Robert Galbraith - Der Ruf der Kuckucks

„Der Ruf des Kuckucks“, der in den USA und Großbritannien erfolgreichste Krimi des letzten Jahres, ist nun endlich auch in deutscher Übersetzung erschienen. Die Krimistory um den bärbeißigen Privatdetektiv Cormoran Strike, die von Robert Gailbraith verfasst wurde, brach sämtliche Verkaufsrekorde – auch weil hinter dem bis dato unbekannten Autor die „Harry Potter“-Erfinderin J.K. Rowling steckt. Kann der Krimi dem Ruf der Erfolgsautorin gerecht werden?

„Der Ruf der Kuckucks“: Der neue Krimibestseller

„Der Ruf der Kuckucks“ von Robert Galbraith

Von Robert Galbraith, dem Autor des neuen Bestsellers „Der Ruf des Kuckucks“, dürften die meisten Leser noch nichts gehört haben – und das nicht nur weil es sein Erstlingswerk ist. Denn der Verfasser von „Der Ruf des Kuckucks“ ist nicht, wie es der Klappentext der englischen Originalausgabe anfangs behauptete, ein schreibender Ex-Soldat, der seine Erlebnisse im Krimiform verarbeitet hat. Wie man mittlerweile weiß, ist der Autor eines der erfolgreichsten Kriminalromane der letzten Jahre nämlich niemand Geringeres als J.K. Rowling, die mit den sieben „Harry Potter“-Bänden eine der erfolgreichsten Reihen der Literaturgeschichte geschrieben und es so selbst zum Weltruhm gebracht hat. Natürlich muss sich die erfolgreiche Schriftstellerin, die das Pseudonym laut eigener Aussage gewählt hat, um der Erfolgsdruck zu entgehen, der Frage „Wie gut schreibt sie wirklich?“ nun doch stellen – und kann, so viel sei verraten, dabei auf ganzer Linie überzeugen.

Robert Galbraith a.k.a. Joanne K. Rowling und der Druck des Erfolgs

In Großbritannien und den USA, wo „Der Ruf der Kuckucks“ schon im Sommer dieses Jahres veröffentlicht worden ist, wußte das Publikum – im Gegensatz zur deutschen Leserschaft, das das Buch erst jetzt zu lesen bekommt – zunächst nicht, dass sich hinter dem unscheinbaren Pseudonym eine der erfolgreichsten Autorinnen unserer Zeit verbirgt. Warum J.K. Rowling sich für diesen „Trick“ entschied, erklärte sie selbst, nachdem die Bombe durch eine Indiskretion in der Anwaltskanzlei, die ironischerweise für den Schutz der Urheberrechte verantwortlich zeichnete, platzte. „Ich hatte gehofft, ich könnte mein Geheimnis noch ein bisschen länger bewahren. Es war so eine befreiende Erfahrung. Es war wundervoll, etwas ohne den ganzen Hype und die Erwartungen zu veröffentlichen, und ein pures Vergnügen, Kritiken und Feedback unter einem anderen Namen zu bekommen“, sagte die „Harry Potter“-Autorin, die mit „Der Ruf des Kuckucks“ ihren zweiten Erwachsenenroman veröffentlichte, damals der britischen „Sunday Times“ gegenüber. „Ein plötzlicher Todesfall“, das erste Buch für Erwachsene, das J.K. Rowling nach ihrem Megaerfolg mit der „Harry Potter“-Reihe herausbrachte und das wie „Der Ruf der Kuckucks“ beim britischen Verlag „Little, Brown Book Group“ erschien, wurde von der Kritik nämlich alles andere als gnädig aufgenommen – zu klischeehaft und langweilig, fanden die meisten Kritiker.

