Happy Birthday Jim Knopf

Die Augsburger Puppenkiste ist bei Kindern und Erwachsenen so beliebt wie eh und je. Kaum zu glauben, dass die Marionetten ihr Fernsehdebut schon vor 60 Jahren gaben.

Seit Generationen begeistert die Augsburger Puppenkiste Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die liebenswerten Marionetten haben die Fernsehbildschirme erobert, lange bevor Animationsfilme und 3D-Technik bekannt waren. Über moderne Fernsehtechnik können Jim Knopf und seine Freunde nur lachen, denn bei ihrem ersten Fernsehauftritt gab es nichts als ein Marionettentheater vor einer einfachen Fernsehkamera. Heute auf den Tag genau feiert die Augsburger Puppenkiste ihr 60-jähriges Fernsehjubiläum. Herzlichen Glückwunsch.

Wie die Augsburger Puppenkiste das Fernsehen eroberte

Das hätte sich der Erfinder der Augsburger Puppenkiste, Walther Oehmichen, sicher nicht träumen lassen. Nach dem zweiten Weltkrieg war der Puppenspieler mit seinem Marionettentheater vor allem auf kleinen Bühnen in seiner Heimatstadt aufgetreten und hatte wohl kaum vom großen Weltruhm geträumt. Vielleicht wäre es dazu auch nie gekommen, hätte nicht eines schönen Tages ein gewisser Hanns Fahrenburg im Publikum gesessen. Fahrenburg war zu diesem Zeitpunkt Sendeleiter des NWDR, dem Vorgänger der heutigen ARD, und suchte nach neuen Programminhalten für den Auf- und Ausbau des deutschen Fernsehens. Oehmichens liebenswerte Marionetten begeisterten Hanns Fahrenburg sofort und er nahm den Puppenspieler für das deutsche Fernsehen unter Vertrag. Am 21. Januar 1953 flimmerte „Peter und der Wolf“ über die deutschen Fernsehbildschirme und machte die Augsburger Puppenkiste deutschlandweit bekannt. Zunächst waren die Mittel begrenzt. Die Welt der Augsburger Puppenkiste war zunächst schwarz weiß und musste ganz ohne Schnittbilder auskommen. Ein Erzähler und viel Musik sollten das Programm aufpeppen.

Der Erfolg veranlasste schon bald den Hessischen Rundfunk dazu, sich der Produktion anzunehmen und die Möglichkeiten auszubauen. Ein Fernsehteam besuchte das Marionettentheater in Augsburg, im Gepäck einen Schreiner und einen Maler. Für die Fernsehproduktion musste das Theater zwei Monate lang die Vorstellungen vor Publikum einstellen und sich ausschließlich auf das Fernsehen konzentrieren. Es kostete viel Zeit und Mühe, um täglich ungefähr drei bis vier Minuten einer Fernsehproduktion in den Kasten zu bekommen. Die Mühe zahlte sich aber aus, denn nach ungefähr zwei Monaten war mit der „Muminfamilie“ die erste große Fernsehproduktion der Augsburger Puppenkiste entstanden. Das Produktionsmodell machte Schule und bald folgten unvergessene Klassiker wie „Bill Bo“, „Der Räuber Hotzenplotz“, „Kleiner König Kalle Wirsch“ und „Urmel aus dem Eis“, die allesamt ein großer Erfolg wurden. Glanzstück der Augsburger Puppenkiste ist und bleibt allerdings die Fernsehproduktion „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, die Anfang der 60er Jahre erstmals die Bühne der Augsburger Puppenkiste eroberte. Vorlage war das gleichnamige Buch von Michael Ende. 1976 erschien die bekannte Neuverfilmung des Stücks, diesmal sogar in Farbe. Leider blieb der Erfolg der Augsburger Puppenkiste ein Einzelphänomen. Kein anderes Marionettentheater konnte je daran anknüpfen. Es mangelte zwar nicht an Versuchen, wie Anke Scholz, die Vorsitzende des Verbands deutscher Puppentheater erklärt, „Die Präsenz wie die Augsburger hat in der Form aber niemand erreicht, es war dann einfach der Zeitgeist, es passte einfach“.

