Weißwurstfrühstück: Ein bayrischer Start in den Tag

Es gibt sie, diese Vorurteile, mit denen sich jedes Bundesland konfrontiert sieht: Die Schwaben sind sparsam bis geizig, die Hamburger unterkühlt und in Bayern fängt jeder Tag mit einem Weißwurstfrühstück an. Und wie das mit Vorurteilen nicht selten der Fall ist, steckt zumindest hinter letzterem zumindest ein kleines bisschen Wahrheit. Denn ein Weißwurstfrühstück gehört zur (kulinarischen) Tradition des Freistaates wie Schweinebraten und Weißbier. Doch auch außerhalb Bayerns kann ein Weißwurstfrühstück schmecken – wenn man weiß, was man beachten muss.

Wichtigste Zutat für ein Weißwurstfrühstück ist natürlich – der Name ist hier wieder einmal Programm – die Weißwurst. Dabei handelt es sich um eine Brühwurst aus gekuttertem, also zerkleinertem, Kalbs- und Schweinefleisch, das mit Speck aus dem Schweinerücken sowie einigen Gewürzen verfeinert wird. Ihren Namen verdankt die Weißwurst, die wiederum dem Weißwurstfrühstück seinen Namen gibt, ihrer Farbe: Im Gegensatz zu anderen Brüh- und Bratwürsten ist sie weißlich bis grau. Das liegt daran, dass die Weißwurst mit einfachem Kochsalz gewürzt wird, während andere Würste durch Nitritpökelsatz Aroma und eine rote Farbe bekommen. Der Ursprung der Weißwurst liegt – und das ist jetzt eine echte Überraschung – nicht in Bayern, sondern in Frankreich, wo derartige Würste bereits im 14. Jahrhundert hergestellt wurden. Von Frankreich aus kam die Wurst dann nach Hamburg, wo sie sich aber nicht durchsetzen konnte. In Schlesien eroberte die schlesische Weißwurst hingegen die Herzen vieler Genießer und kommt daher bis heute immer mal wieder auf den Teller. Aber die berühmteste Weißwurst ist und bleibt die Münchner Weißwurst, die auf einen Wirtsmetzger namens Joseph Moser zurückgeht. Auch wenn es Zweifel daran gibt, dass Moser wirklich der erste war, der Weißwürste hergestellt hat, besagt eine Legende genau das. Moser wollte demnach Bratwürste für seine Gäste herstellen, als ihm die dafür benötigten Saitlinge ausgegangen sind. Also schickte er kurzerhand seinen Lehrling los, der den Chef wieder mit ausreichend Schafsdärmen versorgen sollte. Stattdessen brachte er aber Schweinedärme mit, die sich nicht für Bratwürste eignen, da sie zu zäh sind. Doch anstatt seine Gäste zu enttäuschen, machte Moser aus der Not eine Tugend, füllte das Brät in die Schweinsdärme und brühte die Würste ab – und erfand somit durch Zufall die Münchner Weißwurst. Das war im Jahre 1857 und seither ist die Beliebtheit der kleinen, aromatischen Wurst ungebrochen. Doch wie kam es, dass aus einer herzhaften Wurst ein klassisches Frühstück wurde?

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Weißwurstfrühstück: So startest Du Deinen Tag auf Bayrisch

Weißwurstfrühstück: Made in Bavaria!

Das Weißwurstfrühstück verdanken wir einer anderen bayrischen Tradition: In vielen Regionen gehörte der sogenannte Frühschoppen zum Sonntag dazu wie der Gang in die Kirche. Nach eben jenem trafen sich Dorfbewohner zum gemütlichen Beisammensein bei gutem Essen und volkstümlicher Musik. Irgendwann wurde vor allem in Nieder- und Oberbayern die Weißwurst fester Bestandteil dieses Stammtisches und aus dem Frühschoppen wurde das Weißwurstfrühstück – eine Tradition, die sich bei vielen Bewohnern des Freistaates bis heute gehalten hat. Eine Volksweisheit der Bayern besagt übrigens, dass die Weißwurst das Läuten der Kirchenglocken um 12 Uhr mittags nicht mehr hören darf, ein traditionelles Weißwurstfrühstück findet also immer vor der Mittagszeit statt. Neben der namensgebenden Wurst sind süßer Senf, frische Brezeln und ein Glas Weißbier fester Bestandteil vom Weißwurstfrühstück – für diejenigen, die sonst eher Marmelade und Nuss-Nougat-Creme auf ein Brötchen oder eine Croissant streichen, ist ein solch bayrisches Frühstück also eine echte Herausforderung!

