Mord in den Alpen

Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben

Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben

Regionalkrimis haben bereits seit Jahren Hochkonjunktur: Ob in den bayerischen Hochalpen oder im ostfriesischen Wattenmeer – überall wird fleißig gemordet und ermittelt. Aus dieser Masse an spannender Literatur ragt Jörg Maurer aufgrund seines großen Erfolgs bereits seit längerem heraus. Immerhin lässt er seinen Kommissar Hubertus Jennerwein nun schon zum siebten Mal in einem anonymen Kurort (der aber relativ leicht als Garmisch-Partenkirchen identifiziert werden kann) ermitteln. Auch in seinem neuesten Roman „Der Tod greift nicht daneben“ lässt Jörg Mauer seinen Helden wieder einmal tief in die oberbayerische Seele eintauchen – und fördert dabei viel Witz aber auch so manchen Schrecken zutage.

Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben
Jörg Maurer präsentiert seinen neuen Roman

Zwischen Weißbier, Leberkäsesemmeln und Schuhplattler hat sich wohl schon so mancher Bayern-Tourist gefragt, wie das stolze Volk im Süden Deutschlands wirklich tickt? Einer, der es wissen muss, ist Bestsellerautor Jörg Maurer. Schließlich wurde der Kabarettist nicht nur im oberbayerischen Wintersportmekka Garmisch-Partenkirchen geboren, sondern setzte dem weltbekannten Kurort und seinen Bewohner mit seiner Jennerwein-Reihe nun schon häufiger ein literarisches Denkmal. Mit „Der Tod greift nicht daneben“ schickt Jörg Maurer seinen Kommissar mittlerweile bereits zum siebten Mal in die dunklen Abgründe hinter der hochalpinen Postkartenidylle und bringt seinen Protagonisten dabei sogar selbst in akute Lebensgefahr.

Jörg Maurer: Ermittlung unter Nobelpreisträgern

Dass Jörg Maurer für seinen Ermittler Hubertus Jennerwein diesmal einen besonders abgründigen Fall auf Lager hat, zeigt sich bereits auf den ersten Seiten – schließlich kommt der Schwede Bertil Carlsson, seines Zeichens ehemaliges Mitglied des Nobelpreiskomitees für Medizin, auf höchst unschöne Art und Weise ums Leben: Bei der Gartenarbeit gerät der im Kurort bestens integrierte Zugezogene in den Häcksler und hat fortan mehr Ähnlichkeit mit einem typisch bayerischen Fleischpflanzerl als mit einem weltweit bekannten und geschätzten Mediziner. Was aber zunächst wie ein tragischer Unfall aussieht, entpuppt sich schnell als brutaler Mord – immerhin fehlt dem mühsam wieder zusammengesetzten Skelett Carlssons eine Hand. Handelt es sich um eine perfide Racheaktion eines nicht für den Nobelpreis nominierten Mediziners? Oder hat doch Carlssons Ehefrau Grit ihre Finger im Spiel, die schon kurz nach dem Vorfall das gemeinsame Haus verkauft und sich zuvor bereits mit einem einstigen Liebhaber getroffen hat? Und warum treibt sich auch noch ein zwielichtiger Rumäne im Ort herum? Schnell wird klar: Jörg Maurer verlangt Hubertus Jennerwein in seinem siebten Fall alles ab – denn der Mörder mordet weiter…

Jörg Maurer liefert keinen klassischen Krimi

Jörg Maurer legt seinen siebten Roman vor
Jörg Maurer ist zurück!

