Schultoiletten erzeugen Ekel

Die Schultoiletten in vielen Städten sind in einem maroden Zustand. Viele Schüler nutzen sie daher äußerst ungern. Das kann im Ernstfall zu Erkrankungen führen.

In Nordrhein-Westfalen ist es nicht anders als in anderen Bundesländern: Schultoiletten sind häufig ein dringender Sanierungsfall. Urinale und Toilettenschüsseln sind defekt, Seife und Toilettenpapier fehlen häufig, Die Toiletten werden viel zu unregelmäßig sauber gehalten und Möglichkeiten zur Desinfektion fehlen fast völlig. Geruchsbelästigung und Ekel führen dazu, dass viele Schüler sich den Gang zur Schultoilette im wahrsten Sinne des Wortes lieber verkneifen. Dies kann jedoch zu ernsthaften Erkrankungen der Harnwege und des Darms führen. Für die dringend notwendigen Sanierungsmaßnahmen fehlen vielerorts allerdings die finanziellen Mittel.

Schultoiletten sind schon lange ein ernstes Problem

Nadja Tatros-Tajer, Hausärztin in Essen, hatte schon häufiger mit Schulkindern zu tun, deren Ekel vor den Schultoiletten zu ernsthaften Erkrankungen führten: „Solche Toiletten machen die Kinder krank,“ warnt sie, „Wenn Blasenentzündung oder Verstopfungen chronisch werden, können sie ihr Leben lang damit Probleme haben“. Auch Ute Breuer, Vorsitzende des Stadtelternrates der Stadt Neuss, kennt derlei Probleme zur Genüge: „Viele Kinder haben sich schon in der Grundschule abgewöhnt, aufs Schulklo zu gehen, und halten lieber aus, bis sie mittags zu Hause sind“, beklagt sie die schwierige Situation an Nordrhein-Westfälischen Schulen. Dabei weiß sie, dass das Problem den Schulverantwortlichen bewusst und auch unangenehm ist. Der marode Zustand der Schultoiletten wirft ein schlechtes Bild auf die gesamte Einrichtung und bei den Verantwortlichen entsteht die Sorge, dass Eltern sich aufgrund dessen gegen eine Anmeldung ihres Kindes entscheiden könnten. Die Schuld für die schlechten Zustände liegt allerdings selten bei den Schulen selbst, wie Markus Wölke, stellvertretender Schulleiter am Neusser Humboldt-Gymnasium aus eigener leidvoller Erfahrung weiß: „Man müsste das dringend austauschen“, ist ihm bewusst, „ die Antwort der Städte dürfte von Emmerich bis Essen gleich ausfallen: Es fehlt das Geld“. Ein Problem, dem sich die Schulen aus der Not heraus jetzt selbst annehmen wollen.

Für Schultoiletten ist selten Geld da.

Schultoiletten sind häufig in einem sanierungsbedürftigen Zustand.


