Beschneidung in Deutschland - neuer Entwurf

Am Mittwoch, dem 10. Oktober, hat das Kabinett einen Gesetzesentwurf zur Beschneidung von Jungen beschlossen. In Deutschland soll die Beschneidung weiter erlaubt sein.

Die Rechtslage zur Beschneidung von Jungen in Deutschland war nach dem Urteil des Kölner Landgerichts am 7.Mai 2012 unsicher geworden und löste heftige Debatten aus. In dem Kölner Urteil war die Beschneidung eines vierjährigen Jungen trotz Einverständnis seiner Eltern als rechtswidrige Körperverletzung erklärt worden, die nicht dem Kindeswohl diene. Das Urteil hatte vor allem bei Juden und Muslimen für Proteste gesorgt.

Neuer Gesetzentwurf zur Beschneidung

Der vom Bundeskabinett verabschiedete Gesetzentwurf räumt den Eltern das Recht ein, in eine Beschneidung ohne medizinische Indizierung einzuwilligen, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden: Die Beschneidung muss fachgerecht und mit einer möglichst effektiven Schmerzbehandlung erfolgen. Die Eltern müssen außerdem vorher umfassend aufgeklärt worden sein und der Kindeswille muss miteinbezogen werden. Sollte das Kindeswohl gefährdet sein, zum Beispiel durch gesundheitliche Risiken, gilt eine Ausnahmeregelung nicht. Die Beschneidung von Mädchen bleibt nach wie vor verboten in Deutschland.

Gesetzentwurf zu Beschneidung

Am 10. Oktober wurde ein neuer Gesetzentwurf zur Beschneidung verabschiedet


Reaktionen auf Entwurf zur Beschneidung

Politiker, wie Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), äußerten sich positiv über den Entwurf: „Es ist ein guter Tag, der dazu beiträgt, dass wieder mehr Rechtssicherheit eintreten wird“. Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Juden, erklärte, dass mit dem Entwurf das „unmissverständliche Signal von Deutschland“ ausgehe, dass Juden und Muslime nicht kriminalisiert würden und dadurch außerdem wieder Rechtssicherheit geschaffen werde.

Der Rechtsexperte der Linken, Wolfgang Neskovic, sieht den Entwirf hingegen als Verstoß gegen das Grundgesetz, der mit dem Völkerrecht nicht vereinbar sei. Die Menschenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ kritisiert, dass das Recht des nichteinwilligungsfähigen Jungen auf körperliche Unversehrtheit nicht ausreichend geschützt werde. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Georg Ehrmann, sieht den Entwurf als „aktionistischen Schnellschuss“. „Während die Ohrfeige verboten ist, soll nun ein irreversibler, mit den Risiken von erheblichen Nebenwirkungen verbundener und ausgesprochen schmerzhafter Eingriff egal aus welchen Gründen erlaubt werden“, so Ehrmann.

Mit einem neuen Gesetzentwurf soll die Rechtssicherheit in Deutschland wieder hergestellt werden. Aber die Beschneidung bei Jungen sorgt weiterhin für Zündstoff in Deutschland.

Bildquelle:Stocksnapper | Dreamstime.com


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  • Psycho_Dad am 19.10.2012 um 09:53 Uhr

    Ja, Laut grundgesetz hat jeder das Recht auf Religionsfreiheit. Das sollte doch wohl das Kind miteinbeziehen, oder nicht? Was wäre denn nun, wenn der Junge bei entsprechender Auseinandersetzung mit dem Glauben der Eltern entdeckt, dass dies wirklich nicht seine Religion ist und er die reiligiös motivierte Beschneidung ablehnt? Dann stehen die Eltern und das Kind vor einem Problem. Letztendlich ist die Beschneidung eine irreversieble Veränderung des kindlichen Körpers, die meiner Meinung nach nicht ohne eine ausreichende Auseinandersetzung von sowohl Eltern als auch Kindern mit dem Thema des Eingriffs an sich und der Religion als Hintergrund stattfinden sollte. Das setzt für mich vorraus, dass das Kind in der Lage sein sollte sich kritisch mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Als Alternative könnte ich mir vorstellen, dass die Eltern das Recht zur Beschneidung im Kleinkindalter erhalten, das Kind dann aber mit Erreichen der vollen juristischen Mündigkeit die Möglichkeit bekommt, die eltern wegen schwerer Körperverletzung zu verklagen. Anders sehe ich die Sache bei Mädchen. Hier leigt die Sterblichkeitsrate bei über 25% und ich halte die Beschneidung von Frauen für nichts anderes als ein Verbrechen. Bei der Beschneidung von Männern finde ich eine hygienisch motivierte Beschneidung hingegen sinnvoll, da nachgewiesener Weise in Gesellschaften, in denen Beschnitten wird, Frauen seltener an Gebämutterhalskrebs erkranken.

