Expertenmeinung: Mobbing in der Schule

Bei Mobbing in der Schule reagieren viele Mütter mit Hilflosigkeit. Deshalb haben wir alle Fragen zum Thema Mobbing an einen Experten weitergeleitet. Der Diplom-Sozialpädagoge Thomas Sonnenburg hat 20 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Familien und Jugendlichen. Er ist der TV-Coach bei „Die Ausreißer“ (RTL) und berät auf der Internetplattform Motivado.de rund um das Thema Mobbing.

Alles zum Thema Mobbing an der Schule

Mobbing in der Schule: Seit 20 Jahren arbeitet Thomas Sonnenburg mit Familien und Jugendlichen.

Thomas Sonnenburg hat 20 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Familien und Jugendlichen.

Mamifrage: Wie bemerke ich überhaupt, dass mein Kind in der Schule gemobbt wird? Was für Anzeichen gibt es für Mobbing in der Schule?

Thomas Sonnenburg: Es gibt unterschiedliche Symptome, die auf Mobbing in der Schule hindeuten. Daher ist es im ersten Schritt sehr wichtig, dass Eltern ihre Kinder kennen und Veränderungen im Verhalten bemerken.
Oftmals werden gemobbte Kinder sich zurückziehen. In anderen Fällen hat das Kind auch Angst vor der Schule. Diese Angst geht meist mit körperlichen Beschwerden einher, wie z.B. regelmäßigen Bauch- oder Kopfschmerzen. Das zu erkennen und richtig zu deuten ist natürlich nicht leicht. Deshalb habe ich einen kostenlosen Mobbing-Test zur Verfügung gestellt, der alle Symptome Schritt für Schritt abklopft.

Mamifrage: Ich habe den Verdacht, dass mein Kind in der Schule gemobbt wird. Wie spreche ich es darauf an?

Thomas Sonnenburg: Vor allem sehr behutsam, denn die direkte Konfrontation bringt normalerweise nichts. Die erfährt es in der Schule schon genug. Idealerweise erzählt Ihr Kind von selbst von seinen Erfahrungen. Dafür ist es wichtig, dass Sie als Vater oder Mutter die Voraussetzungen schaffen, in denen sich Ihr Kind sicher und geborgen fühlt. Denn nur dann wird es sich öffnen. Ich nenne das den „sicheren Hafen“, der einen beschützt und umsorgt.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gemeinsame Aktivitäten, wie z.B. gemeinsames Kochen oder – wenn Ihr Kind jünger ist – gemeinsames Spielen eine angemessene Atmosphäre erzeugen kann. Lenken sie die Konversation dann behutsam auf die Schule oder die Mitschüler. Stellen Sie Fragen und signalisieren Sie ernsthaftes Interesse. Wenn Sie jedoch merken, dass Ihr Kind noch nicht bereit ist, über das Erlebte zu sprechen, drängen Sie es bitte nicht.

Mamifrage: Was ist eigentlich Cybermobbing, wie gefährlich ist es und wie kann ich mein Kind davor schützen?

Thomas Sonnenburg: Unter dem Begriff „Cybermobbing“ versteht man Mobbing im Internet. Das kann durch gezielte Nachrede in Foren sein oder auch fiese Videos in sozialen Netzwerken wie Facebook.
Cybermobbing ist in der Tat gefährlich, weil das Internet eine anonyme Bühne bietet, deren Reichweite keine Grenzen kennt. Das macht es so fatal. Die Einstiegshürde ist sehr niedrig, es gibt kaum Kontrollen und die Folgen sind öffentlich und nur schwer zu beseitigen – vor allem, wenn sich die Inhalte schon verbreitet haben. Deshalb ist der Effekt von Cybermobbing auf die Psyche von Kindern oftmals sogar gravierender als bei „normalem“ Mobbing. Bei Mobbing in der Schule kann man sich zurückziehen, aber aus dem Internet eben nicht.

Der beste Schutz gegen Cybermobbing ist daher, zu wissen, was mein Kind im Internet macht, bei welchen Plattformen es angemeldet ist und welche Informationen es dort über sich preisgibt. Doch es geht nicht um Kontrolle, sondern viel mehr um den richtigen Umgang mit dem Medium. Kinder unterschätzen oftmals, was für ein öffentlicher Ort das Internet ist. Machen Sie Ihrem Kind daher früh bewusst, dass Plattformen wie SchülerVZ oder Facebook keine Seiten sind, auf denen intime Details oder Fotos preisgegeben werden sollen. Denn solche Details sind häufig der Anstoß für Mobbing, weil sie von Mitschülern sofort aufgegriffen werden können.

Sollte über Ihr Kind dann wirklich einmal etwas Unschönes oder Diffamierendes verbreitet werden, dann müssen Sie schnell reagieren und die betreffenden Inhalte sofort und für immer löschen lassen. Alle großen Plattformen bieten dafür mittlerweile einen Anlaufpunkt. Ansonsten ist der Webmaster dafür verantwortlich.

