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Grünkohl, das unverstandene Superfood

Krauskopf

Grünkohl, das unverstandene Superfood

Grünkohl ist für die einen eine bittere Kindheitserinnerung, für die anderen fast schon eine Religion, der jeden Winter aufs Neue gehuldigt wird. Den Status als nostalgisches Schreckgespenst hat Grünkohl nicht verdient, denn die krausen Blätter sind die vielleicht gesündesten, die auf Deinem Teller landen könnten. Ein guter Grund, dem Grünkohl ein Revival zu verpassen und fit und gesund durch den Winter zu kommen.

Grünkohl gehört – der Name verrät es schon – zu den Kohlsorten. Im Gegensatz zum Spitz- oder Weißkohl kommt Grünkohl allerdings nicht als fester, schwerer Kopf daher, bei dem sich Blatt für Blatt harmonisch aneinander schmiegen. Im Gegenteil, optisch gleicht Grünkohl eher einem Kohl mit Bad Hair Day: Kraus und wüst stehen die einzelnen, großen Blätter in alle Richtungen ab und erinnern an ein wirres Chaos statt an die ordentliche Optik seiner Artgenossen. Der so wild aussehende Grünkohl ist ein Blattgemüse, das sich bei eisigen Temperaturen von seiner besten Seite zeigt. Der Volksmund munkelt, dass Väterchen Frost die im Grünkohl enthaltene Stärke in Zucker umwandelt und ihn so bekömmlicher machen würde. Daher wird Grünkohl auch heute noch vielerorts erst nach dem ersten Bodenfrost geerntet. Allerdings ist die Sache mit Väterchen Frost nur so halb richtig, denn wenn der Grünkohl einmal reif ist, enthält er kaum noch Stärke, die umgewandelt werden könnte. Stattdessen sind es die Photosynthese und ein bestimmtes Enzym, die in Sachen Zuckergehalt die Zügel in der Hand halten: Das Enzym Phosphofructokinase verwertet normalerweise den bei der Photosynthese entstehenden Fruchtzucker, befindet sich aber sozusagen im Winterschlaf und der Zuckergehalt im Grünkohl steigt daher an. Die Bauernweisheit ist somit nicht ganz falsch: Grünkohl schmeckt dann am besten, wenn er im tiefsten Winter geerntet wird. Das soll nicht heißen, dass er in den anderen Jahreszeiten ungenießbar ist, nur etwas bitterer. Allerdings ist es schwer, in Deutschland auch in den Sommermonaten an den frischen Blattkohl zu kommen – dafür musst Du ihn schon selbst anbauen.

Organic kale with water droplets in closeup
Go Green! Grünkohl ist der Star unter den Superfoods und wird in anderen Ländern bereits gefeiert

Grünkohl: Mit Freunden und Bewegung durch den Winter

Dass Grünkohl für so manche Menschen fast schon eine Religion ist, kommt nicht von ungefähr, denn in manchen Regionen ist Grünkohl nicht nur ein leckeres Gericht. So ziehen im hohen Norden der Republik jedes Jahr zwischen Januar in Februar Grünkohl-Jünger durch das Land, die jeder steifen Brise, Regen, Schnee und eisigen Temperaturen trotzen. Ihren Altar – einen robusten Bollerwagen – haben sie immer dabei, er rumpelt beständig über Deiche und Feldwege, ein Büschel Grünkohl schaukelt behäbig an ihm hin und her. Ausgestattet ist das Gefährt nebst angemessener Dekoration mit den wichtigsten Opfern, die während einer Kohlfahrt an die Grünkohl Götter gemacht werden: Schnaps und Bier halten die Jünger während ihrer Pilgerfahrt warm, Brezeln sorgen für den kleinen Snack zwischendurch, der sie bei Kräften hält. Die Anhänger der Kohlfahrt erkennt man jedoch nicht nur an ihrem Bollerwagen, auch an ihrem Outfit: Die klassischen Accessoires eines jeden auf Kohltour befindlichen Grünkohl-Jüngers sind das Pinnchen (ein Schnapsglas mit Henkel, das mit einem Taschentuch bestückt an einem Stück Geschenkband um den Hals baumelt), ein meist laminiertes, farbiges Schild, auf der eine Nummer prangt und ein handlicher Feudel, der in der Jacken- oder Hosentasche steckt. Vertraute wissen, dass es sich bei den letzten beiden um Hilfsmittel für eines der vielen Kohlfahrt Rituale handelt, dem Bosseln: Die Gruppe, die ihre Kugeln mit den wenigsten Würfen ans Ziel bringt, hat gewonnen. Auch wenn man es auf den ersten Blick nicht vermutet, hat die Wanderung durch Geest und Feld, über Deich und Wiesen tatsächlich ein Ziel, für das sich die Teilnehmer durch noch so widrige Gefilde schlagen: Das Grünkohlessen in einer ausgesuchten Lokalität, das wieder wohlige Wärme in die tauben Glieder bringt und meist von viel Tamtam begleitet wird. Zu einem solchen Festmahl gehört natürlich Grünkohl, dazu werden perfekt gegarte Kartoffeln, Kasseler, Kochwurst und die heiß geliebte Pinkel serviert. Nicht skeptisch werden jetzt, bei Pinkel handelt es sich um eine köstliche Grützwurst, die besonders in und um Oldenburg und Bremen nicht fehlen darf. Der krönende Abschluss des Essens und damit der Kohltour hat tatsächlich royales Flair, denn Kohlkönig und Kohlkönigin werden gekürt, gebührend gefeiert und mit der Ehre betraut, die Kohlfahrt im nächsten Jahr zu planen.

