Angst vorm Auto fahren
Nina Rölleram 23.05.2018

„Mein Platz im Auto ist hinten!“ – diesen alten Song von Rolf Zuckowski poste ich alljährlich zu meinem Führerschein-Jubiläum auf Facebook. Damit mache ich mich selbst darüber lustig, dass ich seit meiner bestandenen Fahrprüfung kein einziges Mal hinter einem Steuer saß. Doch sollte ich nicht gerade als emanzipierte Frau lernen, diese Angst zu überwinden, anstatt mich von anderen herumkutschieren zu lassen? Ich erkläre dir, warum ich auch in Zukunft weiterhin gerne auf der Rückbank sitze.

Wie habe ich bloß meinen Führerschein bekommen?

Würde man mich jetzt hinter das Steuer eines Autos setzen, wüsste ich nach dem Anschnallen und dem Einstellen des Sitzes nicht mehr weiter. Meine Fahrprüfung hat sich kürzlich zum zehnten Mal gejährt und ich bin seitdem wirklich nie wieder selbst gefahren. Wie ich es damals überhaupt geschafft habe, nach etlichen Fahrstunden die praktische Prüfung zu bestehen, ist mir ein Rätsel. Größtenteils ist dies wohl meinem gnädigen Fahrlehrer zugutezuhalten, der mich nach dem Bestehen eindringlich darum bat, sehr viel zu üben.

Während viele meiner Freunde es kaum abwarten konnten, endlich durch die Gegend zu cruisen, war ich lediglich froh, meine Eltern mit der bestandenen Fahrprüfung zufriedengestellt zu haben. Ich selbst hatte nämlich nie den Wunsch gehegt, Auto fahren zu lernen. Vielmehr noch: Selbst als Kind wollte ich nicht vorne auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, sondern kuschelte mich lieber hinten auf die Rückbank und schaute verträumt aus dem Fenster. Den Gedanken, selbst ein Auto zu steuern, vor allem auf der Autobahn, hat mich schon immer mit Angst erfüllt. Damit gehöre ich laut Schätzungen des ADAC zu rund eine Million Deutschen mit Fahrangst, die sich ganz unterschiedlich äußern kann.

Einmal auf der Autobahn niesen und schwups …

Unfallkreuz

Unfallkreuze wie dieses stimmen mich jedes Mal nachdenklich.

Laut ADAC unterscheidet man bei Fahrangst zwischen zwei Formen: die Angst, nach einem erlebten oder beobachteten Verkehrsunfall zu fahren und die Angst, beim Fahren generell Fehler zu machen. Ich kann von Glück sagen, dass ich selbst noch nie in einen Unfall verwickelt war und persönlich auch niemanden kenne, der im Straßenverkehr ums Leben gekommen ist. Die Ursache meiner Form der Fahrangst ist laut dem ADAC vor allem fehlende Praxiserfahrung – was mir natürlich völlig klar ist. Das Problem ist nur, dass ich wirklich Angst davor habe, mich wieder ans Steuer zu setzen. Es sind schließlich keine Lackschäden am Auto, die ich befürchte, sondern tatsächlich, einen Unfall zu verursachen. Jedes Mal, wenn ich an einem Unfallkreuz oder an einem sentimentalen Kampagnenplakat wie diesem vorbei komme, geht bei mir das Kopfkino los: Säße ich am Steuer, würde ein dummes Missgeschick genügen, und alle Insassen des Fahrzeuges könnten sterben!

Zum einen leide ich unter einer starken Links-Rechts-Schwäche und habe daher in der Fahrschule des Öfteren das Gaspedal mit der Bremse verwechselt oder nicht mehr gewusst, welche Spur noch mal zum Überholen gedacht war. Zum anderen bin ich selbst als Fußgänger im Straßenverkehr schon so ein Schisser, dass ich in der Regel nur bei Grün die Straße überquere, selbst wenn kein Auto in Sicht ist. Wer weiß, vielleicht kreuzt ja plötzlich ein Auto mit vollem Tempo auf! Diese Gefahr möchte ich nicht in Kauf nehmen und verhalte mich daher lieber übertrieben vorsichtig. Meinen Freunden gehe ich damit ziemlich oft auf die Nerven, wenn sie mal wieder auf der anderen Straßenseite auf mich warten müssen. Erfahre ich dann jedoch in den Nachrichten wieder mal von Unfalltoten im Straßenverkehr, sehe ich mich in meiner Angst bestätigt: Lieber immer schön vorsichtig sein, als zu früh sinnlos zu sterben!

Kann ich noch lernen, meine Angst zu überwinden?