Mamifrage: Mein Sohn ist selbst “Mobber”. Wie mache ich ihm klar, dass er sich nicht so verhalten soll?

Thomas Sonnenburg: Die meisten Eltern kommen erst gar nicht zu der Erkenntnis, dass das eigene Kind etwas Unrechtes tut. Daher ist es ein großer erster Schritt, das überhaupt zu bemerken. Um das Verhalten Ihres Kindes dann zu ändern, sollten Sie ihm ganz klar zeigen, welchen Schaden es anrichtet. Mobbing-Opfer leiden oftmals jahrelang unter dem Erlebten. Machen Sie Ihrem Kind genau das bewusst. Versetzen Sie sich zusammen mit Ihrem Kind in die Lage des Opfers. Was empfindet der/die Mitschüler(in), wenn er/sie von allen ausgegrenzt wird? Wie muss es sich anfühlen, jeden Tag mit Angst in die Schule zu gehen? Und dann ist es wichtig, auch Konsequenzen aufzuzeigen, falls das Mobbing in der Schule doch fortgesetzt werden sollte. Reden Sie deshalb auf jeden Fall auch mit der Schule, um an dieser Stelle immer informiert zu sein.

Mobbing in der Schule: Behutsamkeit beim Verdacht auf Mobbing.

Bei Verdacht auf Mobbing in der Schule ist Behutsamkeit gefragt.

Mamifrage: Wie wehre ich mich als Mutter gegen Mobber meines Kindes? Kann ich Mitschüler oder Lehrer wegen Mobbing in der Schule anzeigen?

Thomas Sonnenburg: Eine Anzeige ist nur das allerletzte Mittel, denn mit der Anzeige bestrafen Sie zwar den einen Täter, das Problem lösen Sie allerdings nicht. Hierzu muss man verstehen, dass Mobbing ein dynamischer Prozess ist. Es gibt oft nur einen oder zwei Haupttäter, doch viele Außenstehende, die den Täter zum Weitermachen animieren. Sie bieten überhaupt erst die Bühne für das Mobbing. Um das Mobbing in der Schule zu beenden, ist es wichtig, dass sich sowohl der/die Täter als auch die passiven Mittäter über die Schäden ihrer Tat bewusst werden. Beim Täter erreicht man das z.B. durch ein ausgleichendes Opfer-Täter-Gespräch. In meinem Coaching-Programm gibt es hierzu extra ein eigenes Kapitel. Dort wird detailliert erklärt, wie so etwas abläuft und man sich und sein Kind auf ein solches Gespräch vorbereitet.

Mamifrage: Wenn das Mobbing in der Schule nicht aufhört, ist es vielleicht besser und einfacher, mein Kind von der Schule zu nehmen? Nach dem Motto: „Neuer Start, neues Glück“?

Thomas Sonnenburg: Ein Schulwechsel kann in der Tat ein Neustart sein, aber einfach ist das auch nicht. Denn ein Schulwechsel löst an sich keine Probleme. Mobbing in der Schule hat viel mit dem Auftreten und dem Selbstbewusstsein eines Kindes zu tun. Und das ist dann auch in einem neuen Umfeld entscheidend. Fakt ist: Selbstbewusste Kinder werden seltener Mobbing-Opfer. Daher ist es wichtig, Ihr Kind aktiv zu stärken. Loben Sie es zum Beispiel oder bestärken Sie es in seiner Meinung. Oft helfen dabei auch kleine Erfolge im Sportverein oder die Teilnahme an einem Selbstverteidigungskurs. Durch Erfolgserlebnisse wird Ihr Kind automatisch selbstbewusster und dadurch sinkt auch das Risiko, am Ende Opfer von Mobbing zu werden.


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Was denkst du?

  • Adrenalinchen am 29.04.2014 um 17:29 Uhr

    Mobbing ist echt schrecklich. Ich versteh nicht, wieso Menschen sowas machen müssen. Was soll so ein Mist denn?

    Antworten
  • Toffyfe am 05.03.2014 um 12:12 Uhr

    Mobbing ist das schlimmste was es gibt! Es ist wichtig seine Kinder auch schon früh darüber aufzuklären, dass sie über sowas mit einem reden können. Schule kann der Horror für das Kind sein wenn es von Klassenkameraden schickaniert wird! 🙁

    Antworten
  • Kruemel4 am 26.09.2011 um 12:45 Uhr

    das hoffe ich auch! find die sendung auf rtl übrigens toll!

    Antworten
  • kokos_flocke am 12.09.2011 um 16:08 Uhr

    ah den kenn ich aus dem fernsehen. find ich gute tipps, hoffentlich ist mein kleiner mal nicht von sowas betroffen

    Antworten