Die Augsburger Puppenkiste hat die Kinderunterhaltung geprägt

Die Augsburger Puppenkiste feierte ihr großes Fernsehjubiläum.


Ist die Augsburger Puppenkiste noch modern?

Nach ihrem Fernsehdebüt waren die liebenswerten Marionetten der Augsburger Puppenkiste viele Jahre nicht aus dem Programm der ARD wegzudenken. Bis in die 90er Jahre hinein tanzten das Urmel und seine Freunde regelmäßig über die deutschen Fernsehbildschirme. Doch dann war es urplötzlich vorbei, als hätte jemand die Schnüre gekappt. 1999 wurde in der ARD zum letzten Mal „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ausgestrahlt, 2003 war dann auch auf dem Kinderkanal Schluss. Das Argument der Senderverantwortlichen war ernüchternd: Das Format sei nicht mehr zeitgemäß, das Prinzip des Puppentheaters schlicht zu langsam für die heutige Jugend. „Im Fernsehen hat sich die Ästhetik des Puppenspiels etwas überholt“, erklärt Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen in München. „Die Puppen sind ein bisschen zu steif. Auch die Farben sind nicht die, die Kinder heute etwa aus Zeichentrickserien gewohnt sind.“ Als ein weiteres Manko des Marionettentheaters benennt Maya Götz die begrenzte Mimik der Puppen. „Kinder sind heute einfach andere Darstellungsformen gewohnt“, sagt sie bedauernd, ohne jedoch den „alten Wert“ der Augsburger Puppenkiste schmälern zu wollen. Schließlich habe diese Form des Puppentheaters viele Menschen geprägt. Das sieht auch Klaus Marschall so, der seit 1992 der Chef der Augsburger Puppenkiste ist. „Unsere Stärke ist nach wie vor, dass wir gute Geschichten erzählen,“ betont er, „Das ist immer noch etwas Nachhaltigeres als Zeichentrickserien, auch wenn sie heute in der Überzahl sind. Wir müssen uns fragen, was wir unseren Kindern heute anbieten wollen. Sonst könnten wir auch sagen, Bücher sind nicht mehr zeitgemäß.“ Die Augsburger Puppenkiste sei im Fernsehen nicht mehr so präsent wie in den 70er oder 80er Jahren, „aber man muss natürlich auch die veränderte Medienlandschaft sehen“, gibt er zu bedenken.

Eben diese scheint die Augsburger Puppenkiste noch nicht ganz aufgeben zu wollen. Seit Beginn des Jahres gehört den Marionetten wieder ein kleiner Sendeplatz im Bayerischen Rundfunk, und zwar im Rahmen der Sendung „Freitag auf d’Nacht“, die jeweils kurze Episoden aus der Augsburger Puppenkiste zeigt. Damit sind Jim Knopf und Co. zwar meilenweit von dem entfernt, was sie einmal in der Kinderunterhaltung dargestellt haben, aber immerhin sind sie nicht völlig von der Bildfläche verschwunden.

Die Augsburger Puppenkiste feierte heute ihr 60-jähriges Fernsehjubiläum. Auch wenn es in den vergangenen Jahren ruhig geworden ist um die liebenswerten Marionetten und ihre Geschichten, haben sie doch die Welt der Kinderunterhaltung viele Jahre lange geprägt. Herzlichen Glückwunsch der Augsburger Puppenkiste und auf ein baldiges Wiedersehen im deutschen Fernsehen.

Bildquelle: Kropic | Dreamstime.com


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Was denkst du?

  • minzmama am 23.01.2013 um 10:47 Uhr

    Ich hab die Augsburger Puppenkiste früher immer sehr gerne geschaut!

    Antworten
  • DoubleChocChoc am 23.01.2013 um 10:24 Uhr

    Die Augsburger Puppenkiste ist Kult. Schade, dass man nur noch so wenig davon mitbekommt.

    Antworten
  • PiaPimpinella am 22.01.2013 um 09:31 Uhr

    Ich liebe die Augsburger Puppenkiste. Da kommen so viele Kindheitserinnerungen hoch 🙂 Ein schöner Beitrag.

    Antworten
  • chrissy82 am 22.01.2013 um 09:25 Uhr

    Oh ja, die Augsburger Puppenkiste fand ich früher schon immer toll! 🙂

    Antworten