Mir ist schon klar, dass Warnplakate an Autobahnen sich nicht an Angsthasen wie mich, sondern an Raser richten. Einen wirklichen Effekt haben sie vermutlich aber eher auf Menschen, die eh schon Angst vorm Fahren haben. Sollte ich diese Gefahren also ausblenden, um irgendwann wieder in der Lage zu sein, hinter einem Steuer zu sitzen? Mittlerweile gibt es laut der Welt sogar Fahrschulen, die sich auf Fahrer wie mich spezialisiert haben und in Gesprächsrunden Ängste thematisieren. Dabei soll man lernen, dass nicht jeder kleine Fehler beim Fahren tragisch enden muss. Das klingt eigentlich nach genau dem richtigen Angebot für mich, so wirklich motiviert bin ich jedoch trotzdem nicht, mich dort anzumelden.

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Ich muss nicht jede Angst überwinden

Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, dass es sich sehr gut anfühlen kann, Ängste zu überwinden. Oft redet man sich jahrelang ein, dass man beispielsweise ein Problem damit hat, mit fremden Menschen zu reden. Übt man genau diese Situation jedoch häufig und wird einfach ins kalte Wasser geworfen, merkt man, dass man doch dazu in der Lage ist. Insbesondere an irrationalen Ängsten möchte ich daher gerne weiterhin arbeiten und nicht von vornherein sagen: Nein, das kann ich nicht.

Beim Auto fahren ist das jedoch anders. In meiner derzeitigen Lebenssituation bin ich nicht auf ein Auto angewiesen, da ich mich in einer Großstadt wie Berlin viel besser mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen kann. Zudem schätze ich meine Fahrkünste als derart schlecht ein, dass es tatsächlich gefährlich werden könnte, mich hinters Steuer zu lassen. Anders als bei Phobien, wie zum Beispiel der Angst vor Spinnen, besteht hier also eine reale Gefahr, der ich mich nicht aussetzen möchte. Ich bin daher zu dem Entschluss gekommen, dass es in manchen Fällen vollkommen in Ordnung ist, zu seiner Angst zu stehen und man diese nicht mit allen Mitteln überwinden muss. Eine Sache gibt es jedoch, die mir noch Hoffnung macht: Wenn das mit dem autonomen Fahren in Zukunft wirklich funktioniert, würde ich mich vielleicht doch noch mal hinters Steuer setzen.

Hast du auch Fahrangst oder diese im Laufe deines Lebens überwunden? Dann erzähl mir von deinen Erfahrungen in den Kommentaren!

Bildquelle:

iStock/Patramansky, iStock/Meinzahn


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Was denkst du?

  • Katja Nauck am 23.05.2018 um 11:25 Uhr

    Nina, du sprichst mir aus der Seele. Ich habe meinen Führerschein seit 2001 und bin seitdem lediglich kurz danach noch einmal gefahren. Das war das Auto meines Vaters, Automatik war eigentlich viel einfacher, aber es hat mich so nervös gemacht und dann noch die klugen Tipps des Beifahrers. Ich habe also über 17 Jahre Führerschein ohne Fahrpraxis. Ständig wurde mir gesagt: "Nun fahr doch mal. Das kann doch nicht so schwer sein!" Kaum jemand versteht, warum man Angst hat. Ich selber weiß es auch nicht so genau. Es ist das Gefühl die Kontrolle behalten zu müssen, aber auch irgendwie nicht und dann im Verkehr mitzuschwimmen und nicht zu wissen, was der andere Autofahrer jetzt macht. Irgendwie ängstigt mich das und ich hab manchmal so Träume, in denen ich hinter dem Steuer sitze und Panik bekomme. Sehr seltsam. Aber so ist das halt. Ich kenne all das, was du beschreibst, nur zu gut und denke auch, es gibt Schlimmeres, als nicht Auto zu fahren. Ich habe es allerdings noch nicht ganz aufgegeben und würde schon noch versuchen zu fahren. Ich denke daran, mein Kind und meine Familie mal irgendwohin fahren zu wollen. Das wäre schon schön. Dazu würde ich allerdings nochmal richtig üben müssen oder Auffrischungsstunden nehmen. Die müssten dann aber bei einem sehr einfühlsamen Fahrlehrer sein und das sind die meisten leider so überhaupt gar nicht.

    Antworten
    • Nina Röller am 23.05.2018 um 13:13 Uhr

      Oh ja, diese Albträume kenne ich auch! Da sitze ich dann plötzlich am Steuer eines fahrenden Autos und weiß nicht mehr, wie man dieses steuert. Schrecklich! Aber ich drücke dir natürlich die Daumen, dass dich diese blöden Träume nicht mehr heimsuchen und du es vielleicht irgendwann doch noch schaffst. Eine eigene Familie ist bestimmt eine gute Motivation, es mal wieder zu probieren. 🙂