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Ohne Spielzeug

Spielzeugfreier Kindergarten

Spielzeugfreier Kindergarten

Spielzeug gehört heutzutage zu einer glücklichen Kindheit einfach dazu. Dem würden vermutlich viele Eltern zustimmen. Doch ist das wirklich der Fall? Ein spielzeugfreier Kindergarten soll dazu dienen, Eltern, Erziehern und Kindern zu zeigen, dass es auch ganz ohne Spielsachen geht.

Ein spielzeugfreier Kindergarten ist – wie der Name bereits vermuten lässt – ein Kindergarten, in dem komplett auf Spielzeug verzichtet wird. Ein pädagogisches Konzept ist dies strenggenommen allerdings nicht, sondern eher ein Projekt, das in jedem Kindergarten durchgeführt werden kann. Die Idee dahinter wird Dir vermutlich auf den ersten Blick befremdlich erscheinen. Schließlich ist mit Spielzeug ausnahmlos alles gemeint, von Puzzles und Brettspielen über Bücher und Puppen bis hin zu Werkzeug und Stiften. Ein spielzeugfreier Kindergarten mag Dir daher zunächst einmal sogar grausam erscheinen. Womit sollen die Kinder schließlich den ganzen Tag spielen? Die Antwort ist so simpel wie genial: miteinander, anstatt mit dem Spielzeug!

Spielzeugfreier Kindergarten: Kinder spielen draußen.
Ein spielzeugfreier Kindergarten legt vor allem Wert auf das Miteinander.

Das Projekt „spielzeugfreier Kindergarten“

Das Projekt „spielzeugfreier Kindergarten“ startete im Jahr 1992 als eine Maßnahme zur primären Suchtprävention. Was dramatisch klingt, ist eigentlich ganz logisch: Wenn Kinder permanent mit Spielzeug spielen, können sie sich irgendwann nicht mehr ohne beschäftigen. Dazu kommen die Kinder, die bei Frust und aus Angst vor sozialen Kontakten gleich zum Spielzeug greifen und sich dahinter regelrecht verstecken. Um diesem Trend entgegenzuwirken, ist ein spielzeugfreier Kindergarten genau der richtige Anhaltspunkt. Während die Kleinen nämlich zu Hause teilweise auf Spielzeug angewiesen sind, da sie möglicherweise keine Geschwister haben und auch die Eltern nicht immer Zeit haben, sind sie im Kindergarten in der Gruppe unterwegs und haben so die Möglichkeit, sich gegenseitig mit selbst ausgedachten Spielen zu beschäftigen. Das Projekt dauert in der Regel drei Monate und kann grundsätzlich durchgeführt werden, wenn mindestens 80 Prozent der Eltern und Erzieher – nach Aufklärung über den Sinn der Maßnahme – dafür sind. Die Erzieher halten sich in der Anfangszeit dann erst einmal komplett zurück und lassen die Kinder entscheiden, was sie mit ihrer Zeit anfangen sollen. Erst nach etwa einem Monat wenn das Spiel schon ordentlich in Gang ist, sollen sie auch mit einigen Anregungen und Ideen eingreifen.

Spielzeugfreier Kindergarten: Der Sinn dahinter

Natürlich ist ein spielzeugfreier Kindergarten nicht nur zum Spaß gedacht. Wie bereits angedeutet, soll es die Kinder davon abhalten, regelrecht süchtig nach Spielzeug zu werden. Heutzutage ist es sehr verlockend, ständig Spielzeug zu schenken. Geburtstage, Weihnachten, Nikolaus, Ostern etc. bieten zahlreiche Anlässe dafür und meist gibt es von der lieben Verwandtschaft auch immer noch etwas ganz ohne Grund geschenkt. Teilweise wird Spielzeug sogar als Belohnung eingesetzt, wenn ein Kind zum Beispiel bei einem Arztbesuch besonders lieb war. Genau das setzt aber falsche Signale und zeigt den Kindern, dass Spielzeug eine Belohnung ist und sie immer mehr brauchen, um sich gut zu fühlen und Spaß zu haben. Dazu kommt noch, dass die Spielzeuge heutzutage immer weniger Spielraum für die Fantasie lassen. Gab es früher hauptsächlich Bauklötze, Puppenhäuser und Co. gibt es mittlerweile immer mehr Lerncomputer oder Ähnliches, durch die die Fantasie in keinster Weise gefördert wird. Um dies zu verhindern, verbannt ein spielzeugfreier Kindergarten alles, was der Kreativität nicht zugute kommt.

Spielzeugfreier Kindergarten: So sieht der Alltag aus!

Erzieher, in deren Einrichtung das Projekt „spielzeugfreier Kindergarten“ durchgeführt wurde, berichten davon, dass die Anfangszeit noch sehr chaotisch ist. Die Kinder müssen sich erst einmal an die neue Situation gewöhnen. Sobald dies der Fall ist, ist zu beobachten, dass das Einzelspiel immer seltener wird und die Kinder beginnen, sich neue Spielsachen zu basteln oder vermehrt Fangen, Verstecken oder Mutter, Vater, Kind spielen. Grundsätzlich soll ein spielzeugfreier Kindergarten auch nicht so verstanden werden, dass den Kleinen das Spielzeug weggenommen wird. Vielmehr sollen sie ihr Spielzeug selbst entwickeln. Aus diesem Grund wird nach einiger Zeit von den Erziehern oder auf vorherige Nachfrage der Kinder bestimmtes Werkzeug wieder zugänglich gemacht. Auch bestimmte Spielsachen, die die Kreativität fordern, anstatt sie einzuschräken, können die Erzieher nach einiger Zeit wieder in die Gruppe geben.

Spielzeugfreier Kindergarten: Was sind die Ziele?

Neben der Verhinderung der regelrechten Spielzeugsucht, soll ein spielzeugfreier Kindergarten noch die Kreativität der Kinder fördern. Durch die Fixierung auf bestimmte Spielzeuge wird diese nämlich oft kläglich vernachlässigt. Durch Spiele wie Fangen, Verstecken oder selbst ausgedachte Spiele sollen sie ihre Kreativität wieder nutzen. Gerade diese Spiele haben jedoch auch noch einen anderen Nutzen, denn während Kinder, die Spielzeug haben, einfach mit dem Spielzeug spielen, spielen Kinder ohne Spielzeug miteinander. So fördert ein spielzeugfreier Kindergarten die Interaktion der Kleinen untereinander und fordert zu einem harmonischen Miteinander auf. Es ist bei diesem Konzept wesentlich unwahrscheinlicher, dass sich ein Kind alleine in die Ecke setzt und mit sich selbst spielt, denn letztlich benötigt es andere Kinder zum Spielen und muss mit ihnen interagieren.

Ein spielzeugfreier Kindergarten soll den Kleinen ermöglichen, wieder rege von ihrer Fantasie Gebrauch zu machen. Anstatt dem Spielzeug ihre komplette Aufmerksamkeit zu widmen, spielen sie vermehrt in der Gruppe, sodass auch ihre sozialen Kompetenzen gefördert werden.

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