach dem anderen. Das amerikanische „Time Magazine“ kürte den Autor im Jahr 2005 sogar zum „amerikanischen Tolkien“ – in Anlehnung an jenen Autor, der die legendäre Fantasy-Trilogie „Der Herr der Ringe“ schuf. „Game of Thrones“ ist laut HBO die erfolgreichste Serie aller Zeiten. In der epischen Romanreihe, deren Originaltitel „Song of Ice and Fire“ lautet, entwirft George R. R. Martin eine Welt, die den Leser in eine düstere und mittelalterliche Zeit versetzt, in der Drachen, Hexen, Untote und jede Menge Intrigen das Schicksal der Menschen bestimmen. Auf dem steinigen Weg zu Macht und Ruhm ist den Protagonisten von „Game of Thrones“ jedes Mittel recht und wer einmal die Oberhand gewonnen hat, kann sie im Handumdrehen wieder verlieren. Daher der Titel „Game of Thrones“, der ins Deutsche übersetzt „Das Spiel der Throne“ bedeutet. Mit seinem neuen Roman beschreitet George R. R. Martin ähnliche Gefilde und geht vom „Spiel der Throne“ zum „Spiel der Spiele“ über.

„Wild Cards – Das Spiel der Spiele“: Das Schicksal mischt die Karten neu

Im neuen Science-Fiction-Thriller von George R. R. Martin „Wild Cards – Das Spiel der Spiele“ offenbart sich eine Welt, die in vielen Gegebenheiten unserer heutigen Zeit gleicht: TV-Castings und Reality-Shows sind an der Tagesordnung, Stars und Rockbands, die von ihren Fans begeistert gefeiert werden, regieren scheinbar die Welt. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Durch einen von Aliens auf die Erde gebrachten Virus ist ein Großteil der Menschheit kurz nach dem Zweiten Weltkrieg getötet worden. Hier liegt der erste Bezug des Buches zu seinem Titel: Die Karten des Schicksals werden neu gemischt. Die wenigen Menschen, die in dieser fiktiven Welt überlebt haben, sind zum Teil grässlich mutiert – die so genannten „Joker“. Nur einige Wenige der Überlebenden kamen mit Superkräften, aber ohne entstellende Mutationen davon – die so genannten „Asse“, die ihre Fähigkeiten im Laufe des Romans einsetzen, um für das Gute einzustehen und sich gegen den mächtigen Diktator „Dschinn“ zu behaupten, der in „Wild Cards“ das Böse verkörpert. George R. R. Martin hat diese Welt erschaffen und sie in „Wild Cards – Das Spiel der Spiele“ zusammen mit weniger bekannten Autoren wie Daniel Abraham oder Melinda M. Snodgrass mit Leben gefüllt. Dieses „Shared Universe“-Prinzip ist zwar nicht neu, aber immer wieder interessant. Ähnlich wie bei „Game of Thrones“ wird jedes Kapitel aus der Sicht eines anderen Charakters beschrieben. Allerdings fehlt es „Wild Cards“ an der Komplexität der legendären Romanreihe „Das Lied von Eis und Feuer“. So werden höchstens zwei oder drei verschiedene Handlungsstränge zur gleichen Zeit erzählt – bei „Game of Thrones“ sind es deutlich mehr.

George R. R. Martin und die Idee einer etwas anderen Welt

George R. R. Martin ist ein waschechter Bestsellerautor
George R. R. Martin kehrt zurück

