Food Sharing
Nina Rölleram 08.11.2016

Kennst Du das: Du hast beim letzten Supermarkteinkauf ordentlich zugegriffen, Dein Kühlschrank ist prall gefüllt, aber Du hast es dann doch nicht geschafft, alles zu verbrauchen? So schwer es den meisten auch fällt: die überflüssigen Lebensmittel landen dann eben im Abfalleimer. Das muss aber nicht sein! Selbst wenn Du es nicht schaffst, Deine Lebensmitteleinkäufe immer genau zu planen und alles zu verbrauchen, kannst Du dank Food Sharing Essen vor der Tonne retten. Wie das begrüßenswerte Konzept genau funktioniert, erfährst Du hier!

Lebensmittelverschwendung findet jeder in Anbetracht von Hunger in anderen Ländern und wachsender Müllberge irgendwie schlimm. Trotzdem landen in deutschen Privathaushalten jährlich riesige Mengen Nahrungsmittel im Abfalleimer anstatt im Magen. Spätestens seit der erschreckenden Dokumentation „Taste the Waste“ erhebt sich allerdings weltweit Widerstand. In vielen Ländern sprießen Food-Sharing-Initiativen aus dem Boden, die versuchen, konsumierbare Lebensmittel weiterzuverteilen, anstatt zu entsorgen. Wir erklären Dir, was Food Sharing neben der Müllvermeidung noch bewirken kann und warum es manche Initiativen in Deutschland schwer haben.

Food Sharing

Das muss wirklich nicht sein: Food Sharing ist die Lösung!

So viel Essen wird in Privathaushalten weggeschmissen

Food Sharing

Lebensmittelverschwendung vermeiden erfordert Planung.

Wahrscheinlich hast Du auch schon Bilder von den Unmengen an völlig einwandfreien Lebensmitteln gesehen, die Supermärkte tagtäglich wegschmeißen, weil sie bestimmten Kriterien nicht entsprechen oder schlichtweg nicht verkauft wurden. Es gibt kaum jemanden, der sich dabei nicht an den Kopf greift und sich fragt, ob diese furchtbare Verschwendung wirklich sein muss. Doch Hand aufs Herz, verbrauchst Du stets alle Lebensmittel, die Du kaufst? Günstige Angebote von Discountern, viel zu große Verpackungsgrößen für Singlehaushalte oder schlichtweg fehlendes Einschätzungsvermögen führen schnell dazu, dass man doch nicht wie geplant alles verbrauchen kann. Oft lagern Nahrungsmittel dann so lange in der Küche, bis sie ihr Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben und werden dann entsorgt. Das mag Dir vielleicht nichtig vorkommen, doch hochgerechnet wird diese Lebensmittelverschwendung zum echten Problem: Insgesamt landen allein in Deutschland jährlich 6,7 Tonnen Essen aus Privathaushalten, etwa 80 kg pro Person, im Müll. Eine erschreckend hohe Zahl, die sogar die von Supermärkten übersteigt!

Wie Food Sharing funktioniert

Food Sharing

Food Sharing ist aus vielen Gründen begrüßenswert.

Lebensmittelverschwendung lässt sich natürlich durch eine sorgfältige Wochenplanung deutlich reduzieren. Doch der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier und kauft doch meist eher nach Lust und Laune ein. Manchmal steht dann auch noch ein längerer Urlaub bevor und der Kühlschrank ist noch voller unaufgebrauchter Nahrungsmittel. Für all diese Menschen ist Food Sharing die Lösung! Das Konzept ist denkbar einfach: Lebensmittel, die zwar noch genießbar sind, jedoch selbst voraussichtlich nicht mehr konsumiert werden, werden zu zentralen Sammelstellen gebracht. Dort stehen sie für jeden völlig kostenlos zur Verfügung und können einfach abgeholt werden. So entlastet man sein eigenes schlechtes Gewissen und macht außerdem jemand anderem eine Freude, der mit der überflüssigen Packung Spinat oder dem viel zu großen Kürbis gut etwas anfangen kann. In Deutschland gibt es neben zahlreichen privaten Initiativen seit 2012 den Verein Foodsharing e. V., der auf seiner Homepage deutschlandweit über alle Sammelstellen, die sogenannten Fair-Teiler, informiert. Ehrenamtliche Helfer und alle beteiligten Foodsharer sorgen dafür, dass die Fair-Teiler in einem hygienischen Zustand bleiben und Regeln eingehalten werden. Hackfleisch, rohe Eier und frisch zubereitete Speisen sind aufgrund ihrer schnellen Verderblichkeit tabu. Sonst darf alles in die bereitgestellten Kühlschränke oder Körbe gelegt werden.

