Schule und Religionsfreiheit

Ein Schüler des Diesterweg-Gymnasiums in Berlin klagt bereits in dritter Instanz dafür, dass er in den Pausen im Schulgebäude beten darf.

Das Bundesverwaltungsgericht verhandelt nun darüber, ob Yunus M. in der Schule beten darf oder ob dies eine Störung des Schulfriedens bedeutet. Ausgelöst wurde das Gerichtsverfahren, weil der damals 16-Jährige Yunus M. 2008 in einer Schulpause auf dem Flur mit anderen Jugendlichen seine Suren beten wollte. Die Direktorin des Gymnasiums, Brigitte Burchardt, untersagte ihm dies, da sie den Schulfrieden gestört sah und befürchtete, andere Schüler könnten dadurch unter Druck gesetzt werden. Die Schule wird überwiegend von Schülern nichtdeutscher Herkunft besucht und wenn alle auf ihr Gebetsrecht pochen würden, könne sie die Schule schließen, gab Burchardt an.

Beten an Schule erlaubt?

Vor dem Verwaltungsgericht bekam Yunus M. damals jedoch Recht, als er unterstützt von seinem Vater, gegen die Schule und für seine Religionsfreiheit klagte. Da die Schulleitung den Schulfrieden nicht gestört sehen wollte, wurde ihm ein Raum zur Verfügung gestellt, in dem er ungestört beten konnte.
Die Berliner Schulverwaltung ging gegen dieses erste Urteil in Berufung, da sie die Neutralität der Schule gefährdet sah. Das Oberverwaltungsgericht gab in der zweiten Instanz dem Land Recht, da an dieser Schule viele verschiedene Religionen und Glaubensrichtungen vertreten seien. Deshalb sei religiöse Neutralität wichtig, um Konflikte zu vermeiden.

Gebetsräume in der Schule

Ein Schüler ging vor Gericht, damit er in der Schule beten darf


Religiöse Konflikte an Schulen

Da an der Schule in Berlin-Weddingen auch verschiedene Strömungen des Islams vertreten sind, kam es bereits öfter zu Streitigkeiten darüber, wie der muslimische Glaube richtig praktiziert werden soll, beispielsweise ob die Mädchen ein Kopftuch tragen müssen oder nicht. Das Bundesverwaltungsgericht entscheidet nun zwar nur für den konkreten Einzelfall, das Urteil könnte aber auch auf andere Schulen angewendet werden. In Berlin haben bereits weitere Schulen einen Antrag auf einen Gebetsraum gestellt. Das Urteil wird am Mittwoch, den 30. November, erwartet.

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