Die Ganztagsschule

Während die Ganztagsschule in anderen Ländern schon seit Jahrzehnten der Normalfall ist, befindet sich Deutschland in dieser Hinsicht zurzeit noch im Umbruch. Erst nach und nach wird die Ganztagsbetreuung an immer mehr Schulen eingeführt und ist in vielen Fällen noch nicht verpflichtend. Was macht eine Ganztagsschule eigentlich aus und welche Gründe sprechen dafür oder auch dagegen, Dein Kind auf eine Ganztagsschule zu schicken?

Die Ganztagsschule: Gut betreut von früh bis spät

In Deutschland darf sich eine Schule nur dann Ganztagsschule nennen, wenn sie mindestens an drei Tagen pro Woche eine Nachmittagsbetreuung für Schüler gewährleistet. In der Nachmittagszeit nach dem gemeinsamen Mittagessen gibt es sowohl Lern- als auch Freizeitblöcke: Während der Hausaufgaben beaufsichtigen Erzieher und Lehrer die Kinder und stehen ihnen bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite. In der freien Zeit können die Kinder unter Beaufsichtigung in den Betreuungsräumen und auf dem Schulhof spielen, wobei die Erzieher ihnen auch regelmäßig bestimmte Aktionen anbieten: Von Basteln über Gesellschaftsspiele bis hin zu Ausflügen ist hier alles dabei. Viele Ganztagsschulen organisieren ihr Nachmittagsprogramm zudem in sogenannten Arbeitsgemeinschaften (AGs). Die Kinder können selbst wählen, an welchen AGs sie teilnehmen möchten. Das Angebot umfasst meist ein breites Spektrum: Kinderchor, Blockflötenkurse, Natur-AG, Fußball oder andere Sportarten, Zeitungs-AG und vieles mehr – da fällt die Wahl oft gar nicht leicht. Da die Erzieher der Ganztagsschule nicht alle AGs übernehmen können, werden auch Profis von außerhalb engagiert und einige AGs werden meist von Eltern übernommen. Den Kindern bietet das abwechslungsreiche Nachmittagsangebot die Möglichkeit, auszuprobieren, wo ihre Stärken und Interessen liegen.

Ganztagsschule: Kinder beim Essen

In der Ganztagsschule wird gemeinsam gegessen, gelernt und gespielt.


Offene oder gebundene Ganztagsschule?

Grundsätzlich gibt es einen großen Unterschied zwischen offenen und gebundenen Ganztagsschulen. Eine offene Ganztagsschule verfügt zwar über ein Betreuungsangebot für die Nachmittagsstunden, dieses ist jedoch nicht verpflichtend für alle Schüler. Im Gegenteil – meist sind gar nicht genug Betreuungsplätze vorhanden, um alle Kinder der Schule unterzubringen. Solltest Du Dein Kind an einer offenen Ganztagsschule anmelden und die Nachmittagsbetreuung in Anspruch nehmen wollen, solltest Du Dich daher so früh wie möglich um einen Platz bewerben. Eine gebundene Ganztagsschule zeichnet sich dadurch aus, dass alle Schüler oder zumindest alle Schüler eines bestimmten Klassenverbundes verpflichtend am Nachmittagsprogramm teilnehmen. In Deutschland führten zunächst die Gesamtschulen dieses Konzept ein, es setzt sich aber zunehmend auch an Grundschulen und anderen weiterführenden Schulen durch. Der Vorteil der gebundenen Ganztagsschulen liegt darin, dass Freizeit und Lernzeit besser verbunden und über den gesamten Tag verteilt werden können, da alle Schüler den ganzen Tag über in der Schule bleiben. Die Hausaufgaben werden auch hier in die Lernzeit integriert. Zurzeit gibt es vor allem im Grundschulbereich mehr offene als gebundene Ganztagsschulen in Deutschland. Experten vermuten aber, dass die weitere Entwicklung des Schulsystems immer mehr gebundene Ganztagsschulen hervorbringen wird.

Kosten für die Betreuung in der Ganztagsschule

Insbesondere bei einer offenen Ganztagsschule zahlst Du als Mami einen bestimmten Beitrag, um die Betreuung Deines Kindes sowie Materialien, Getränke und Lebensmittel mitzufinanzieren. Darüber hinaus übernehmen meist das jeweilige Bundesland und der Trägerverein einen Großteil der Kosten. Wie viel Du für die Betreuung Deines Kindes bezahlen musst, hängt vom gemeinsamen Einkommen beider Eltern ab. Je niedriger dies ist, desto kleiner ist auch der fällige Beitrag, unter einer bestimmten Einkommensgrenze ist sogar gar kein Beitrag fällig. Der Besuch einer gebundenen Ganztagsschule ist meist nicht kostenpflichtig, hier musst Du lediglich für das Mittagessen Deines Kindes aufkommen. Da sich die Kostenregelungen von Bundesland zu Bundesland unterscheiden, solltest Du Dich auf jeden Fall im Vorfeld informieren, welche Kosten auf Dich zukommen werden.