Grünkohl: Der (unentdeckte) Superheld unter den Nahrungsmitteln

Fans von Grünkohl werden nicken, als hätten sie es schon immer gewusst oder zumindest erwartet, der Rest darf auch einfach nur erstaunt sein und sich dann den Einkaufswagen mit den krausen Blättern beladen: Grünkohl gehört zu den gesündesten Lebensmitteln, die auf dieser Erde wachsen und wir haben das Glück, dass er es in unseren Breitengeraden so gern tut. Doch warum ist der Grünkohl noch nicht im offensichtlich verdienten Rampenlicht? Dazu sei gesagt, dass Grünkohl bereits im Blitzlichtgewitter badet – auf der anderen Seite des großen Teiches. Ernährungsbewusste Amerikaner lieben ihren „Kale“ und bauen ihn selbst im heimischen Garten an. Auch am anderen Ende der Welt, in Australien und Neuseeland, ist Grünkohl ein echter Celebrity und findet seinen Weg in viele Gerichte. Ist er in Deutschland der unverstandene Krautkopf, der erst noch entdeckt werden muss? Es scheint so. Wirft man einen Blick auf die Inhaltsstoffe, versteht man die Amerikaner, die Deutschen jedoch nicht: Reichlich Vitamine, Folsäure, Calcium, Eisen, Omega 3 Fettsäuren, Ballaststoffe, Antioxidantien… Grünkohl hat für den Körper einiges zu bieten. So gibt es beispielsweise kein Obst oder Gemüse, das mehr Vitamin C mitbringt, als Grünkohl und mit seinem Gehalt an Eisen übertrifft er sogar Rindfleisch. Das grüne Gewächs steckt voller Chlorophyll, das dabei hilft, neue Blutzellen zu bilden (chemisch gesehen sind Chlorophyll und Hämoglobin, also Blut, fast identisch), krebserregende Stoffe unschädliche zu machen, die Wundheilung zu fördern und Magnesium- und Eisenmangel vorzubeugen. Mit Hilfe von Vitamin K und Omega 3 beugt Grünkohl außerdem Entzündungen vor, die sonst zu Erkrankungen wie Rheuma, Arthritis und Krebs führen könnten. Schon 100 Gramm Grünkohl enthalten mit 250 Mikrogramm mehr als das Dreifache des Tagesbedarfs an Vitamin K. Wer braucht da noch Vitaminpillen?

Erfolgreiches Trio: Grünkohl, Du und Deine Küche

Grünkohl kann mehr als nur das traditionelle Grünkohl Essen mit reichlich Fleisch, Schmalz und Bratkartoffeln, mit den richtigen Grünkohl Rezepten setzt Du auf leichte und kalorienarme Küche, die Deine Gesundheit auf Vordermann bringt und Hüften und Portemonnaie gleichermaßen schont. Sobald die Grünkohl Saison (November bis März) eingeläutet wurde, schnappst Du Dir Deinen Einkaufskorb und durchstöberst den Wochenmarkt, wo frischer Grünkohl darauf wartet, in dunkelgrüne Köstlichkeiten verwandelt zu werden. Achte beim Einkauf darauf, dass die Blätter knackig und tiefgrün sind, braune und trockene Spitzen oder schlaffes Gemüse kommt Dir nicht in die Küche. Die in Deutschland wohl traditionelle Art, Grünkohl zuzubereiten, ist ihn zu schmoren. Um seine gesunden Schätze zu erhalten, ist allerdings eine schonende Garmethode angesagt, du kannst Grünkohl zum Beispiel hervorragend blanchieren oder dünsten. Erfrischende, leichte Suppen und sogar Aufläufe bekommen mit Grünkohl eine abwechslungsreiche und vor allem gesunde Note. Doch wusstest Du, dass Grünkohl sogar roh ein echter Leckerbissen sein kann? Seine krausen Blätter wandern immer häufiger in grüne Smoothies, denn auf diese Art und Weise kann der Körper die vielen wertvollen Stoffe am besten aufnehmen. Auch in knackigen Salaten macht roher Grünkohl eine schmackhafte Figur und sorgt so ganz nebenbei für mehr Abwechslung an der Salatfront.

So grün, so lecker, so gesund – das ist Grünkohl. Mit seinen vielen Talenten hat er den Namen Superfood durchaus verdient. Ehre, wem Ehre gebührt, daher sollte das krause Gemüse definitiv eine größere Rolle in der Küche spielen, schließlich hält er Dich in Form von erfrischenden grünen Smoothies, leichten Suppen und knackigen Salaten so fit und gesund wie kein anderes Lebensmittel. Also schnapp Dir Deinen Einkaufkorb und statte dem Wochenmarkt in Deiner Nähe einen Besuch ab. Für die fehlende Inspiration haben wir für Dich schon die besten Grünkohl Rezepte im Rezeptekasten zusammengestellt:

Grünkohl, das unverstandene Superfood

Grünkohl, das unverstandene Superfood
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Bildquelle: iStock/ jrwassermann

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