J.K. Rowling wird zu Robert Galbraith

J.K. Rowling verbirgt sich hinter Robert Galbraith

J.K. Rowling schrieb „Der Ruf der Kuckucks“

Passenderweise stattete J.K. Rowling die Persona des nicht existierenden Robert Galbraith mit den Attributen aus, die auch die Hauptfigur von „Der Ruf des Kuckucks“ charakterisieren. Cormoran Strike, der in dem Roman einen scheinbar längst geklärtem Todesfall nochmals aufrollt, ist ein Ex-Soldat, der in Afghanistan gedient hat – ebenso wie sein angeblicher Erfinder. Der Privatdetektiv, der in der britischen Army als Militärpolizist tätig war, kommt schwer verwundet aus seinem Auslandseinsatz zurück und muss nur kurz, nachdem er den Verlust seines rechten Unterschenkels mehr oder minder verkraftet hat, sich mit dem Scheitern seiner Beziehung zu seiner exzentrischen und egoistischen Ex auseinandersetzen. J.K. Rowling zeichnet ihren Helden von Anfang an als einen Mann, der so manchen Schicksalsschlag einstecken musste und – im Gegensatz zu seinem alten Job, seiner Freundin und dem Großteil seines Geldes – seinen Lebenswillen nicht verloren hat. Ihm zu Seite steht seine erst einmal als Zeitkraft eingestellte Sekretärin Robin, die die Tatsache, dass ihr Chef in seinem Büro wohnt, aufgrund ihrer Leidenschaft für den Detektivberuf wohlwollend ignoriert.

„Der Ruf des Kuckucks“: Der Kriminalfall

Als Cormoran Strike vom Bruder eines alten Schulkameraden mit einem scheinbar aussichtslosen, da von der Polizei als sicheren Selbstmord eingestuften, Fall beauftragt wird, muss der Privatdetektiv beweisen, dass er trotz all der Rückschläge ein immer noch hervorragender Ermittler ist – und findet sich auf dem gefährlich glatten Parkett der Londoner High Society wieder. Hat sich das schöne Model Lula Landry aus dem Fenster ihres Nobelapartments selbst gestürzt – oder wurde sie gestoßen? Verdächtige gibt es mehr als genug, denn nahezu jeder hat vom Tod der dunkelhäutigen Schönheit profitiert. War es ihr habgieriger Onkel, ihr drogensüchtiger Rockstarfreund oder eine Freundin, die ihr den Erfolg nicht gönnte? Cormoran Strike muss sich in das vermeintliche Opfer einfühlen – und das, obwohl er und die schöne Lula nicht unterschiedlicher sein könnten.

„Der Ruf des Kuckucks“: Ein guter Kriminalroman

J.K. Rowling alias Robert Galbraith geht bei der Konstruktion ihres Romans äußert clever vor: Immer wieder werden neue Figuren bzw. Verdächtige eingeführt, wodurch sie es vermag, die Spannung stets aufrecht zu erhalten. Als Leser ist man sowohl von dem bärbeißigen Charme des Ermittlers als auch von dem scheinbar glamourösen Leben des toten Models fasziniert – man leidet mit den Figuren mit und möchte einfach wissen, ob Lula, deren reale Vorbilder einem durch die Lektüre vieler Klatschspalten sehr nahe erscheinen, ihrem Leben wirklich selbst ein Ende gesetzt hat. Wenn Cormoran Strike jedem Hinweis gewissenhaft nachgeht und sich (fast) mit jedem, der in Lulas Leben eine Rolle gespielt hat, anlegt, ist das nie langweilig – vor allem weil J.K. Rowling nicht nur beim Legen falscher Fährten, sondern auch sprachlich auf ganzer Linie überzeugt. Dass einem ihr Privatdetektiv so ans Herz wächst, liegt vor allem auch daran, dass „Der Ruf des Kuckucks“ sowohl aus seiner als auch aus der Perspektive seiner Sekretärin Robin erzählt wird – was nicht eben wenig humoristisches Potenzial in sich birgt.

„Der Ruf des Kuckucks“ ist ein Buch, dass die Bezeichnung Kriminalroman wirklich verdient: Es ist gut und atmosphärisch dicht geschrieben, bis zur letzten Seite spannend und nicht zuletzt humorvoll – also alles, was man von einem guten Krimi erwarten kann. J.K. Rowling alias Robert Galbraith ist es zudem gelungen, eine Figur zu erschaffen, von der man als Leser auch nach der letzten Seite nicht genug hat: Ein zweiter Fall für Cormoran Strike sollte eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein…

Bilderquellen: Random House Deutschland – Getty Images / Ben Pruchnie


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