Jojo Moyes: Weit weg und ganz nah

Nicholas Sparks, Cecilia Ahern oder Helen Fielding – diese Namen fallen einem wohl als erstes ein, wenn man an die beliebtesten Autoren für abwechslungsreiche Frauenliteratur denkt. Mit ihren Bestsellern „Ein ganzes halbes Jahr“ und „Eine Handvoll Worte“ hat sich auch Jojo Moyes in diese Liga geschrieben. Doch steht die Britin zu Recht in dieser Reihe? Mit ihrem neuesten Werk „Weit weg und ganz nah“ tritt Jojo Moyes den Beweis an.

Jojo Moyes: Weit weg und ganz nah

Jojo Moyes lädt zum Träumen ein

Dass es manchmal ganz schnell gehen kann, hat Jojo Moyes in den letzten zwei Jahren gemerkt. Schließlich hatte die 44-Jährige schon einige Romane auf den Markt gebracht, als „Ein ganzes halbes Jahr“ durch die Decke ging und die Britin für viele Schmökerinnen aus Leidenschaft zur neuen Lieblingsautorin wurde. Nicht umsonst wurde das Buch mittlerweile in 31 Sprachen übersetzt und mit über 1,2 Millionen verkauften Exemplaren in Deutschland der meistverkaufte Roman 2013. Da liegt es auf der Hand, dass eine Hollywood-Verfilmung bereits in Planung ist. Bevor „Ein ganzes halbes Jahr“ jedoch die großen Kinoleinwände erobert, legt Jojo Moyes mit „Weit weg und ganz nah“ ein weiteres Werk vor, auf das ihre Leserschaft bereits sehnsüchtig gewartet hat. Doch kann der neue Roman die riesigen Erwartungen erfüllen?

Jojo Moyes startet einen furiosen Roadtrip

Um den Beweis anzutreten, dass „Ein ganzes halbes Jahr“ keine zufällige Eintagsfliege war, entwirft Jojo Moyes mit „Weit weg und ganz nah“ ein aufregendes Roadmovie, in dem natürlich auch das große Quäntchen Liebe nicht fehlen darf. So macht uns die Autorin mit der allein erziehenden Mutter Jess vertraut, die ihre beiden Kinder und den Familienhund mit gleich zwei Jobs als Putzfrau und Bedienung in einem Pub durchbringen muss, weil ihr Ex keinen Unterhalt zahlt. Doch obwohl Jess mit ganzem Herzen bei der Sache ist, kann sie ihren Kids nicht alles bieten. So ist ihre Tochter Tanzie zwar ein beispielloses Mathematik-Genie, doch für eine Ausbildung an einer besseren Schule reicht das Geld einfach nicht. Ein Wettbewerb in Schottland könnte für Tanzie die ganz große Chance sein, doch wie soll man dorthin kommen – so ganz ohne Bares in der Tasche. Glücklicherweise hält Jojo Moyes aber schon die Lösung bereit: Ein Bündel Geldscheine fällt Jess geradezu vor die Füße und ermöglicht die Reise zum Wettbewerb, obwohl Jess weiß, dass es nicht richtig ist, das Geld an sich zu nehmen. Mit ihren Kindern und dem Hund am Straßenrand wartet Jess auf eine Mitfahrgelegenheit Richtung Wettbewerb und steigt ausgerechnet zu Ed ins Auto, dem das ominöse Geldbündel eigentlich gehört. Eine amüsante Reise voller Verwicklungen nimmt damit ihren Anfang – und als wäre das noch nicht genug, bringt Jojo Moyes zu guter Letzt auch noch die Liebe ins Spiel…