Weißwurstfrühstück zubereiten wie in Bayern

Damit der bayrische Klassiker zu einem echten Hit wird, braucht es nicht viel Vorbereitung. Damit die Würste nicht aufplatzen, sollten sie nicht in kochendem Wasser zubereitet werden, stattdessen reicht es aus, reichlich Wasser mit einer Prise Salz und etwas Petersilie zum Kochen zu bringen, den Topf anschließend von der Herdplatte zu ziehen und die Würste dann erst hinein zu geben, wenn das Wasser nicht mehr sprudelt. Eine Viertelstunde lang dürfen die Würste ihr heißes Bad dann genießen, anschließend können sie mit süßem Senf, Brezel und Bier serviert werden. Wobei letzteres optional ist, denn ein Weißwurstfrühstück schmeckt auch ohne Alkohol wunderbar. Der Darm, in dem eine Weißwurst daher kommt, wird in der Regel nicht mitgegessen, obwohl das durchaus möglich wäre. Dennoch wird in Bayern traditionell gezuzelt. Für alle, die des bayrischen Dialektes nicht mächtig sind: Zuzeln bedeutet saugen oder ziehen, die Wurst wird also mit dem Mund aus ihrer Pelle gesaugt. Wem so viel Traditionsbewusstsein ein bisschen zu weit geht, der kann seine Wurst aber auch der Länge nach aufschneiden und den Darm so entfernen – das tut dem Weißwurstfrühstück keinen Abbruch.

Wann kommt ein Weißwurstfrühstück auf den Tisch?

Natürlich darf ein zünftiges Weißwurstfrühstück bei keinem Oktoberfestbesuch fehlen, doch der Klassiker aus dem Freistaat schmeckt nicht nur zur „Wiesn“. In seiner Heimat ist es beispielsweise auch Teil vieler traditionsbewusster Hochzeiten: Vor der Trauung treffen sich die Familien von Braut und Bräutigam mit dem glücklichen Paar und gemeinsam gönnt man sich ein herzhaftes Weißwurstfrühstück, ehe die Braut entschwindet, um sich für ihren Auftritt in Weiß hübsch zu machen. So startet der große Tag mit einem schönen gemeinsamen Essen, das noch einmal das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken soll. In anderen Regionen des Landes kommt ein Weißwurstfrühstück immer dann auf den Tisch, wenn ein Hauch Bayern von Nöten ist, also beispielsweise bei Veranstaltungen, die unter dem Motto „Bayern“ stehen, vor Fußballspielen bayrischer Clubs oder auch dann, wenn ein Bayer im Exil seine Heimat vermisst. Denn beim Weißwurstfrühstück kommt nicht nur eine Wurst, ein Klecks Senf und eine Brezel auf den Tisch – es ist immer auch ein Stückchen Bayern mit dabei!

Wer sagt, dass Vorurteile immer etwas Schlechtes sein müssen? Im Falle der Bayern, die ihr traditionelles Weißwurstfrühstück lieben und ehren, ist das für jeden Feinschmecker eine echte Bereicherung. Denn die Wurst ist fein, harmoniert perfekt mit den süßlichen Aromen des Senfs und die Brezel rundet das Ganze kulinarisch perfekt ab. Jeder sollte sich also mal an einem Weißwurstfrühstück versuchen – egal, ob er im Süden, Westen, Osten oder Norden lebt. Ein so leckeres Stückchen Bayern hat noch niemandem geschadet.

Bildquelle: Thinkstock / bernjuer

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