Unternehmen zeigen Initiative

Unternehmen unterstützen Familien

Unternehmen unterstützen Familien

In vielen Familien ist ein Doppelverdienst heute notwendig. Dabei ist es oft nicht einfach, Familie und Beruf in Einklang zu bringen.

Die angebotenen Betreuungsplätze für Kinder hängen in Deutschland noch immer weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Das müssen viele Eltern oft schon feststellen, wenn sie sich kurz nach der Geburt ihres Kindes um einen Betreuungsplatz bemühen. Unter Umständen ist es dann nämlich schon zu spät, um einen der begehrten Plätze in einer Kindertageseinrichtung zu ergattern. Für viele Eltern stellt das ein großes Problem dar, denn für den wirtschaftlich notwendigen Wiedereinstieg in den Beruf wäre ein Betreuungsplatz dringend erforderlich. Unternehmen übernehmen zunehmend eine wichtige Rolle in der Unterstützung von Familien.

Ohne die Unterstützung von Unternehmen geht es nicht

Seit dem 01. August 2012 haben Eltern einen im Gesetzt verankerten Anspruch auf einen Betreuungsplatz für ihr Kind im Alter von ein bis drei Jahren. In der Praxis ist dieser Anspruch jedoch utopisch, wie das Statistische Bundesamt bekannt gab. Zum Stichtag 01. März 2012 fehlten rund 220.000 Betreuungsplätze. Aktuell geht der Städte- und Gemeindebund von rund 160.000 fehlenden Plätzen aus. Dieses Defizit schlägt sich auch deutlich in dem Boom nieder, den private Familiendienstleister derzeit erfahren. Private Unternehmen lösen den Staat nach und nach auf dem Gebiet der Kinderbetreuung ab. Das Statistische Bundesamt gibt an, dass bereits 2006 nur noch 37,3 Prozent der Kindergartenkinder eine staatliche Einrichtung besuchten. Der Großteil der Betreuungsplätze wird demnach von privaten Trägern gestellt, zu denen auch kirchliche Einrichtungen zählen. Die Tendenz ist eher steigend. Im Jahr 2011 war der Anteil der staatlichen Einrichtung an der Kinderbetreuung bereits auf 34,9 Prozent gesunken. Für private Unternehmen ist dieser Trend eine Möglichkeit, sich für Arbeitnehmer attraktiver zu machen und sich qualifizierte Arbeitskräfte zu sichern. Schließlich sind berufstätige Eltern nach der Geburt des Kindes häufig auf einen Betreuungsplatz angewiesen, um ihre Beschäftigung in einem für das Unternehmen sinnvollen Umfang wieder aufnehmen zu können.

Hier sind die Unternehmen selber gefragt, wie Ingrid Sehrbrock, die stellvertretende DGB-Vorsitzende, betont: „In der aktuellen Situation sind Betriebe gut beraten, mehr eigene Anstrengungen zu machen, wenn sie junge Fachfrauen, die Kinder haben, halten wollen.“ Bislang sei das Potenzial hier noch nicht ausgeschöpft, beklagte Sehrbrock. Viele Betriebe hätten die Mittel, um sich an der Finanzierung kommunaler Kindergärten und Kindertagesstätten zu beteiligen, doch nur wenige seien bislang dazu bereit. Auch die Möglichkeit einer innerbetrieblichen Notfallbetreuung für die Kinder von Mitarbeitern sei noch nicht ausgeschöpft.

Unternehmen beteiligen sich an der Kinderbetreuung.
Eine gute Kinderbetreuung ermöglicht auch Frauen den Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Unternehmen nehmen die Unterstützung ihrer Mitarbeiter ernst

Besonders Unternehmen mit kleiner und mittlerer Betriebsgröße tun sich mit der Unterstützung ihrer Mitarbeiter im Hinblick auf die Kinderbetreuung oft schwer. „Für Klein- und Mittebetriebe haben sich Verbünde mit externen Dienstleistern bewährt“, empfiehlt Ingrid Sehrbrock. Margit Werner ist als Standortleiterin des privaten Familiendienstleisters PME Expertin auf dem Gebiet. Sie kennt die Tücken, die auf Unternehmen zukommen, wenn sie ihren Mitarbeitern Möglichkeiten zur Kinderbetreuung einräumen wollen. „Kinderbetreuung ist nicht aus dem linken Ärmel zu schütteln“, gibt sie zu bedenken und benennt als Grund die komplexen gesetzlichen Vorgaben, die von Bundesland zu Bundesland stark variieren.

Möglichkeiten gibt es nach Aussage von Margit Werner viele: „Das gängigste Modell ist, dass Firmen den Bau von Kitas unterstützen und dann gewisse Kontingente an Belegplätzen reservieren.“ So könne man gleichzeitig ein gewisses Kontingent an zusätzlichen Betreuungsplätzen für die Allgemeinheit schaffen. Die in Hamburg ansässige Firma Beiersdorf bietet ihren Mitarbeitern beispielsweise ab 2013 100 Betreuungsplätze in einer eigens dafür errichteten Kindertagesstätte an. Den klassischen Betriebskindergarten sieht Werner aber trotz solcher Beispiele eher als Auslaufmodell an. Trotzdem sind Unternehmen immer stärker bemüht, ihren Mitarbeitern mit Nachwuchs eine Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. So biete beispielsweise die Deutsche Post, die Commerzbank und die Firma Henkel ihren Mitarbeitern Betreuungsplätze in nahe gelegenen Einrichtungen an. Außerdem sind auch betriebsintern etwa 1.000 Mitarbeiter im Rahmen der Kinderbetreuung tätig. Neben der Bereitstellung von Betreuungsplätzen erinnert Margit Werner aber noch einmal eindringlich an die Bedeutung der Gleichstellung von Frau und Mann, besonders in finanzieller Hinsicht: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf darf nicht immer nur ein Frauenthema sein.“

Ein Betreuungsplatz ist häufig das wichtigste Kriterium, wenn es nach der Geburt eines Kindes um den Wiedereinstieg in den Beruf geht. Das Angebot an Betreuungsplätzen steht aber noch immer weit hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Unternehmen können sich durch die Förderung von Kindertagesstätten qualifizierte Arbeitskräfte sichern und sich gleichzeitig für den Arbeitsmarkt attraktiver machen.

Bildquelle: dreamstime.com

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