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Steigende Fallzahlen

Christian Drosten meldet sich mit Strategie gegen zweiten Lockdown zurück

Christian Drosten meldet sich mit Strategie gegen zweiten Lockdown zurück

Lange Zeit war es still um den Virologen Christian Drosten. Sein NDR-Podcast „Coronavirus Update“ ging in die Sommerpause und damit kamen keine wöchentlichen Updates mehr zur Corona-Pandemie. Gleichzeitig schien sich die Lage immer weiter zu normalisieren. Doch nun steigen die Fallzahlen wieder, was Angst vor einer zweiten Welle und einem damit verbundenen zweiten Lockdown schürt. In Anbetracht der Lage meldet sich nun auch Drosten in einem Zeit-Gastbeitrag wieder zu Wort und erklärt, wie sich ein zweiter Lockdown verhindern lassen könnte.

Die steigenden Corona-Fallzahlen sind alarmierend. Vor allem deshalb, weil es sich nicht mehr um einzelne lokale Ausbrüche mit großem Ausmaß, sondern um viele kleine Infektionsherde handelt. Die Zahl der Gemeinden, die keine neuen Corona-Fälle mehr melden, geht stetig zurück. Waren es Mitte Juni noch 159, liegt die Zahl aktuell nur noch bei 74. Gerade diese vielen kleine Ausbrüche besorgen Experten, weil sie dazu führen können, dass Infektionsketten nur noch schwer nachvollziehbar sind.

Christian Drosten rät zur japanischen Strategie

Vor diesem Hintergrund hält der Chefvirologe der Berliner Charité es für sinnvoll, sich an der japanischen Strategie zur Eindämmung des Virus zu orientieren. Ein vielversprechender Gedanke, denn in Japan war bisher kein Lockdown nötig, um die Fallzahlen zu senken. Stattdessen konzentriert man sich auf die Nachverfolgung sozialer Cluster, in denen sich besonders viele Menschen infizieren.

„Infektionswissenschaftler beobachten eine überraschend ungleiche Verteilung der Infektionshäufigkeit pro Patient. Die Reproduktionszahl R bildet dabei nur einen Durchschnitt ab“, schreibt Drosten, „nehmen wir einen R-Wert von zwei als Beispiel, dann infiziert jeder Patient zwei weitere. Allerdings nur im Mittel. In unserem Beispiel stecken neun von zehn Patienten jeweils nur einen anderen an, aber einer der zehn infiziert gleich elf weitere. In der Summe haben dann zehn Patienten zwanzig Folgefälle verursacht.“

Dass eine Person gleich mehrere weitere infiziert, kommt vor allem immer dann vor, wenn Menschen sich in großen Gruppen begegnen. Die japanische Regierung hat deshalb eine offizielle Liste an sozialen Clustern veröffentlicht, die eine starke Verbreitung des Virus begünstigen. Infiziert sich jemand mit dem Virus, wird abgeglichen, ob er Teil eines solchen Clusters ist. Singt er mit anderen im Chor oder war gerade auf einer großen Familienfeier? In diesem Fall ist es wichtig, die anderen Angehörigen dieses sozialen Clusters ausfindig zu machen und zu isolieren. Denn aus einem Cluster können sich weitere Infektionsketten bilden.

Cluster noch vor positiven Testergebnissen isolieren

Die Vorgehensweise, die Drosten daraus ableitet, dürfte nicht jedem gefallen. Denn er rät dazu, Mitglieder eines sozialen Clusters, in dem sich eine Person infiziert hat, schon unter häusliche Quarantäne zu stellen, bevor sie ein positives Testergebnis erhalten haben. Schließlich vergeht von der eigentlichen Infektion bis zum Auftreten der Symptome und dem Erhalt des positiven Testergebnisses einige Zeit. In dieser könnten Menschen unbewusst andere anstecken. Damit Amtsärzte dementsprechend handeln können, fordert Drosten verbindliche Vorgaben zum Umgang mit sozialen Clustern. Es muss klar definiert sein, welche Alltagssituationen und welche Gruppengrößen besonders risikobehaftet sind.

Zudem plädiert er dafür, diese Strategie „klug einzusetzen“. Dass Kritiker befürchten könnten, durch eine solche Strategie würde am Ende doch wieder jeder unter Quarantäne kommen, weil sich überall Cluster bilden, ist ihm bewusst.

Kürzere Isolationszeiten und Mut zum Restrisiko

Ein Punkt, der wichtig ist, um zu verhindern, dass eine Isolierung von Clustern einem flächendeckenden Lockdown gleichkommt, ist die Verkürzung der Quarantänezeit. „Schaut man sich neuere Daten zur Ausscheidung des Virus an, reicht eine Isolierung der Clustermitglieder von fünf Tagen, dabei darf das Wochenende mitgezählt werden“, schreibt Drosten. Erst am Ende dieser Zeit sollten die Clustermitglieder getestet werden.

Zudem sollte man gezielt auf Infektiösität, also die Größe der Virenlast, im Rachen testen. Wer nur noch geringe Virenmengen in sich trägt, könne früher aus der Isolation entlassen werden. In Krisenzeiten sei es außerdem möglich, die Abklingzeit auch ohne Tests zu beenden, „denn die Clusterstrategie arbeitet ohnehin mit Restrisiken. Alle Beteiligten müssen akzeptieren, dass man in Krisenzeiten nicht jede Infektion verhindern kann.“

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