In seiner Brutalität erinnert der Fall, den Hubertus Jennerwein in „Der Tod greift nicht daneben“ lösen muss, an die Höhepunkte des Schwedenkrimi-Genres. Dass dann ausgerechnet auch noch ein Schwede das Zeitliche segnet, könnte eine der vielen mehr oder weniger versteckten Spielereien seien, die der Autor traditionell in seine Romane einbaut. Dennoch könnte ein Leser, der einen an jeder Stelle plausiblen und logischen Fall erwartet, nach der Lektüre des Werks ein wenig enttäuscht sein, denn einen ganz klassischen Kriminalroman bekommt man nicht geliefert. Vielmehr merkt man in jeder Zeile, dass Jörg Maurer von Haus aus als Kabarettist sein Brot verdient und dementsprechend eine ganz besondere Sicht auf die Welt – und insbesondere seine bayerischen Mitbürger – hat. So steht auch der siebte Jennerwein-Roman in der Tradition der gesamten Reihe und würzt die äußerst spannende Handlung mit reichlich schwarzem Humor. So muss sich nicht nur die Gerichtsmedizinerin mit einer hart gesottenen Truppe von Kleinganoven herumschlagen, die in ihrem Labor ihre Sozialstunden ableisten soll – und dabei ganz nebenbei höchst interessante Beiträge zur Auflösung des Falles liefert. Auch die liebevoll hinterwäldlerisch gezeichneten Bewohner des Kurorts kriegen einmal mehr ihr Fett weg: Insbesondere der eigentlich so kompetente Dorfpolizist Ostler, der nach seiner Beförderung zum Polizeihauptmeister äußerst penibel auf die korrekte Amtsbezeichnung achtet und selbst einen Oberpfälzer als Ausländer ansieht, sorgt für einige Lacher. Dennoch driftet Jörg Maurer auch in seinem siebten Streich nicht in bemühten Klamauk ab, sondern findet gekonnt die perfekte Balance zwischen liebevoller Karikatur und charmantem Wortwitz auf der einen Seite sowie einer aufregenden Kriminalhandlung auf der anderen Seite.

Jörg Maurer hält von der Gartenarbeit ab

Auch bei den Figuren des Romans bricht Jörg Maurer mit den gängigen Erwartungen der Krimiliebhaber: Während sich andere Schriftsteller stets darum bemühen, das bewährte Team in den Einsatz zu schicken und damit die lieb gewonnenen Charaktere wieder auftauchen zu lassen, schickt der Garmischer die Hälfte der Ermittler erst einmal auf wichtige Schulungen, lange geplante Fernreisen und langatmige Familienfeste in die westfälische Provinz. So muss Kommissar Jennerwein den Fall diesmal mit deutlich weniger Manpower lösen, was für den Plot jedoch auch einen gewichtigen Vorteil mit sich bringt: Da auf regelmäßige Schlenker in das Privatleben des Ermittlerteams größtenteils verzichtet wird, eignet sich „Der Tod greift nicht daneben“ auch als Einstiegsroman in die Serie, da die Kenntnis der Vorgängerromane nicht unbedingt nötig ist. Kurzum: Jörg Maurer hat einen lockeren Sommerkrimi für jedermann geschrieben, der den Leser ohne größere Umwege in das traumhafte Setting der bayerischen Alpen entführt. Dass die Gartenarbeit dabei auch mal liegen bleibt, ist durchaus gewollt – schließlich dürfte wohl jeder Leser seine Gartengeräte nach diesem Roman mit ganz anderen Augen sehen…

Jörg Maurer bleibt auch in seinem siebten Fall für Hubertus Jennerwein dem bewährten Erfolgsmodell treu und mischt einen spannenden Kriminalfall mit viel schwarzem Humor und kreativen Einfällen zu einer gelungenen Melange zusammen. Damit hat der Bestsellerautor den perfekten Roman für einige entspannte Stunden im heimischen Garten geschrieben – Häcksler, Rasenmäher und Co. sollten dabei allerdings besser ausgeschaltet bleiben. Die Nachbarn wird es freuen!


Jörg Maurer: Der Tod greift nicht daneben
Fischer / Scherz, broschiert, 448 Seiten, € 14,99

Bildquelle Cover: © S. Fischer Verlag GmbH
Bildquelle Autor: © Gaby Gerster

Was denkst Du?

Galerien

Lies auch

Teste dich