Expertenmeinung: Zahnarztangst bei Kindern

Für Kinder stellt der Zahnarztbesuch meistens eine befremdliche und oftmals auch angsteinflößende Situation dar. Eltern wissen nichtimmer, wie sie damit am besten umgehen sollen. An dieser Stelle sind Experten gefragt, die sich mit Einfühlungsvermögen und Fachkenntnis behutsam auf die Unsicherheiten und Ängste der Kleinen einlassen, um einen Behandlungserfolg sicherzustellen. Dr. med. dent. Yvonne Knyhala, Zahnärztin mit Tätigkeitsschwerpunkt Kinder- und Jugendzahnmedizinin der Kinderzahnarztpraxis Oppspring, erklärt, was Eltern beachten müssen:

Interview zum Thema Zahnarztangst

Dr. med. dent. Yvonne Knyhala beantwortet Eure Fragen zum Thema “Zahnarztangst bei Kindern”

Mamifrage 1: Warum haben Kinder vor dem Zahnarzt mehr Angst als vor anderen Ärzten?

„Ob diese Aussage tatsächlich so stimmt, kann ich nicht beurteilen. Zahnarztangst stellt jedoch eine weit verbreitete Form dar, die auch Erwachsene häufig betrifft. Das Auftreten im Kindesalter lässt sich dabei durch mehrere Faktorenerklären: Zum einen benutzen Eltern den Zahnarztbesuch häufig als Androhung, wenn ihre Schützlinge im Übermaß zu Süßigkeiten greifen oder sich nicht die Zähne putzen wollen. Hierdurch entsteht von Anfang an eine negative Assoziation im Kopf des Kindes, wenn es an den Zahnarzt denkt. Zum anderen lösen gut gemeinte Aussagen wie ‚Es tut bestimmt nicht weh!‘ oder ‚Du musst keine Angst haben!‘ vor dem Arztbesuch in vielen Fällen ebenfalls negative Gefühle bei Kindern aus, da bei ihnen unterbewusst nur die Warnsignale ‚tut weh‘ und ‚Angst‘ ankommen. Natürlich spielt auch die Persönlichkeit der Kleinen eine große Rolle: Von Natur aus unsichere Typen entwickeln eher Ängste als starke, selbstbewusste Kinder.“

Mamifrage 2: Worauf sollte ich als Mutter bei der Wahl des Arztes besonders achten? Und was kann der Zahnarzt tun, um meinem Kind die Angst zu nehmen?

„Zu den wichtigsten Auswahlkriterien gehört eine Ausbildung in der Kinderzahnheilkunde. Darüber hinaus sollten auch eine kindgerechte Praxisatmosphäre und freundliches Personal einen Aspekt bei der Entscheidung ausmachen. Hier hilft es, die Praxis einmal anzuschauen, bevor Eltern einen Behandlungstermin vereinbaren. Beim ersten Zahnarztbesuch bestehen dann verschiedene Möglichkeiten, den kleinen Patienten die Angst vor der befremdlichen Situation zu nehmen. Zunächst findet die Kennenlernphase statt, in der ich in Ruhe die weitere Vorgehensweise erkläre sowie eventuelle Fragen der Kinder eantworte. Hierbei sollte sich die Mutter oder der Vater jedoch eher im Hintergrund aufhalten und ein ungestörtes Kennenlernen ermöglichen. Auf spielerische Art erklären wir dann Untersuchungsgeräte wie Spiegel und Sauger und versuchen so erste Berührungsängste abzubauen. Um Kinder möglichst sanft an den Zahnarztbesuch heranzuführen, sollten am ersten Tag auf keinen Fall Behandlungen stattfinden, es sei denn, es bestehen akute Zahnschmerzen. Steht eine unangenehme Prozedur an, vereinbaren wir mit dem Kind vorher ein Notfall-Zeichen, bei dem wir diese sofort unterbrechen. So entsteht das Gefühl, die Situation kontrollieren zu können. Bei ausgeprägten Ängsten helfen bestimmte Entspannungstechniken oder auch eine Hypnosetherapie.“

Mamifrage 3: Wie nimmt man Kindern die Zahnarztangst, wenn man selbst auch Angst vor dem Arztbesuch hat?

„Wenn Eltern selber Angstpatienten sind, sollten sie ihre Kinder nicht zu den eigenen Terminen mitnehmen, weil diese die Angst spüren. In den meisten Fällen übertragen Eltern unabsichtlich und unbewusst ihre Angst vor dem Zahnarzt auf ihre Kinder, indem sie den nächsten Besuch regelmäßig aufschieben und voller Bedenken über ihn sprechen. Da
Kinder von dem Verhalten der Erziehungsberechtigtenlernen, stellt sich auch bei ihnen schnell eine Unsicherheit und Angst ein. Somit sollten Familienmitglieder möglichst neutral über den Zahnarzt reden, auch wenn sie selbst auf schlechte Erinnerungen zurückblicken müssen. Es ist wichtig, dass die Kleinen ihre eigenen Erfahrungen machen und nicht schon im Vorhinein negativ beeinflusst werden.“

Mamifrage 4: Was kann ich als Mami tun, um meinem Kind die Angst zu nehmen? Stimmt es, dass man Kindern mit Bilderbüchern die Angst nehmenkann? Können Sie da bestimmte empfehlen?