Eine Spende für marode Schultoiletten

Die Ansätze zur Problemlösung an den Nordrhein-Westfälischen Schulen sind vielfältig. Eine Toilettenmaut ist vielerorts bereits eingeführt worden. Dabei hat die Wilhelm-Kraft-Gesamtschule in Sprockhövel beispielsweise ein Modell gewählt, bei dem es Eltern frei steht, einen Beitrag an den Förderverein zu zahlen, um eine zusätzliche Reinigungskraft einstellen zu können. Entscheiden die Eltern sich gegen diesen Obolus, entrichten die Schüler bei jedem Toilettengang eine kleine Gebühr für die Nutzung der speziell gewarteten Toiletten oder können weiterhin die heruntergekommenen aber kostenfreien Toiletten nutzen. Bei einem Unkostenbeitrag von 10 Cent pro Toilettengang muss der Kreis bei diesem Modell allerdings zusätzliches Geld zur Verfügung stellen, um eine Toilettenkraft einstellen zu können. Die Anne-Frank-Realschule in Düsseldorf hatte ein ähnliches Projekt verfolgt, bei dem die Schüler gebeten wurden, monatlich einen freiwilligen Beitrag von einem Euro zu entrichten. Aufgrund von elterlichem Protest konnte die Maßnahme allerdings nicht umgesetzt werden. Die Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen setzt stattdessen auf die direkte Mithilfe der Schüler, die im Klassenturnus selbst bei der Sauberhaltung der Schultoiletten mithelfen. Ein positiver Nebeneffekt dieser Maßnahme: Die Schüler scheinen das Thema Toilettenhygiene viel ernster zu nehmen, seit sie an der Reinigung auch selbst beteiligt werden. Einen beispielhaften Einsatz zeigte die Realschule Süd in Dresden. Hier sicherten sich die Schüler die Unterstützung der städtischen Architektenkammer und sammelten in ihrer Freizeit ausrangierte Handys und ungültige Münzen. Bei einer Bank konnten sie diese Gegenstände gegen Finanzmittel eintauschen. Verschiedene Firmen erklärten sich bereit, Waschbecken und Seifenspender zu stiften. Gemeinsam mit einer Architektin der Architektenkammer wurde eine neue Anlagen für die Schultoiletten geplant. Ein wichtiger Aspekt war dabei die Eindämmung von Vandalismus.

Eine Organisation, die aus der Notsituation der Schultoiletten heraus entstanden ist, ist die „German Toilet Organization“. Die Organisation um Gründer Thilo Panzerbieter setzt sich für die Sanierung maroder Schultoiletten ein und hat zu diesem Zweck den Wettbewerb „Toiletten machen Schule“ ins Leben gerufen. Ein umfangreiches Sanierungspaket winkt den drei Schulen, die die besten Ideen im Kampf gegen unzumutbare Toiletten und Waschräume entwickeln. „Schüller sollten sich nicht gezwungen fühlen, ihre Bedürfnisse einzuhalten oder weniger zu trinken, damit sie nicht auf die Toilette müssen“ erklärt Panzerbieter seinen persönlichen Einsatz.

Schultoiletten sind in Nordrhein-Westfalen wie auch in anderen Bundesländern häufig ein echter Sanierungsfall. Verschmutzungen, unzureichende Hygienebedingungen und fehlende Funktionalität bestimmen den Alltag auf vielen Schultoiletten. Ohne die notwendigen Gelder von Land und Kreis sind die erforderlichenSanierungsmaßnahmen aber häufig nicht möglich. In Nordrhein-Westfalen versuchen mehrere Schulen, dem Problem mit verschiedensten Modellen und Denkansätzen gerecht zu werden.

Bildquelle: Jan Hrouzek | Dreamstime.com


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Was denkst du?

  • Kartoffelfee am 10.01.2013 um 11:03 Uhr

    Unsere Schultoiletten waren auch total ekelhaft. Ich konnte nie auf die Toilette gehen, weil es sehr schlimm gerochen hat!

    Antworten
  • clarat88 am 10.01.2013 um 10:58 Uhr

    Meine Schultoiletten waren eigentlich ganz ok, aber dass Kinder sich vor schmutzigen Schultoiletten ekeln, kann ich verstehen.

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  • AppelLui am 09.01.2013 um 09:36 Uhr

    Oh ja, ich fand meine Schulltoiletten auch immer echt eklig. Aber so schlimm, dass ich deswegen nicht mehr gegangen wäre, waren sie dann zum Glück doch nicht.

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  • bernauwau am 09.01.2013 um 09:07 Uhr

    Ihhh! Schultoiletten waren ja schon früher nicht der Burner, aber sowas?!?

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  • MadameBovary am 08.01.2013 um 13:33 Uhr

    Igitt, das ist ja wirklich zum Abgewöhnen. Ich erinnere mich noch gut an unsere Schultoiletten. Da bin ich auch nie gerne hingegangen.

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