Übergewicht-Studie

Diäten helfen nicht beim Abnehmen

Diäten helfen nicht beim Abnehmen

Wer abnehmen möchte, kennt sie nur allzu gut: Diäten. Ein internationales Forscherteam fand jetzt allerdings heraus, dass Diäten oft nutzlos sind. Die Übergewichtigkeit vieler Betroffener entsteht nicht durch ein selbst bestimmtes Essverhalten, sondern durch eine Veränderung bestimmter Hirnregionen.

Warum fällt es dicken Menschen so schwer abzunehmen? Mit dieser Frage haben sich Forscher aus insgesamt 14 Instituten und Universitäten in Deutschland, Großbritannien und den USA sowie vier Helmholtz-Zentren, Forschungszentren für Gesundheit und Umwelt, fünf Jahre lang beschäftigt. Das Ergebnis: Diäten sind oft nutzlos, da das Essverhalten eines Menschen in seiner Veranlagung liegt.

Gehirn durchkreuzt Diäten

Häufig werden Übergewichtige für ihr enormes Gewicht verantwortlich gemacht. Dabei sei noch unklar, inwieweit die Übergewichtigkeit in der Eigenverantwortung der Betroffenen liege, so Dr. Burkhard Pleger, Oberarzt an der Tagesklinik für kognitive Neurologie der Universitätsklinik Leipzig. „Einige Studien weisen darauf hin, dass auch Veranlagungen zu übermäßigem Essen führen können.“
Die Forscher haben festgestellt, dass bei übergewichtigen Personen Teile des Gehirns, die für die Belohnung zuständig sind, anders strukturiert sind als bei Normalgewichtigen. Ob diese Veränderung aber genetisch bedingt ist oder erst durch das Essverhalten verändert werde, sei noch nicht sicher, so der Hirnforscher.
Wie die Neurobiologin der Abteilung Neurobiologie des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, Dr. Anette Horstmann, erklärt, konnten die Forscher beobachten, dass vor allem Frauen von der Veränderung dieser Hirnregion betroffen sind. Je größer das Gewicht einer Probandin desto stärker die Veränderung der betroffenen Hirnregion. „Im Verhaltensexperiment neigen übergewichtige im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen eher dazu, kurzfristige Belohnungen zu wählen, auch wenn negative Konsequenzen folgen“, so Horstmann.

Diäten helfen nicht beim Abnehmen
Das Verlangen nach Schokolade macht viele Diäten zu nichte.

Diät als Therapie

Auch, wenn sie wissen, dass es figurschädigend ist, greifen übergewichtige Frauen schneller zu einem Stückchen Schokolade als Frauen mit Normalgewicht. „Gleichzeitig wäre das eine Erklärung, warum bei vielen Übergewichtigen Diäten keinen Erfolg haben.“ Laut Horstmann ist dieser Unterschied bei Männern nicht zu beobachten. Die unterschiedliche Größe der Hirnregionen lasse vermuten, dass es Frauen schwerer fällt, ihr Verlangen nach Essen zu regulieren, als Männern.
Dr. Joseph Claßen, Direktor der Klinik für Neurologie an der Universitätsklinik Leipzig, sieht darin die Symptome einer Suchtkrankheit. „Daher ist es notwendig, die Therapie der Fettsucht ähnlich wie die Therapie von Alkohol- und Drogenabhängigen aufzubauen“, so Claßen. Die Forscher raten dazu, Übergewichtige unter psychologischer Betreuung mit Ernährungsaufklärung und –umstellung zu therapieren und die Behandlung an die individuellen Probleme eines Patienten anzupassen.

Im Gegensatz zur landläufigen Meinung sind viele übergewichtige Menschen nicht für ihr Gewicht verantwortlich. Wie ein internationales Forscherteam herausfand, entsteht Übergewicht oft durch Veränderungen im Gehirn.

Bildquelle: Martin Novak | Dreamstime.com

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