Die Idee zu „Wild Cards“ kam George R. R. Martin bereits in den Achtziger Jahren. Damals wurde in englischer Sprache eine ganze Romanreihe veröffentlicht, die in der gleichen Welt spielte wie „Wild Cards – das Spiel der Spiele“. In der Neuveröffentlichung, die am 25. August 2014 in den Buchläden erscheint, wurde die Buchhandlung an das aktuelle Zeitgeschehen angepasst – so werden die Charaktere im Buch mit Problemen konfrontiert, die unsere moderne Welt mit sich bringt: Diskriminierung von Minderheiten, Oberflächlichkeit und Sensationssucht der Medien, aber auch die immer währende Frage: „Was macht einen wahren Helden aus?“. Dieser Frage müssen sich auch die Teilnehmer der Castingshow „American Hero“, in der die „Asse“ für Ruhm und Geld gegeneinander antreten, zu Beginn des Romans stellen. Sie werden in die vier Teams Kreuz, Pik, Karo und Herz eingeteilt und müssen sich in aufregenden Challenges vor dem TV-Publikum beweisen. Im Laufe der Handlung entdecken viele der „Asse“, wie sie ihre Fähigkeiten effektiv und (nicht immer) zu einem guten Zweck einsetzen können. Das Autorenteam um George R. R. Martin lässt Bündnisse entstehen, die sich ebenso schnell wieder auflösen wie die in „Game of Thrones“, es wird viel und teilweise spektakulär gekämpft, Bösewichte legen diejenigen mit guten Absichten auf intrigante Weise herein und zwischendurch stellt sich der Leser immer wieder die Frage: „Wer ist hier überhaupt gut und wer böse?“

George R. R. Martin stellt in „Wild Cards“ die Frage, die das Schicksal der Welt entscheidet

Die Fähigkeiten der Charaktere in „Wild Cards – Das Spiel der Spiele“ sind so vielfältig wie ihre persönlichen Eigenschaften: Da gibt es beispielsweise Jonathan Hive, genannt „Bugsy“, der sich in einen Wespenschwarm verwandeln kann, „Earth Witch“, die die Erde um sich herum mit ihren Gedanken verformen kann, „Rustbelt“, der jedes Metall, das er berührt, sofort rosten lässt, oder „Amazing Bubbles“, die Bewegungs- und Aufprallenergie in Körperfett umwandelt und dieses in Form von Blasen wieder loswerden kann, die sie auf ihre Gegner schießt. Klingt verrückt? Ist es auch! Zusammen mit anderen Assen bilden die mutigen Charaktere eine bunte Truppe aus mutierten Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, die in der ersten Hälfte des Buches in der Castingshow „American Hero“ gegeneinander antreten und schnell merken, dass sie eine Entscheidung treffen müssen: Wollen sie Ruhm, Geld und Macht? Oder wollen sie wahre Helden sein? Können Sie das Schicksal der Welt beeinflussen und die düstere Welt, in der sie leben, letztlich zum Besseren verändern? Unter der Führung des deutschen Asses „Lohengrin“, das eine unzerstörbare Ritterrüstung heraufbeschwören kann, beschließen die Kandidaten der Castingshow, sich mit ihren Superkräften in das Weltgeschehen einzumischen, und finden sich schließlich in einem unerbittlichen Kampf um Leben und Tod wieder.

„Wild Cards – Das Spiel der Spiele“ – Drehbuch schon in Arbeit

Angesichts des unglaublichen Erfolgs der „Game of Thrones“-Serie verwundert es nicht, dass die Arbeiten an einem Drehbuch für die Verfilmung von „Wild Cards“ schon begonnen haben. Syfy Films, die auch „Heureka“ und „Star Gate“ produziert haben, arbeiten derzeit daran, das neue George R. R. Martin-Universum auf die Leinwand zu bringen. Selbst wenn diese Serie nur halb so gut umgesetzt wird wie „Game of Thrones“, dürfte sie trotzdem mehr als sehenswert sein. Abgesehen von der Verfilmung von „Wild Cards“ sind momentan drei weitere Bände in Planung. Wenn George R. R. Martin etwas anpackt, dann eben richtig.

So vertrackt, skurril und intrigant sich die fiktive Welt der „Asse“ in „Wild Cards“ verhält, so spannend gestalten „Game of Thrones“-Schöpfer George R. R. Martin und seine Co-Autoren ihr neues Fantasyreich. In gewohnter Superheldenmanier, aber der völlig neuen Idee des „Kartenziehens“ ziehen die Science-Fiction-Profis ihren größten Trumpf: den Leser zu fesseln. Unser Fazit: Für eingefleischte George R. R. Martin-Fans ein Muss, für Sci-Fi-Fans empfohlen und für jede Leseratte mindestens eine Überlegung wert!

George R. R. Martin: Wild Cards - Das Spiel der Spiele
Penhaligon Verlag, broschiert, 544 Seiten, 15,00 Euro

Bildquelle Cover: © Blanvalet Verlag
Bildquelle Autor: © Parris

Was denkst Du?

Galerien

Lies auch

Teste dich