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  • eva19 am 15.10.2012 um 20:43 Uhr

    Naja die machen das ja sowieso ob verboten oder nicht. Ich finde das Gesetz völlig in Ordnung. Wenn wir einen Sohn bekommen wird er auch beschnitten, da er einen muslimischen Vater hat dem das sehr wichtig ist, und ich respektiere seine Religion voll und ganz. Finde das genauso schlimm wie impfen.

    Antworten
  • Kittykatty12 am 15.10.2012 um 11:20 Uhr

    Ich finde das Thema Beschneidung echt schwierig, kenne aber auch die religiösen Hintergründe zu wenig....

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  • MamiJanosch am 15.10.2012 um 10:18 Uhr

    Was heißt denn den Kindeswillen miteinbeziehen? Die Kinder sind doch meist viel zu jung und viel zu beeinflusst, als dass sie da wirklich einen eigenen Willen haben. Man sollte ein Mindestalter einführen und vorher eine verpflichtende Beratung zur Aufklärung. Bei einer Abtreibung muss man sich auch vorher nachweislich beraten lassen, das sollte in einem solchen Fall auch vorgeschrieben sein. Natürlich ist es eine religiöse Überzeugung, die man auch niemandem einfach so streitig machen darf, aber die Kinder sollten ernsthaft die Chance haben, sich zu informieren und eine eigene Meinung zu bilden, ohne nur das Bild der Eltern vermittelt zu bekommen. Wenn sie das dann immer noch aus religiösen Gründen möchten, sollte man es ihnen nicht verwehren, aber auch oder gerade Kinder müssen ein Recht haben, selbst und frei darüber zu entscheiden, was mit ihrem Körper passiert.

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  • Ethan am 13.10.2012 um 15:25 Uhr

    ich finde es ist weiterhin Körperverletzung

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  • Athene_ am 13.10.2012 um 08:55 Uhr

    @Jutta: das stimmt nicht so ganz. Das Beschneidungsalter in arabischen Ländern des Nahen Osten, der Türkei und Iran liegt bei 2-5 Jahren. Bei den Juden sind die Jungen noch Säuglinge.Die Beschneidung muss am 8. Lebenstag des Jungen stattfinden. Aufgrund dieser tatsachen finde ich das "Gesetz" einfach für die Tonne.

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  • student_mum am 12.10.2012 um 18:03 Uhr

    Beschneidung bei Mädchen ist echt noch viel schlimmer!

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  • JuttaB am 12.10.2012 um 17:47 Uhr

    Die Jungs sind, soviel ich weiß, um die 13 Jahre, wenn sie beschnitten werden. Können also theoretisch schon mitreden. Die Beschneidung ist nach wie vor ein heikles Thema. Und die Beschneidung von Mädchen noch viel mehr!!

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  • ConnyFrog am 12.10.2012 um 17:05 Uhr

    Also ich finde es definitiv wichtig, dass zumindest die medizinische Versorgung gewährleistet ist und das nicht in irgendeinem Hinterhof gemacht wird oder so.

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  • Olgivanna am 12.10.2012 um 17:00 Uhr

    Ja, das hab ich mich auch gefragt, daher kommt wohl auch die Kritik von Terre des Femmes am Gesetzesentwurf zur Beschneidung

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  • Athene_ am 12.10.2012 um 14:58 Uhr

    Die Eltern müssen außerdem vorher umfassend aufgeklärt worden sein und der Kindeswille muss miteinbezogen werden. Wie wollen die denn den Kindeswillen wenn das Kind was beschnitten wird paar Tage alt ist oder können die Würmer schon sagen "nein, ich möchte das nicht?"

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