„Damit Kinder erst gar keine Angst vor dem Zahnarzt entwickeln, hilft es, das Thema frühzeitig anzusprechen. Kinder dürfen und sollten ihre Eltern zudem regelmäßig bei ihren Vorsorgeuntersuchungen begleiten, sodass sich eine gewisse Routine einstellt und der Zahnarztbesuch zu einer vertrauten Situation wird. Erklärungen zur Behandlung und zu Instrumenten sollten die Eltern jedoch der jeweiligen Kinderzahnärztin überlassen, weil in der Behandlung von Kindern andere Begriffe verwendet werden als bei Erwachsenen. Des Weiteren können natürlich auch Bilderbücher rund umdas Thema ‚Mein erster Zahnarztbesuch‘ – wie etwa ‚Caillou‘ oder ‚Karius und Baktus‘ – helfen, um die Kleinen frühzeitig an diesen zu gewöhnen.“

Mamifrage 5: Ab wann und wie oft sollte man mit seinem Kind zum Zahnarzt gehen, damit es sich früh an den Zahnarztbesuch gewöhnt?

„Sobald die ersten Milchzähne durchgebrochen sind, empfiehlt es sich, den ersten Kontrollbesuch beim Zahnarzt zu vereinbaren. In derRegel ist der Zahnungsprozess im Alter von zwei bis zweieinhalb Jahren abgeschlossen. Danach raten wir, alle vier Monate eine Vorsorgeuntersuchung wahrzunehmen, in der bei Bedarf eine professionelle Reinigung, Fluoridierung sowie Versiegelung der Zähne stattfinden. Wenn gewünscht, ermitteln wir ebenfalls das individuelle Kariesrisiko und führen eine gesundheitsorientierte Ernährungsberatung durch. “

Mamifrage 6: Wie vermeide ich als Mutter, dass sich die Zahnarztangst meines Kindes nach einer negativen Erfahrung, wie zum Beispiel Schmerzen beim Bohren, verstärkt?

„Zum einen müssen die Kleinen auf die bevorstehende, eventuell unangenehme Behandlung vorbereitet werden. Dabei sollten Eltern zwar immerehrlich, aber dennoch vorsichtig bei Formulierungen bleiben. Worte wie ‚Spritze‘ solltendurch positiver besetzte Begriffe wie etwa ‚Schlafwasser‘ ersetzt werden. Verharmlosen Eltern schmerzhafte Situationen jedoch, ist der Schreck bei der Behandlung umso größer und Kinder verlieren zusätzlich das Vertrauen in die Aussagen der Eltern. So werden sieim Anschluss unsicherer und die Angst verstärkt sich. Steht eine unangenehme Behandlung an, sollte diese vormittags stattfinden. Ausgeschlafen können sich Kinder besser konzentrieren und länger still sitzen. Eine Belohnung am Ende der Behandlung hilft, das Ereignis dennoch mit positiven Gefühlen zu verknüpfen.“


Täglich kostenlose News zu Lifestyle, Liebe & mehr!

In zwei einfachen Schritten per WhatsApp auf dein Smartphone:

  • Klicke auf „Start“ und schicke in WhatsApp die Nachricht ab.
  • Speichere unbedingt unsere Nummer als „desired“, um den Newsletter zu erhalten!
Start
Sorry, beim ermitteln der Kontaktnummer ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuche es später noch einmal.

Durch senden der WhatsApp stimme ich der Verarbeitung personenbezogener Daten zu.

Was denkst du?

  • tng_drm am 02.09.2014 um 17:55 Uhr

    Uhh, ich kann mir immer noch Schöneres vorstellen, als zum Zahnarzt zu gehen. Trotzdem sollte man aufpassen, dass keine regelrechte Zahnarztangst bei den Kindern auftritt.

    Antworten
  • Nadine1234 am 18.12.2013 um 17:17 Uhr

    Zahnarztangst kommt ja meist auch noch bei Erwachsenen vor. Ich hatte da nie Probleme mit, hatte aber auch nie Problemen mit meinen Zähnen.

    Antworten
  • Mirabella7 am 25.11.2013 um 11:52 Uhr

    Ich finde auch: Wenn man die Kids ganz früh daran gewöhnt und den Besuch möglichst positiv gestaltet, komm Zahnarztangst erst gar nicht auf!

    Antworten
  • Stiftebecher85 am 21.11.2013 um 10:17 Uhr

    Ich bin schon ganz früh mit den beiden das erste Mal zum Zahnarzt. Sie kennen das und haben dementsprechend auch keine Zahnarztangst

    Antworten
  • HexchenBibi am 01.07.2013 um 13:13 Uhr

    Zahnarztangst gibt es bei uns eigentlich auch nicht. Aber da auch mein Mann und ich nie große Probleme hatten, haben wir das wohl an die Kinder auch eher als Routine weitergegeben. In anderen Familien sieht das ja schon mal deutlich anders aus.

    Antworten
  • Zuckerwattemami am 12.03.2013 um 11:36 Uhr

    Also da kann ich mich bei uns überhaupt nicht beschweren. Unsere Zahnärztin ist sehr lieb und wir haben eigentlich alle keine Angst, zu ihr zu gehen. Bisher waren wir aber auch noch von größeren Eingriffen verschont, zum Glück.

    Antworten