Vorteile einer Ganztagsschule für Dein Kind

Natürlich bietet sich eine Ganztagsschule vor allem für Schüler an, deren Eltern beide berufstätig sind. Anstatt den Nachmittag alleine in Haus oder Wohnung zu verbringen, sind die Kinder unter Gleichaltrigen und werden von geschulten Pädagogen betreut. Gerade bei gebundenen Ganztagsschulen ist auch die gleichmäßige Aufteilung in Unterricht, Erholungs- und Bewegungsphasen ein großes Plus. Viele Kinder können sich besser auf neuen Unterrichtsstoff konzentrieren, wenn sie zwischen den Schulstunden Zeit haben, sich zu entspannen und auszutoben. Statt Hausaufgaben gibt es hier meist spezielle Übungsphasen, in denen die Kinder auch individuell gefördert und unterstützt werden – Dir erspart diese Aufteilung mögliche Konflikte während der Hausaufgabenbetreuung zu Hause und Du kannst den späten Nachmittag und den Abend mit Deinem Kind völlig unbelastet genießen. Auch für die sozialen Kompetenzen Deines Kindes bringt eine Ganztagsschule viele Vorteile mit sich. Durch die gemeinsame Lern- und Freizeit mit Kindern aus den unterschiedlichsten Familien und Kulturen lernt es ganz nebenbei Toleranz und Verständnis und übt, sich in einer größeren Gruppe zu engagieren und zu behaupten. Indem Dein Kind selbst auswählen kann, welche Freizeitaktivitäten es in der Schule machen möchte, kann es zudem seine Freizeit selbstständig gestalten und viele neue Interessengebiete kennenlernen.

Was könnte gegen eine Ganztagsschule sprechen?

Einige Eltern wehren sich gegen das Konzept der Ganztagsschule – insbesondere des gebundenen Modells –, da sie beispielsweise selbst nur halbtags arbeiten und die Nachmittage gerne mit ihrem Kind verbringen möchten. Einige Kritiker zweifeln auch an, dass den Kindern in der Schule genug Raum zur freien Entfaltung gegeben wird und befürchten, dass einige Schüler mit dem Alltag in einer Ganztagsschule überfordert sein könnten. Insgesamt überwiegen aber die positiven Einschätzungen dieser Schulform. Gerade für Kinder aus sozial schwachen Familien stellt die Ganztagsbetreuung einen großen Schritt in Richtung Chancengleichheit dar.

In der Ganztagsschule wird Dein Kind von morgens bis zum späten Nachmittag betreut und unterrichtet. Während bei einem offenen Konzept nur ein Teil der Schüler je nach Bedarf nachmittags betreut wird, bleiben in einer gebundenen Ganztagsschule alle Schüler oder zumindest vollständige Klassen bis zum Nachmittag in der Schule. Wenn Du Dir eine Ganztagsschule für Dein Kind vorstellen kannst, ist es sinnvoll, im Vorfeld einen Tag der offenen Tür oder eine Informationsveranstaltung zu besuchen. Denn jede Schule ist anders und auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern sind nicht zu unterschätzen.

Bildquelle: monkeybusinessimages/iStock/Thinkstock


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Was denkst du?

  • love_jack24 am 18.09.2014 um 17:46 Uhr

    Eine Ganztagsschule hat schon so ihre Vorteile, aber ich weiß noch nicht so genau, ob es das richtige für uns ist.

    Antworten
  • MutziPutzi am 26.05.2014 um 16:41 Uhr

    Also ich war auch auf einer Ganztagsschule und ichfands echt schön 🙂 Klar, war man ein wenig eifersüchtig auf Kinder, die immer schon um 12 Uhr daheim waren, aber dafür gab es coole AGs und sowas.

    Antworten
  • Sieglinda am 26.05.2014 um 12:47 Uhr

    Mein Sohn ist seit jeher auf einer Ganztagsschule und es ist einfach wunderbar. So konnte ich auch viel früher schon wieder ganztags arbeiten und hatte keine Angst, dass er zu Hause Unfug macht.

    Antworten