Jojo Moyes schreibt keine Bücher von der Stange

Jojo Moyes beim Fotoshooting

Jojo Moyes ist zurück

Werden die vielen Fans, die sich Jojo Moyes mit ihren bisherigen Romanen erarbeitet hat, auch an „Weit weg und ganz nah“ wieder ihren Spaß haben oder droht die Britin ein One-Hit-Wonder zu werden? Diese Frage ist nach dem fulminanten Erfolg von „Ein ganzes halbes Jahr“ und „Eine Handvoll Worte“ sicherlich berechtigt, schließlich setzten sich die beiden Romane quasi aus dem Nichts an der Spitze der Bestsellerliste fest. Mit „Weit weg und ganz nah“ knüpft Jojo Moyes allerdings an den Stil der Vorgängerromane an, ohne lediglich ein weiteres Abziehbild derselben Geschichten vorzulegen. „‚Weit weg und ganz nah’ ist so anders als ‚Eine Handvoll Worte’, wie es überhaupt nur sein kann. Jeder, der meine Bücher kennt, weiß, dass sie alle ziemlich unterschiedlich sind. Im Grunde ist auch ‚Weit weg und ganz nah’ eine Geschichte über Hoffnung und Liebe, über all die wichtigen Themen, die ich in meinen Büchern verarbeiten möchte. Vielleicht diesmal mit dem ein oder anderen kleinen Lacher mehr…“, verriet die Autorin selbst in einem Interview mit „Bookmarks“, dem Online-Magazin des Rowohlt Verlags. Dieser Versuch, sich von ihren Bestsellern zu lösen, ohne ihre Leserschaft zu verprellen, ist Jojo Moyes mit Sicherheit gelungen. Schließlich schafft es die Autorin mit einigen einfachen Kunstgriffen ihre Bücher aus dem Sumpf anspruchsloser „Chick-Lit“ herauszuziehen. So lässt sie in ihren Werken beispielsweise keine überzeichneten Charaktere über die imaginäre Bühne stolzieren, sondern konzentriert sich auch in „Weit weg und ganz nah“ auf Figuren, die man an jeder Straßenecke treffen könnte: So ist Jess eben keine stylische Kolumnenschreiberin aus dem Londoner East End, sondern eine allein erziehende Mutter, die sich und ihre Familie mit ernüchternden Jobs über Wasser halten muss. Und auch Ed ist kein braungebrannter Held mit Sixpack, der Jess im Handumdrehen aus ihrem Unglück befreien könnte, sondern ein mit der Welt ziemlich überforderter Computernerd, der sich gerade erst durch den Kontakt zu Jess wieder auf das Wesentliche konzentrieren kann. Auf diese Weise schenkt Jojo Moyes ihrem Werk einen gehörigen Schuss Wirklichkeitsnähe, der sich im manchmal etwas verträumten Genre der Frauenliteratur wohltuend abhebt.

Jojo Moyes schafft die Balance

Zugleich gelingt es Jojo Moyes bei allem Realismus, einen klassischen Frauenroman voller Herzklopfen und spritziger Ideen zu schreiben und die Erwartungen ihrer Leserinnen nicht zu enttäuschen. So ist natürlich relativ schnell klar, dass es zwischen Jess und Ed schließlich funken wird und sich die schwierige Situation mit dem gestohlenen Geldbündel irgendwann in Wohlgefallen auflösen wird. In diesem Sinne ist auch in „Weit weg und ganz nah“ der Weg zum großen Glück das eigentliche Ziel. Dies macht den neuesten Roman von Jojo Moyes nicht nur tauglich für sämtliche Bestsellerlisten, sondern auch zur perfekten Sommerlektüre am Strand, im Park oder auf dem heimischen Balkon.

Mit „Weit weg und ganz nah“ hat Jojo Moyes ihren Lesern das perfekte Buch für den Urlaub bereits in den Koffer gelegt. Mit sympathischen und bodenständigen Charakteren entwirft die Britin einen aufregenden Roadtrip voller Hindernisse und Missverständnisse sowie dem nötigen Spritzer Herzklopfen. Damit wird es garantiert nicht langweilig im Strandkorb. „Weit weg und ganz nah“ dürfte in jedem Fall nicht der letzte Bestseller von Jojo Moyes gewesen sein.

Jojo Moyes: Weit weg und ganz nah
Rowohlt Polaris, Broschiert, 512 Seiten, € 14,99

Bildquelle 1: © Rowohlt Polaris
Bildquelle 2: © Phyllis Christopher

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