Menschen, die in der Pflege arbeiten, leiden unter einem massiven Arbeitsaufwand und schlechter Bezahlung. Ein Politker gibt ihnen selbst die Schuld daran.
Helena Serbentam 07.02.2018

In Deutschland gibt es ein großes Problem und das heißt: Pflegenotstand. Viel zu wenig Menschen arbeiten in der Pflege, also in Krankenhäusern und Heimen. Kranken- und Altenpfleger werden schlecht bezahlt. Die Arbeitsumstände sind hart, die Menschen verlieren die Freude an ihrem Beruf. Für Menschen, die alt und krank sind, bleibt wenig Zeit. Schuld daran ist aber laut dem CDU-Politiker Erwin Rüddel nicht nur die Politik, sondern die pflegenden Menschen selbst.

Im Zuge der Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD einigte man sich mit darauf, mit einem Sofortprogramm für 8000 neue Fachkräfte in der Pflege zu sorgen, wie verschiedene Zeitungen berichten. Dies entspricht etwa einer halben Zusatzkraft pro Pflegeheim. Diesen Schritt bewarb der Gesundheitspolitiker Rüddel über Twitter mit den Worten:

Von vielen Nutzern, wie Rainer Jakobi, konnte das nicht nachvollzogen werden. Den eigentlichen Anstoß für die Diskussionen lieferte dann die Antwort Rüddels auf diesen Tweet:

Die Empörung aufseiten der bei Twitter vertretenen Pflegerinnen und Pfleger ist seitdem groß. Sie reagierten mit dem Hashtag . Hier kannst du ihre Erfahrungen nachlesen:

So sieht die Arbeit in der Pflege wirklich aus.

Verstörende Erlebnisse

Die Geschichten der Pflegerinnen und Pfleger über Twitter sind teilweise sehr verstörend. Sie berichten von Burn-outs, Diskriminierung seitens der Leitung gegenüber dem Personal und Suiziden ihrer Kollegen. Dies hängt mit den katastrophalen Arbeitsbedingungen zusammen. Viele haben wichtige Lebensereignisse, wie den Schulabschluss der eigenen Tochter, verpasst, oder bekamen an ihrem eigenen Hochzeitstag abends eine Spätschicht aufgedrückt. Ein Pfleger berichtet davon, gekündigt zu haben, weil man ihm am Tag der Geburt seines ersten Kindes nicht freigeben wollte. Viele berichten, dass ihre Rechte als Arbeitnehmer schwer verletzt werden. Manchmal wird sogar der Mindestlohn von weniger als neun Euro verwehrt. Teilweise werden Ruhestunden zwischen Schichten nicht eingehalten.

Oft bleibt den Pflegern kaum Zeit für Freizeit.

Am Ende leiden die Patienten

Die Pfleger seien dauerhaft unterbesetzt, müssen teilweise alleine 40 Menschen betreuen. Selbst Azubis und Praktikanten werden als vollwertige Arbeitskräfte eingeplant, aber nicht dementsprechend vergütet. Darunter leiden natürlich auch die Patienten. Sterbenden kann nicht die Hand gehalten werden, Körperpflege werde teils mit Einwegtüchern vorgenommen. Eine Pflegerin berichtet auch davon, dass eine alte Dame die ganze Nacht auf der Toilette sitzen musste, weil die Nachtschwester allein auf der Station war und vor lauter Stress die Patientin vergessen hatte. Es ist nicht das erste Mal, dass Politiker von Bürgern auf offensichtliche Missstände in der Pflege hingewiesen werden und offenbar keine vernünftige Antwort darauf haben. Erst im September 2017 hatte ein junger Mann Bundeskanzlerin Angela Merkel in der ARD-Wahlarena mit dem Notstand konfrontiert:

 

Politikern fehlt oft der Realitätsbezug

Es ist einer dieser typischen Fälle, in denen Politiker sich naiv und unwissend gegenüber arbeitenden Menschen äußern. Auch, wenn der erhobene Zeigefinger gegenüber den Pflegern nicht böse gemeint war, stößt er diesen bitter auf und verhöhnt sie. Pflegekräften gebührt mehr Respekt für ihre Arbeit. Anschuldigungen, dass ihretwegen das Ansehen ihres Berufs leidet, ist nicht angemessen.

Bildquellen:

iStock/Getty Images Plus/cyano66, iStock/Getty Images Plus/sudok1


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