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Rettungswagen: Wie geschützt sind Babys wirklich?

Transport von Neugeborenen

Rettungswagen: Wie geschützt sind Babys wirklich?

Eine Studie von Ärzten der Universität Rostock hat sich jüngst mit dem Transport von Neugeborenen in Rettungswagen auseinandergesetzt. Das Ergebnis zeigt, dass der Transport nicht so sicher ist, wie bisher angenommen.

Das Fachmagazin „Notfall + Rettungsmedizin“ hat kürzlich eine Studie von Ärzten der Universität Rostock veröffentlicht. Thema der Studie ist der Transport von Neugeborenen in Rettungswagen. Die Ärzte kamen zu dem unbefriedigenden Ergebnis, dass Säuglinge trotz moderner Technik in Rettungswagen nicht ausreichend geschützt sind. Schon eine Vollbremsung kann das Leben der Neugeborenen gefährden.

Der Transport im Rettungswagen

In Rettungswagen werden Säuglinge in speziellen gewärmten Inkubatoren transportiert, so werden sie vor Kälte geschützt und auch sonst mit allen notwendigen Maßnahmen versorgt. In den entsprechenden Transportboxen sind die Säuglinge jedoch nicht angeschnallt, sodass sie bei einer möglichen Vollbremsung gegen das Inkubatorglas gedrückt werden.
Schon bei einer Vollbremsung bei 50 km/h besteht ein erhebliches Risiko für die Neugeborenen. Ihre Schädeldecke ist noch nicht vollständig geschlossen, sodass bei einem möglichen Aufprall besonders das Gehirn gefährdet ist.

Gefahren für Neugeborene im Rettungswagen

Die Rostocker Ärzte führten die Studie anhand von Säuglinsdummys durch. Dafür legten sie die Dummys in drei verschiedene Rettungswagen und richteten sie unterschiedlich aus. Zwei der Dummys wurden längs zur Fahrtrichtung gelegt, der andere quer. Jeder Rettungswagen fuhr anschließend 20 Testfahrten, die jeweils mit einer Vollbremsung bei 50 km/h endeten. In einer anschließenden Testreihe wurde untersucht, wie sich Vollbremsungen bei Geschwindigkeiten von 20 bis 70 km/h auswirkten. Bei einer Vollbremsung aus 30 km/h maßen die Wissenschaftler sogar den Höchstwert der Fliehkraft: 9,5 g. Gemessen wurde jeweils die Bremskraft beim Aufprall des Säuglingdummys auf die Inkubatorscheibe. Der Wert von 9,5 g übersteigt sogar die Fliehkräfte einer Achterbahn. Der Autor der Studie, Anästhesist Gernot Rücker, kommentiert diesen Wert wie folgt: „In den letzten Jahren sind die Bremssysteme der Fahrzeuge so effizient geworden, dass sich der Bremsweg drastisch verkürzt hat. Das bedeutet eine Zunahme der Krafteinwirkung auf Patienten im Rettungswagen.“

Inkubator
In Rettungswagen werden Neugeborene in speziellen Inkubatoren transportiert.

Können Rettungswagen mehr Schutz für Neugeborene bieten?

Gernot Rücker plädiert dafür, dass die Sicherheitslücke der Inkubatoren geschlossen wird. Wie jedoch Neugeborene besser geschützt werden können, ist noch unklar. Während Patienten auf der Trage und Notärzte angegurtet sind, ist dies bei Neugeborenen nicht möglich. „Bei den Neugeborenen kann man nicht einfach einen Gurt anlegen wie bei größeren Kindern oder Erwachsenen. Das würde die Kinder beim Atmen behindern oder schlimmstenfalls auch ohne Vollbremsung zu Verletzungen führen“, so Rücker. Die Vorschläge für einen besseren Transport der Neugeborenen in Rettungswagen reicht von Schalensystemen in den Inkubatoren bis hin zu dem Transport des Neugeborenen auf der Brust der Mutter. Nachteile bestünden allerdings für Babys, die an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden müssen. Zwar ist die Zahl der betroffenen Rettungswagen nicht hoch, da nur 60 Wagen in ganz Deutschland mit speziellen Transportinkubatoren ausgestattet sind, dennoch warnt Rücker vor möglichen Konsequenzen: „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis bei einem solchen Zwischenfall einmal ein Säugling ums Leben kommt.“ Bei einer informellen Umfrage im März gab ein Fünftel der befragten Mediziner an, bereits mit Zwischenfällen bei Transportinkubatoren im eigenen Rettungsdienstbereich in Kontakt gewesen zu sein.

Der Transport von Neugeborenen in speziellen Rettungswagen ist nicht so sicher, wie bisher angenommen. Zu diesem Ergebnis kamen Ärzte der Universität Rostock jüngst in einer Studie. Weil Säuglinge nicht angegurtet sind, können schon Vollbremsungen bei 30 km/h gefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Neugeborenen haben. Wie die Sicherheitslücke behoben werden kann, ist bisher noch unklar.

© Sandra Van Der Steen - Dreamstime.com

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