…muss jetzt mal ein bisschen #werbung machen: Der Aktionstag scheint mir echt interessant zu sein, nachhaltig und mit Sinn und Verstand zu konsumieren, wird in einer Zeit, in der viel zu viel weggeworfen wird, während ein großer Teil der Weltbevölkerung hungert, immer wichtiger. Uuund dazu passend hat, was ich toll finde, der #gertrudenhofhürth schon lange einen #fairteiler. Heute war er zwar leer aber ich habe da schon richtig gutes Brot aus der Hofbäckerei (wahrscheinlich) mitgenommen. Natürlich kann ich mir mein Zeug auch so kaufen, aber warum sollen tadellos intakte Lebensmittel nachmittags auf dem Müll landen, nur weil sie am Morgen gebacken wurden (zum Beispiel…) und nicht gleich verkauft werden konnten? Schaut doch mal, ob es bei euch in der Nähe auch einen #fairteiler gibt! #nachhaltigkeit #nachhaltigerkonsum #foodsharing

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Anders als Initiativen wie etwa die Tafel dürfen nicht nur Bedürftige das Angebot von Foodsharing nutzen. Das kostenlose Essensangebot der Fair-Teiler wird zwar gerne von Studenten, Rentnern, Hartz IV-Empfängern und Wohnungslosen genutzt, aber auch von Menschen, die schlichtweg ein Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung setzen wollen. Auf diese Weise werden die Fair-Teiler auch zu sozialen Treffpunkten, die Menschen aus unterschiedlichen Schichten zusammenbringen. In manchen Städten werden die Fair-Teiler nicht nur von Privathaushalten bestückt, sondern auch von Supermärkten oder Bäckereien, die sich auf eine Zusammenarbeit mit Foodsharing e. V. geeinigt haben.

Hier findest Du Food Sharing-Angebote

Auf Foodsharing.de kannst Du Dir auf einer Karte anschauen, wo der nächste Fair-Teiler in Deiner Nähe ist. Trotz der guten Organisation und der Hygieneregeln von Foodsharing e.V. haben es die Lebensmittel-Sammelstellen in Deutschland schwer. Denn mancherorts werden der Initiative durch unrealistische bürokratische Auflagen Steine in den Weg gelegt. Ausgerechnet in Berlin, wo die Food Sharing-Bewegung viele aktive Mitglieder hat, mussten auf Androhung von hohen Bußgeldern seitens der Lebensmittelaufsichtsbehörde zahlreiche Fair-Teiler geschlossen werden. Foodsharing e.V. hat daher eine Petition zur Lockerung der Bestimmungen ins Leben gerufen. Aufgrund der strengen Auflagen sind viele Food Sharing-Angebote in Deutschland privat organisiert.

Die Verteiler können dabei ganz unterschiedlich aussehen. Größere Sammelstellen sind mit Kühlschränken ausgestattet, bei anderen wird mit umgebauten Kommoden improvisiert, wie bei diesem in Mainz.

Food Sharing-Verteiler können eigentlich überall aufgestellt werden. Diese Lösung aus Düsseldorf ist sogar mobil! Einfach ein paar Plastikboxen an ein Fahrrad befestigt: Fertig ist der Fair-Teiler!

Da sich nicht alle Supermärkte auf eine Zusammenarbeit mit Foodsharing einlassen, landen viele noch einwandfreie Lebensmittel aus wirtschaftlichen Gründen in Supermarkt-Containern. Auch wenn es tatsächlich verboten ist, werden manche dieser Nahrungsmittel vor der Müllpresse gerettet: So genannte Dumpster Diver holen in nächtlichen Aktionen die weggeschmissenen und oftmals noch verpackten Lebensmittel aus den Containern und stellen sie gerne per Food Sharing der Allgemeinheit zur Verfügung.

Wenn Du auf Foodsharing.de keine Sammelstelle in Deiner Nähe findest, kannst Du auch nach Facebook-Gruppen Ausschau halten, in der sich Privatpersonen vernetzen und überschüssige Lebensmittel zur Abholung bereitstellen. In England gibt es dafür bereits eine schicke praktische App namens Olio, die sich vielleicht auch noch in Deutschland etablieren wird.

Kaum zu glauben, wie viele Lebensmittel unverbraucht im Abfall landen! Findest Du Food Sharing sinnvoll und würdest Du überschüssige Nahrungsmittel zu solch einer Sammelstelle bringen? Natürlich kannst Du auch bereits beim Einkaufen überlegen, ob Du wirklich so viel benötigst. Meal Prep ist hier das Zauberwort!

Bildquelle: iStock/mangostock/, iStock/s-c-s, iStock/Wavebreakmedia, iStock/peder77


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